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WTL zieht Beschwerde zurück

Das Werk- und Technologiezentrum Linth (WTL) gibt seinen Widerstand gegen die Vergabe von Einsatzprogrammen auf. Es will seine Ressourcen nicht in einen «nutzlosen» Gerichtsentscheid investieren: Das WTL erhält den Auftrag selbst dann nicht zurück, wenn die Beschwerde gutgeheissen würde.

Das WTL zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt an Abteilungen aus und weist eine gute Wiedereingliederungsquote aus: Im vergangenen Jahr konnte rund ein Drittel der stellensuchenden Personen, die über die RAV zugewiesen wurden, eine Festanstellung antreten.

Das WTL zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt an Abteilungen aus und weist eine gute Wiedereingliederungsquote aus: Im vergangenen Jahr konnte rund ein Drittel der stellensuchenden Personen, die über die RAV zugewiesen wurden, eine Festanstellung antreten. Bild: Manuela Matt

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Der Vorstand des Werk- und Technologiezentrums Linth (WTL) hat entschieden: Er zieht die Beschwerde gegen den umstrittenen Entscheid des Kantons St. Gallen zur Vergabe von Einsatzprogrammen zurück. Der Hauptgrund liege in der Tatsache, dass der Vertrag mit der Gegenpartei bereits rechtskräftig unterzeichnet wurde, schreibt das WTL in einer Medienmitteilung.

Der Kanton hat den neuen Vertrag für ein Einsatzprogramm für Erwerbslose mit einem anderen Anbieter unter Dach und Fach gebracht, nachdem das St. Galler Verwaltungsgericht ein Gesuch des WTL um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen hatte. Ein Weiterzug der Beschwerde ändere deshalb faktisch nichts daran, dass in den nächsten vier Jahren ein anderer Anbieter – allerdings zu deutlich höheren Kosten – diese Aufgaben übernehmen wird.

Es handelte sich bei der Ausschreibung 2017 um eine Neuausschreibung, dies sich inhaltlich und auch in den konkreten Fragestellungen zur Ausschreibung 2013 unterscheidet. Des Weiteren waren bisherige Offerten nicht massgebend für die Beurteilung der aktuellen Eingaben.

Das RAV weist nicht mehr zu

Peter Göldi, Präsident des Vorstands des WTL, bedauert die Entwicklung: Sie führe dazu, dass nun dem Zentrum 700 000 Franken an Umsatz pro Jahr entgehen würden. «Es irritiert, dass ein ausserkantonaler Anbieter, der erst noch teurer ist, den Zuschlag erhält», sagt Göldi. Womöglich sei das WTL in der Ausschreibung «zu ehrlich gewesen»: Während dieses im Bereich «Bildung und Coaching» auf den bisherigen Anbieter in Wattwil verwiesen habe, hätte die Stiftung Arbeitsgestaltung in Uster, die den Zuschlag erhalten habe, fiktive Mitarbeiter-Zahlen geliefert.

«Es irritiert, dass ein ausserkantonaler Anbieter, der erst noch teurer ist, den Zuschlag erhält.»Peter Göldi, Präsident des Werk- und Technologiezentrums Linth 

Den Rückzug der Beschwerde seitens des WTL rechtfertigt Göldi wie folgt: «Eine Beschwerde hätte höchstens noch politische Folgen gehabt, indem man etwa dem Amt für Wirtschaft und Arbeit Fehler hätte nachweisen können.» Für das WTL sei es jetzt vielmehr wesentlich, dass sich die Institution mit ganzer Kraft auf seine weiteren Aufgaben konzentriere.

«Das sozialwirtschaftliche Unternehmen wurde von Gemeinden für Gemeinden gegründet», heisst es in der Pressemitteilung: «Im Linthgebiet hatten viele Sozialämter keine personellen Ressourcen, um sich um die Arbeitsintegration der von ihnen abhängigen Sozialhilfeempfänger zu kümmern.» Aus diesem Grund hätten sich die Gemeinden in den 90er-Jahren zusammengeschlossen und diese Aufgabe gemeinsam an das von ihnen initiierte WTL übertragen.

Inzwischen zählt das WTL 29 Mitgliedergemeinden aus den Kantonen St. Gallen, Zürich und Schwyz. Ausserdem kommen Zuweisungen von fast nochmals so vielen Nichtmitgliederkommunen dazu. Ein weiterer wichtiger Partner ist die Invalidenversicherung. Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) hingegen ist in Zukunft kein Partner mehr: Durch die Neuvergabe der Einsatzprogramme für Erwerbslose fallen in Zukunft die Zuweisungen durch das RAV weg – rund 30 der insgesamt 250.

Vier verlieren ihre Stelle

Statt Kräfte und finanzielle Ausgaben in einen Gerichtsprozess mit unsicherem Ausgang und vor allem nicht mehr zu ändernden Umständen zu investieren, will sich das WTL auf seine weiteren Aufgaben fokussieren. Denn dank der starken Basis sei der Weiterbetrieb des WTL gesichert, schreibt das Zentrum: «Die Institution steht auch ohne Zuweisungen durch das RAV auf gesunden Beinen.» Jedoch komme das WTL unter den gegebenen Umständen nicht umhin, sein Angebot zu redimensionieren, was auch personelle Veränderungen zur Folge hat: Vier von insgesamt fünfzig Festangestellten verlieren ihre Stelle. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 18:21 Uhr

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