Eishockey

«Wir sind immer noch am Ruder»

Trotz der bitteren 2:3-Auswärtsniederlage in der geschichtsträchtigen dritten Partie der Ligaqualifikation gegen Kloten am Dienstag strotzen die Lakers weiter vor Selbstvertrauen und blicken dem heutigen vierten Duell zuversichtlich entgegen.

Bitter: Nach heroischem Kampf müssen die Lakers in Kloten in der 3. Minute der dritten (!) Verlängerung den K.-o.-Schlag hinnehmen.

Bitter: Nach heroischem Kampf müssen die Lakers in Kloten in der 3. Minute der dritten (!) Verlängerung den K.-o.-Schlag hinnehmen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein geregeltes Training fand gestern in der SGKB-Arena nicht statt. Einige Spieler kurvten auf dem Eis herum, andere stemmten im Kraftraum Gewichte oder strampelten auf dem Hometrainer, wieder andere gingen joggen. «Die Vorgabe ist, dass sich jeder für etwa eine Stunde bewegt, um das Lactat aus den Muskeln zu kriegen», erklärt SCRJ-Head­coach Jeff Tomlinson. In welcher Form und wann er dies tue, sei jedem freigestellt.

Der Grund für die durchausungewöhnlichen Freiheiten liegt auf der Hand: Die Rosenstädter waren am Vorabend Teil der längsten Partie in der Geschichte des Schweizer Eishockeys. Erst um 0.28 Uhr, nach 102:32 Minuten Spielzeit, sprich in der 3. Minute der dritten (!) Verlängerung, war die Entscheidung gefallen. Erstmals in dieser Serie zugunsten der Klotener. Captain Denis Hollenstein schoss den Oberklassigen nach einem Rush mit dem 3:2 zum Sieg.

Die verpassten Chancen

Dass die Zürcher Unterländer mit dem Messer am Hals, sprich 0:2-Rückstand in der Serie im zweiten Heimspiel eine Reaktion zeigen würden, sei ihnen klar gewesen. «Sie zeigten mehr Leidenschaft. Es war wohl ihr bestes Spiel seit langem – und ihr Sieg letztlich verdient», gesteht Tomlinson – um sogleich anzufügen: «Dennoch hätte die Partie genausogut zu unseren Gunsten ausgehen können.»

Der 43-Jährige denkt an die drei Grosschancen während einer Druckphase der Lakers im Mitteldrittel. Zweimal war Verteidiger Florian Schmuckli aus bester Position gescheitert (26./35.), dazwischen Stürmer Sven Lindemann (30.). «Das 2:0 hätte Kloten wohl das Genick gebrochen», glaubt Tomlinson.

Was den SCRJ-Trainer ebenfalls ärgerte, war die Art und Weise, wie Kloten zum 2:2 kam. In der Phase nach dem 2:1 durch Leandro Profico, der wie schon sein Teamkollege Jeremy Morin beim 1:0 (7.) im Powerplay reüssierte (48.), hätten sie zu weich verteidigt. «Iglesias hätte Trachs­ler da an der Bande festnageln müssen.» Er versäumte es, der Hombrechtiker nutzte den Auslauf, zog ab – und sah, wie sein Schuss, von Patrick Obrist noch entscheidend abgelenkt, ins Netz flog (51.).

Keinen Vorwurf wollte der Headcoach demselben Verteidiger beim entscheidenden Treffer machen. «Da zeigte sich die grosse Klasse Hollensteins. Durch eine kleine Richtungsänderung direkt vor der Schussabgabe verhinderte er, dass der Verteidiger mit dem Stock eingreifen konnte», begründet Tomlinson.

Immer noch in guter Position

Selbstredend war die Enttäuschung bei den Lakers riesig nach diesem verlorenen Marathonspiel. Aber nur für einen kurzen Moment. Dann erinnerten sich alle daran, dass sie in der Serie immer noch mit 2:1 Siegen vorne liegen. Als der Teambus kurz nach 2 Uhr in der Früh in die Rosenstadt zurückkehrte – praktisch zeitgleich mit fünf von den SBB spontan aufgebotenen Extrabussen, mit denen die vielen SCRJ-Fans aus Kloten heimtransportiert wurden –, war die Niederlage bereits abgehakt.

