Ufenau

Wo die Braut mit dem Schiff kommt

Eine Hochzeit mitten auf dem Zürichsee – das ist für viele Paare eine verlockende Vorstellung. Rund zehn Heiratswillige geben sich jährlich für das Ja-Wort auf der Insel Ufenau. Für die Brautleute bedeutet das vor allem genaues Planen. Und: Nicht alles ist erlaubt auf der Insel der Stille.

In der Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau wollen sich jährlich etwa zehn Paare trauen lassen. Die meisten haben einen engen Bezug zur Insel.

In der Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau wollen sich jährlich etwa zehn Paare trauen lassen. Die meisten haben einen engen Bezug zur Insel. Bild: Archiv David Baer

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Es hätte eine abenteuerliche Aktion werden sollen. Ein Helikopter, der über der Insel kreist, die Braut auf dem Weg zum Altar entführt, und mit ihr abhebt. Im Cockpit der Bräutigam, der sich erst hoch in den Lüften zu erkennen geben sollte, unten die Hochzeitsgäste, die perplex den Brautleuten nachschauen. James Bond für Romantiker, sozusagen.

Wahrlich «spektakuläres Zeug» würden sich gewisse Paare wünschen, sagt die Dame auf dem Pfarramt Pfäffikon und kichert in den Hörer. Solche Anfragen könne sie natürlich nicht bewilligen. Und überhaupt – bei sehr speziellen Wünschen müsse sie erst mit dem Kloster Einsiedeln Rücksprache nehmen. Grünes Licht beziehungsweise Gottes Segen für eine Hochzeit auf der Ufenau erteilt bei Extrawünschen nämlich das Kloster als Besitzerin der Insel.

Nur eine Trauung pro Tag

Rund zehn Paare pro Jahr wollen ihren grossen Tag auf der Insel Ufenau verbringen. Ja sagen auf einem Kleinod im Zürichsee, umgeben von Wasser und dennoch in einem schmucken Gotteshaus – diese Kombination ist für viele Heiratswillige reizvoll. Für die sakralen Bauten auf der Insel der Stille gelten aber strenge Regeln. In der Kirche St. Peter und Paul ist pro Tag nur eine Hochzeit erlaubt, die Kapelle Sankt Martin steht nur für Gottesdienste und die stille Einkehr offen.

Und auch sonst gibt es ein paar Dinge zu beachten. Zu viel Lärm ist nicht gern gesehen. Ein musikalischer Empfang nach der Trauung sollte sich «im Rahmen eines Ständchens» bewegen, heisst es auf dem Pfarramt, grosse Lautsprecher etwa wären problematisch. Auch aufsteigende Luftballons müsste das Kloster absegnen – offenbar haben sich dies aber bisher noch nie zwei Verliebte gewünscht.

Für eine Ufenau-Hochzeit in diesem Sommer haben fünf Paare beim Pfarramt Pfäffikon angeklopft – halb so viele als in anderen Jahren. Wohl auch deshalb, weil viele nicht wüssten, ob man so kurz nach der Neuereöffnung wieder auf dem Klosteridyll heiraten könne. Dafür liegen für das Jahr 2019 bereits zwei Anmeldungen vor. Beim Pfarramt ist man sich das gewöhnt. Ein spezieller Ort will frühzeitig reserviert sein.

Sie trauen sich im Sommer auf der Insel Ufenau: Seraina Herrmann und Michael Weibel. Bild: zvg.

Antrag auf dem See

Zwei, die sich im August auf der Ufenau trauen lassen wollen, sind Seraina Herrmann und Michael Weibel, beide 27-jährig, ursprünglich aus Pfäffikon. Mit dem Zürichsee sind sie seit ihrer Kindheit verbunden. Mit dem Boot auf den See hinaus zu fahren, sei ihre Leidenschaft, erzählen sie. Beide taten dies schon mit ihren Eltern und Grosseltern. «Oft ankern wir direkt vor der Ufenau, weil es ein besonders schönes Plätzchen zum Baden ist», sagt Seraina Herrmann.

Hier hat sie letzten Sommer auch ihren Heiratsantrag bekommen – inklusive kitschigem Sonnenuntergang. «Perfekt war es», schwärmt sie rückblickend. Sechs Wetter-Apps hat ihr Liebster gecheckt, um sicherzustellen, dass ja kein Wölkchen den Himmel trübt. Die künftige Braut strahlt, der Ring an ihrem Finger glitzert mit ihren Augen um die Wette.

Ein, zwei, drei Schiffe

Die Idee mit der Hochzeit auf der Ufenau sei schnell entstanden, schildern die beiden. Zum einen passe eine Trauung nahe am See zu ihnen, zum anderen wünschten sie sich etwas Aussergewöhnliches für ihr Jawort.

Knackpunkt bei einer Hochzeit auf der Insel sei vor allem der Transport der Gäste. Wie kommen die geladenen, wie die Apéro-Gäste übers Wasser, und vor allem: Wie stellt man sicher, dass keiner vorher die Braut sieht? Da gälte es, den Fahrplan der ZSG genau zu studieren und den Ablauf vorher in Gedanken mehrmals durchzuspielen. Seraina Herrmann und Michael Weibel haben ein separates Schiff für die geladenen Gäste reserviert, alle anderen müssen mit dem regulären Schiff auf die Ufenau. Die Braut wiederum wird in einem kleineren Privatboot zur Insel gelangen. Ihr Zukünftiger soll sie, ganz klassisch, erst in der Kirche sehen.

Eine Schleppe, so oder so

Jetzt, da die Ufenau wieder zugänglich ist, wollen die beiden Verlobten bald einen genaueren Augenschein vor Ort nehmen. Blumen, Apéro, all das will noch organisiert werden. Dass ihr weisses Kleid bei einer solchen Location schnell grüne Flecken bekommen könnte, sei ihr übrigens egal, sagt Seraina Herrmann lachend: Sie werde trotzdem eine lange Schleppe tragen – «Insel hin oder her.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.04.2018, 15:49 Uhr

Serie

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