Zürichsee

ZSG kauft Treibstoff ohne Preisvergleich ein

Der Schiffsfünfliber sorgt seit Monaten für heftige Diskussionen: Er soll den Kostendeckungsgrad der Schiffe auf dem Zürichsee verbessern. Die ZSG hätte Möglichkeiten, die Finanzlage auch selbst zu verbessern.

Die Zürichseeschiffe brauchen jedes Jahr tonnenweise Diesel: 
Allerdings kauft die ZSG seit Jahren beim gleichen Lieferanten ein.

Die Zürichseeschiffe brauchen jedes Jahr tonnenweise Diesel: Allerdings kauft die ZSG seit Jahren beim gleichen Lieferanten ein. Bild: Manuela Matt

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Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) steht unter Kostendruck. Weil der Betrieb der ZSG mit zu viel öffentlichem Geld finanziert werden muss, führte der Kanton Zürich den Schiffsfünf­liber ein. Passagiere sollen pro Tag auf dem See fünf Franken zahlen, um den Kostendeckungsgrad von nur gerade 37 Prozent zu erhöhen.

Recherchen der SRF-Sendung «Eco» zeigen nun: Die ZSG tut nicht alles Mögliche, um die Betriebskosten auf tiefem Niveau zu halten. Konkret geht es um die Beschaffung des Treibstoffs, der mit 1,5 Millionen Franken zweitgrösster Teil der ZSG-Betriebskosten ist. Der Vorwurf von «Eco»: Die Schifffahrtsgesellschaft müsste, weil sie mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand ist, für ihre 17 Schiffe auf dem See den Einkauf von Treibstoff öffentlich ausschreiben. Täte sie das, gäbe es günstigere Preise. Stattdessen kauft die ZSG seit Jahren bei derselben Firma ein.

Grosser Spareffekt

Ausschreibungen würden sich offenbar lohnen: Die Genfer Schifffahrtsgesellschaft CGN holt beim Treibstoffkauf verschiedene Offerten ein. Sie fährt laut der SRF-Sendung mit rund einem Viertel günstigerem Treibstoff als die ZSG. Die Zürcher fahren zwar mit ökologischerem Diesel als die Genfer, doch die Mehrkosten seien enorm: Sie betragen laut «Eco» – konservativ gerechnet – mehrere Hunderttausend Franken pro Jahr.

ZSG-Mediensprecherin Conny Hürlimann rechtfertigt sich auf Anfrage der ZSZ: «Die Schiffe der ZSG werden mit Eco-Speed-Diesel betrieben.» Dieser werde von der Lang Energie AG in Kreuzlingen bezogen. Als die Schifffahrtsgesellschaft vor ein paar Jahren auf diesen Diesel umgestiegen sei, war Lang nach Angaben von Hürlimann der einzige Lieferant. «Die Bestellung erfolgt in individuellen Mengen nach Bedarf und Preisentwicklung», schreibt sie in einer Stellungnahme.

Wenig Kontrollmechanismen

Warum schreibt die ZSG den Auftrag für den Treibstoff nicht aus, wie das etwa der St. Galler Rechtsprofessor Peter Hettich fordert? ZSG-Sprecherin Conny Hürlimann schreibt: «Es gibt unterschiedliche Auffassungen in der aktuellen Rechtsauslegung über den Sachverhalt, ob Treibstoffverträge öffentlich ausgeschrieben werden müssen.» Deshalb überprüfe die ZSG nun die bisherige Praxis, um Klarheit zu schaffen. «Danach werden wir entscheiden, ob wir unsere Praxis ändern werden.»

Beim ZVV hat man Kenntnis vom Fall: «Beschaffungen sind grundsätzlich Sache des Transportunternehmens», sagt Thomas Kellenberger, Mediensprecher des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV). «Natürlich halten wir die Unternehmen dazu an, wirtschaftlich zu arbeiten.» Aber: Eine Kontrollfunktion kann der ZVV nicht übernehmen. «Wir bewilligen zwar das Budget der Unternehmen, aber können dieses in Spezialgebieten bisweilen nur auf Plausibilität prüfen.» Gerade bei Treibstoff seien aber Ausgaben schwierig zu budgetieren, da es sich um einen sehr volatilen Markt handle, ergänzt er.

Die Dieselbeschaffung der ZSG ruft auch die Politik auf den Plan. Beatrix Frey-Eigenmann (FDP, Meilen) sagt als Präsidentin der kantonsrätlichen Finanzkommission in der SRF-Sendung: «Ich erwarte ganz klar, dass die ZSG ihre Kostenseite im Griff hat. Unter anderem auch, indem sie ihre Beschaffung auf eine kluge Art und Weise macht und nicht nur über Umsatzsteigerung versucht, ihren Kostendeckungsgrad zu steigern.» (zsz.ch)

Erstellt: 19.02.2018, 19:44 Uhr

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