Kaltbrunn

Wo Laubfrosch und Braunkehlchen einen Lebensraum finden

Das Kaltbrunner Riet ist eines der wertvollsten Naturschutzgebiete in der Ostschweiz. Es beherbergt zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten. Zu seiner Erhaltung arbeiten Kanton, Gemeinden und private Organisationen eng zusammen.

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Nicht nur für Ornithologen ist das Kaltbrunner Riet ein Anziehungspunkt. Auch die lokale Bevölkerung schätzt das Naturschutzgebiet in der Linthebene als Naherholungsgebiet. Auf dem Boden der Gemeinden Uznach, Kaltbrunn und Benken gelegen, ist es der letzte Überrest der Sümpfe, die einst das Gebiet zwischen Walensee und Zürichsee prägten. Zur Kernfläche des Schutzgebietes gehören der Möwenteich, Entensee und Zweiersee. Mit angrenzenden Flächen erstreckt sich das Kaltbrunner Riet über mehr als 100 Hektaren. Als Flachmoor, Amphibienlaichgebiet sowie als Wasser- und Zugvogelgebiet hat es nationale Bedeutung, als Feuchtgebiet sogar internationale Bedeutung.

Die Betreuung des Naturschutzgebietes haben die drei Gemeinden an eine Geschäftsstelle delegiert, die von Pro Natura betreut und vom Kanton mitfinanziert wird. Wie diese Zusammenarbeit funktioniert, liess sich Regierungsrat Bruno Damann (CVP), seit kurzem Vorsteher des St. Galler Volkswirtschaftsdepartementes, gestern vor Ort von Geschäftsführerin Antonia Zurbuchen und Behördenvertretern erklären.

Ein natürlicher Prozess

Am Beispiel des Entensees erklärte Antonia Zurbuchen, wie der fortschreitende Verlandungsprozess den Lebensraum der Amphibien bedroht. Entlang des Ufers hat sich ein sogenannter Schwingrasen gebildet. «Der See wächst langsam zu», sagte Zurbuchen, «das ist ein natürlicher Prozess.» Ungünstig ist er aber für die Amphibien, die für ihre Fortpflanzung offene Wasserflächen benötigen. Pro Natura führt deshalb jährliche Pflegeeinsätze mit Schulklassen, Freiwilligen und Asylbewerbern durch. Ein Glücksfall war zudem, dass die Organisation im Jahr 2010 eine Landfläche beim Pumpwerk vom Linthwerk bekam und so rund 1300 Quadratmeter neue offene Wasserfläche schaffen konnte.

In Zukunft sollen zudem Massnahmen geplant werden, um den Wasserhaushalt zu verbessern. «Wir haben vermutet, dass der See in den letzten Jahrzehnten trockener geworden ist», erklärt Zurbuchen. Gestützt darauf sind Pegelstandmessungen und Vegetationsaufnahmen gemacht worden. Der Wasserhaushalt sei ein kompliziertes System. «Es ist nicht klar, woher das Wasser im See kommt, aber an gewissen Stellen fliesst viel Wasser ab.» Das Büro Naturplan, das auf moorhydrologische Abklärungen spezialisiert ist, untersucht nun seit Sommer 2014 den Wasserhaushalt des Entensees und der angrenzenden Flachmoore. Eine Erkenntnis: Der Pegel im Entensee schwankt zwischen 10 und 15 Zentimeter. Im drainierten Gelände des Riets rundherum sind hingegen Wasserstandschwank­ungen von bis zu 70 Zentimetern zu beobachten. Der Bericht des Fachbüros soll nun erste Projektideen liefern, wie der Wasserhaushalt verbessert werden kann.

Wissenslücken gibt es laut Dominik Thiel, Vorsteher des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, in Bezug auf die Frage, wie viele Vogelarten tatsächlich im Kaltbrunner Riet anzutreffen sind. Ab nächstem Jahr soll deshalb der Vogelbestand regelmässig erhoben werden.

Seit Jahren will Pro Natura den Gastergraben ökologisch aufwerten. Dieser durchfliesst den Perimeter des Kaltbrunner Riets und dient der Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen in der Linthebene. Teilweise ist er eingedolt; wo das Wasser oberirdisch fliesst, ist der Graben mit einer Betonschale und betonierten Böschungen ausgekleidet. Nun soll eine Wasserbaufirma ein Konzept ausarbeiten, wie der Graben in Zusammenarbeit mit der Grundeigentümerin, der Linthebene-Melioration, aufgewertet werden könnte. Laut Zurbuchen sollen dabei die Flächen auf beiden Seiten vernetzt werden, damit Amphibien leichter von einer Seite auf die andere gelangen können.

Grosse Laubfroschpopulation

Ein grosses Projekt zur Schaffung neuer Flachgewässerflächen hat Pro Natura im letzten Winter realisiert. Beim Möwenteich – wo früher bis zu 1000 Brutpaare nisteten – wurde die Bodenschicht abgeschürft. Die rund 250 000 Franken teure Massnahme wurde von Bund und Kanton finanziell unterstützt. Davon profitiert hat laut Antonia Zurbuchen vor allem der Laubfrosch. Im Linthgebiet lebt eine der grössten Populationen dieser stark bedrohten Art. Die umliegenden Streuwiesen werden einmal jährlich im Herbst gemäht. Dabei müssen die rund 40 Landwirte, die die Flächen bewirtschaften, zehn Prozent der Wiesenflächen stehen lassen. Die Einführung von Rietrotationsbrachen – wofür die Brachflächen mehrerer Landwirte zu grösseren Flächenabschnitten zusammengelegt wurden – hat auch dem Braunkehlchen gutgetan. Dieses baut seine Nester am Boden und findet deshalb in den Brachflächen des Kaltbrunner Riets noch jenen Brutstandort, der andernorts in intensiv genutzten Wiesen verloren gegangen ist.

Laut Antonia Zurbuchen werden die neu geschaffenen Wasserflächen nun auch von durchziehenden Reihervögeln als Rastplatz genutzt. Die Massnahme diente aber gleichzeitig auch der Bekämpfung der Spätblühenden Goldrute, einer Neophytenart, die sich in den letzten Jahren auf den höher gelegenen Dämmen entlang des Möwenteichs ausgebreitet hatte. Weil die Goldrute feuchte Standorte nicht mag, konnte sie mit der Abschürfung des Bodens wirkungsvoll bekämpft werden.

Artenförderung belohnen

Zu den Betreuungsaufgaben gehört auch das Monitoring von Amphibien und Insekten. Zudem ist die Geschäftsstelle daran, ein Artenförderungsprogramm auszuarbeiten, das den Landwirten entsprechende Beiträge zusprechen würde. Wie Guido Ackermann, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei, ausführte, sind im Kaltbrunner Riet zudem neue Markierungen zu finden, die schweizweit vereinheitlicht werden sollen.

Erstellt: 16.06.2016, 09:17 Uhr

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