«Es gibt keinen Grund, nervös zu werden oder zu zweifeln zu beginnen. Wir sind immer noch am Ruder», betont Tomlinson. Gleich empfinden die Spieler. «Wir führen noch immer, sind also auf Kurs», sagt Dion Knelsen. Dieser Gedanke helfe, die Niederlage schnell zu verarbeiten. «Seit ich heute (am Mittwoch; Red.) aufgestanden bin, gilt mein Fokus einzig noch dem nächsten Spiel.»

Massagen und Eiswasser

Diese vierte Partie steht bereits heute Abend an – in der Rapperswiler SGKB-Arena, wo die Lakers diese Saison seit Beginn des Playoffs noch nie verloren haben. Im Zentrum bis dahin steht mehr denn je die Regeneration. Denn wenn nicht mental, so hat das Rekordspiel ganz sicher körperlich seine Spuren hinterlassen. Umso gefragter waren gestern die Dienste von Physio Dirk DeProost. «Mit Massagen kann die Regeneration gefördert werden. Ebenso mit einem Bad im Eiswasser», erklärt dieser. Zur Behandlung von Muskelverhärtungen – im Fall von Verteidiger Cyrill Geyer hervorgerufen durch das fast schon heldenhafte Blocken eines Schusses während einer Klotener Überzahl in der ersten Verlängerung – werde zudem Elektrotherapie eingesetzt.

Einige Fragezeichen

Trotz solcher Mittel ist es laut Tomlinson fraglich, ob heute alle am Dienstag eingesetzten Spieler wieder einsatzbereit sind. Wenn nicht, verfüge er aber über genügend Alternativen. «Ich bin gespannt, welches Team sich in Spiel 4 besser erholt zeigt», blickt der Headcoach voraus. Physio De Proost tippt eher auf die Lakers: Weil sie ihre Einsatzzeit ausgeglichener auf die Spieler verteilten und er sie mental immer noch im Vorteil sieht. «Und der Kopf hat einen grossen Einfluss auf den Körper.»

Mehr gefordert als üblich war Dirk De Proost natürlich schon am Dienstagabend gewesen. Denn er ist bei den Lakers auch für die Ernährung zuständig. Wichtig sei gewesen, dass die Spieler viel trinken. «Es war sehr heiss in der Halle. Es dürfte jeder drei bis vier Liter Flüssigkeit ausgeschwitzt haben.» In der vierten Pause sei dann auch der Hunger zum Thema geworden. Gestillt wurde dieser mit Gels, Powerriegeln und dem sogenannten «Recovery-Shake», der normalerweise nach Spielende getrunken wird. «Da sind vor allem Kohlenhydrate und Proteine drin», erklärt De Proost

Sollte es heute erneut zu einem Marathon-Match kommen, De Proost wäre gerüstet: «Klar, und zu Hause wäre es das kleine Problem, da wir da natürlich besser ausgerüstet sind. Ich hoffe aber, dass wir das Spiel vorher für uns entscheiden können.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.04.2018, 11:23 Uhr

Artikel zum Thema

Lakers verlieren und müssen Ausgleich hinnehmen

Eishockey Ein Abend zum Vergessen: Die SCRJ Lakers verlieren das vierte Spiel der Ligaqualifikation zuhause mit 0:4. In der Serie steht es nun 2:2. Mehr...

Auch der ÖV musste in die Overtime

Kloten/Rapperswil Das rekordlange Eishockeyspiel hat am Dienstag von allen Beteiligten viel abverlangt. Weil keine Züge mehr fuhren, wurden die Lakers-Fans spontan mit Bussen zurück in die Rosenstadt chauffiert. Mehr...

Hollenstein schiesst Kloten zum Sieg

Eishockey Im dritten Aufeinandertreffen holt Kloten den ersten Sieg gegen die Lakers: Hollenstein trifft in der 103. Minute eines denkwürdigen Marathon-Spiels. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!