Rapperswil-Jona

«Wir wollen ganz vorne mitspielen»

Die Firma Bexio in Rapperswil-Jona hat eine prestigeträchtige Auszeichnung als bestes IT-Start-up der Schweiz gewonnen. Geschäftsführer Jeremias Meier sieht im schnellen Ausbau der Kundenzahl einen der wichtigsten Erfolgsgaranten.

Voller Einsatz an allen Fronten – mit Niederlagen kann Bexio-CEO Jeremias Meier nur am firmeneigenen Töggelikasten leben.

Voller Einsatz an allen Fronten – mit Niederlagen kann Bexio-CEO Jeremias Meier nur am firmeneigenen Töggelikasten leben. Bild: Sabine Rock

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Jeremias Meier, halten Sie Bexio selbst auch für das beste Schweizer Software-Start-up, so wie es die Jury beim Top 100 Start-up Award 2016 getan hat?
Jeremias Meier: Die Frage habe ich mir nie gestellt. Wir haben den Anspruch, in dem Bereich, in dem wir tätig sind, also bei der Entwicklung von Buchhaltungs- und Business-Software für KMU, ganz vorne mitzuspielen. Da glaube ich tatsächlich, dass Bexio über eine gute Position verfügt. Aber wir haben nie das Ziel gehabt, das beste Software-Start-up der Schweiz zu sein.

Die Nummer eins im Bereich IT zu sein, muss aber noch nicht heissen, dass Sie auch das erfolgreichste sind . . .
Wenn wir den Erfolg auf die Grösse und die Kundenzahl beziehen, dann sind wir auf unserem Gebiet sicher am erfolgreichsten. Wir sind inzwischen der grösste Anbieter von webbasierter Business-Software in der Schweiz.

Grösse ist gleich Erfolg?
In unserer Branche ist die Kundenzahl respektive die Frage, wie viel Kunden wir in einer bestimmten Zeitperiode hinzugewinnen können, entscheidend für die Frage, ob man ein gutes Produkt gebaut hat, das auch funktioniert und für das die Leute zu zahlen bereit sind. Im Moment ist es so, dass jeden Monat Hunderte Kunden zu Bexio wechseln. Und die Anzahl der Kunden schlägt sich wiederum im Umsatz nieder. Letztlich bezahlen die Kunden unsere Löhne.

Gibt es einen Grund dafür, weshalb sich am Standort Rapperswil-Jona so viele aufstrebende IT-Firmen tummeln – von Hostpoint über Compass Security und AMS bis zu Ihnen?
Ich denke, ein Grund ist die Nähe zur Hochschule HSR. Wir haben sehr viele Software-Entwickler, die aus dem HSR-Umfeld zu uns stossen. Sowohl für einen IT-Arbeitgeber als auch für die Studenten sind die kurzen Distanzen ein Vorteil. Wir haben viele Mitarbeiter, die ganz am Anfang mit einem Praktikum oder zwischen den Vorlesungen bei uns erste Praxiserfahrung sammelten. Dadurch sind sie schon früh mit unserer Firma in Kontakt gekommen. Einige sind dann fest bei uns eingestiegen. Zudem stimmen hier die Rahmenbedingungen für ein Start-up, wie wir es sind. Wir sind relativ nahe bei und vor allem schnell in Zürich, das den grossen IT-Arbeitsmarkt darstellt, haben aber in Rapperswil-Jona im Vergleich die tieferen Kosten.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen IT-Firmen in Rapperswil-Jona?
Die IT-Branche ist stark fragmentiert. Auch in Rapperswil-Jona sprechen die einzelnen Firmen eine jeweils völlig andere Klientel an, sodass wir in keinem Fall Mitbewerber sind, nicht einmal auf dem Arbeitsmarkt.

Wie ist das Verhältnis zu denlokalen Behörden?
Wir haben keinen speziellen Kontakt, aber den vermisse ich auch nicht. Für uns ist der Austausch mit der HSR wichtig, um dort eine Plattform zu haben, etwa für gemeinsame Forschungsarbeiten, aber auch ganz pragmatisch, um dort unser Personal rekrutieren zu können. Die HSR organisiert diverse Rekrutierungsveranstaltungen, an denen wir jeweils präsent sind. Wir werden auch regelmässig zu Gastvorlesungen eingeladen. Der Austausch ist zudem insofern für beide Seiten interessant, als heute der akademische Nachwuchs die Arbeit in der Start-up-Szene für attraktiver hält als bei einem Grossunternehmen.

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für diese Entwicklung?
In einem Start-up ist es möglich, viel selbstverantwortlicher zu arbeiten. Als wir 2014 hier anfingen, waren wir sechs Leute, da konnte jeder alles machen. Und diese Leute sind zum Teil immer noch dabei und führen Teams mit bis zu zehn Leuten. Sie waren am Aufbau der Firma wesentlich mitbeteiligt. Allerdings ist es auch so, dass derzeit ein grosser Hype rund um Start-ups herrscht, mit teils romantischen Vorstellungen von Jungunternehmen als reinen Wohlfühloase. Die Aufregung wird sich aber wieder legen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.10.2016, 08:16 Uhr

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Am Top 100 Start-up Award 2016 hat das Jungunternehmen Bexio den Preis als bestes Schweizer Software-Start-up erhalten. Am gleichen Anlass erreichte die schweizweit grösste Anbieterin von webbasierter Business-Software für Kleinunternehmen und Selbststän­dige den 7. Platz aller Schweizer Start-ups. Für den dieses Jahr zum sechsten Mal verliehenen Top 100 Start-up Award wählten Experten aus über 100?000 Firmen die 100 innovativsten und erfolgversprechendsten Start-ups aus. Im Fall von Bexio honorierte die Jury die Anstrengungen der Rapperswiler Firma, «die Digitalisierung auch Kleinunternehmen zu ermöglichen». Heute zählt Bexio knapp 6000 Firmenkunden und rund 40 Mitarbeitende. (zsz)

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