Rapperswil-Jona

Wird gegen den Tunnelbau das Referendum ergriffen?

Die von Stadt und Kanton favorisierte Variante Tunnel Mitte kommt bei den bürgerlichen Parteien gut an. Allerdings bleiben zahlreiche Fragen offen. SP und UGS hinterfragen, ob es zwingend einen Tunnel braucht, um die Verkehrsprobleme in der Rosenstadt lösen zu können.

Stadt und Kanton treiben gemeinsam die Tunnelvariante Mitte voran. Mit der unterirdischen Linienführung ab Seedamm bis Hüllistein bringe diese Variante die grösste Verkehrsentlastung für Rapperswil-Jona.

Stadt und Kanton treiben gemeinsam die Tunnelvariante Mitte voran. Mit der unterirdischen Linienführung ab Seedamm bis Hüllistein bringe diese Variante die grösste Verkehrsentlastung für Rapperswil-Jona. Bild: Archiv David Baer

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Der Verein Verj (Verkehrsentlastung Rapperswil-Jona) bezeichnet den Entscheid als mutig und richtungsweisend: «Wir stehen zu hundert Prozent hinter dem Entscheid der Stadt Rapperswil-Jona und des Kantons St. Gallen, die Tunnelvariante Mitte gemeinsam vorantreiben zu wollen», sagt Marcel Gasser, Präsident des Vereins Verj. Dieser setzte sich für die Variante Tunnel Mitte/S 7 ein, die einen Strassentunnel im Bahntrassee zwischen Teuchelweiher und Kempraten vorsah. Schliesslich fand diese Variante keinen Eingang in die Zweckmässigkeitsbeurteilung.

«Die Bauarbeiten für die Variante Tunnel Mitte dürften aufwendiger, länger und riskanter ausfallen, als dies bei unserem Vorschlag der Fall gewesen wäre», gibt Gasser zu bedenken: «Bei den Kosten sind die Unterschiede frappant: Der Tunnel Mitte kostet eine Milliarde, also das Doppelte des Betrages der Variante Tunnel Mitte/S 7. Gasser hofft, dass sich nun die Rapperswil-Joner nicht erneut ins Bein schiessen, indem sie sich wieder nicht einig werden bezüglich der Tunnelfrage: «Wir haben es nun selber in der Hand.» Auszuschliessen sei allerdings nicht, dass von neuem das Referendum gegen den Tunnelbau ergriffen werde.

«Wenige würden profitieren»

Ob die Sozialdemokraten ein Referendum gegen die Tunnelvorlage ergreifen oder unterstützen werden, könne derzeit noch nicht abschliessend beantwortet werden, sagt Eduard Hirschi. Aus Sicht des Co-Präsidenten der SP Rapperswil-Jona stehen die exorbitant hohen Kosten und offene Fragen in Sachen Anschlüsse im Fokus. «Es stellt sich die Frage, ob der Bau eines Tunnels zwingend notwendig ist, um die Verkehrsprobleme der Rosenstadt lösen zu können», sagt Hirschi. Es sei offensichtlich, dass der Seedamm auch nach einem Tunnelbau das Nadelöhr im Verkehr am Obersee bleiben werde.

Skeptisch gegenüber dem Tunnelprojekt zeigt sich Silvia Kündig, Co-Präsidentin der UGS: Kantonsingenieur Marcel John setze selber ein grosses Fragezeichen, ob so viel Geld überhaupt zur Verfügung stehen würde. «Man sieht das Heil hauptsächlich in neuen Strassen. Egal, was es kostet und wie diese die Umwelt belasten», sagt Kündig: Auch diese Tunnelvariante werde neuen Verkehr anziehen. Lediglich einige wenige Stadtteile würden davon profitieren können. «Die Entlastungswirkung wäre nur sehr beschränkt. Viel Geld, viel Beton, viel Bauerei für einen minimalen Nutzen», sagt Kündig.

Aus Sicht der Freisinnigen kommt derweil die vorgeschlagene Tunnelvariante gut an: «Die Mängel der im Jahr 2011 abgeschmetterten Vorlage wurden behoben», sagt FDP-Präsident Markus Gisler: «Einerseits ist die Linienführung nun stringent, andererseits entfällt auch die damals geplante Etappierung des Projekts.» Zudem entfalle auch ein Tagbau an der Zürcherstrasse. Allerdings würden noch einige Fragen in der Detailplanung offenbleiben, konstatiert Gisler: So sei unklar, ob der geplante Kreisel beim Anschluss in der Tüchi den Verkehr schlucken könne und wie etwa Autofahrer vom Sonnenhof beziehungsweise von der Zürcherstrasse her kommend diesen Anschluss erreichen könnten.

«Widerstand wäre absehbar»

«Das grösste Risiko bleibt die angestrebte unterirdische Linienführung unter der Güterstrasse», hält Gisler fest. Falls aufgrund des schwierigen Baugrunds eine unterirdische Lösung bei der Güterstrasse nicht machbar wäre, müsste folglich der Verkehr oberirdisch geführt werden. «Dies würde naturgemäss den Widerstand etwa seitens der Permanence gegen das Projekt wecken», sagt Gisler.

Als guten Ansatz taxiert CVP-Präsident Thomas Hofstetter die vorgeschlagene Tunnelvariante: «Es ist ein wesentlicher Schritt, der dazu führen kann, dass sich die Lebensqualität in der Rosenstadt erhöhen wird.» Klar sei, dass eine Ablehnung dieses Projekts dazu führen würde, dass eine Lösung in den nächsten dreissig Jahren vom Tisch wäre.

Die Variante Mitte sei eine mutige Variante und habe mit den innerstädtischen Anschlüssen die höchste Entlastungswirkung, sagt SVP-Präsidentin Barbara Keller-Inhelder: «Die Variante bringt auch eine Entlastung im Ziel- und Quellverkehr, das heisst auch für die lokalen Bewohner.» Es würden aber neuralgische Punkte wie der Anschluss Tüchi und der Anschluss Kemp-raten bleiben, die im Detail mit den Anwohnern zu klären seien, sagt Keller-Inhelder. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.08.2018, 09:22 Uhr

Die Variante «Stadttunnel Mitte» ist gemäss einer Auswertung die geeignetste, um die Stadt Rapperswil-Jona vom Verkehr zu entlasten.

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