Rapperswil-Jona

Wie Jona zum Pilgerort wurde

Vor 600 Jahren wurde die Pfarrkirche neu eingeweiht und feiert seither immer am Sonntag nach Maria Himmelfahrt ihr Titularfest. In den Zeiten der Reformation und des Bildersturms wurde ihr wichtigster Schatz verbrannt: Die Wunder auslösende Marienstatue zog im Mittelalter viele Wallfahrer an.

Der 25-jährige Silvano Berti studiert Geschichte und hat am Jubiläum über 600 Jahre Maria Himmelfahrt referiert. Im Zentrum stand hierbei die Marienstatue, für die Kopf und Hände der Statue aus dem Jahr 1657 verwendet wurden.

Der 25-jährige Silvano Berti studiert Geschichte und hat am Jubiläum über 600 Jahre Maria Himmelfahrt referiert. Im Zentrum stand hierbei die Marienstatue, für die Kopf und Hände der Statue aus dem Jahr 1657 verwendet wurden. Bild: Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hoch auf einem Felssporn im Zentrum von Jona thront sie – die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Als wäre sie dem Himmel in der Tat ein Stück näher als etwa das Stadthaus oder das Kreuz, die ihr zu Füssen liegen. Ein besonderer Ort war der Frohbühl, auf dem die Pfarrkirche steht, schon immer.

Bereits die Römer hatten dort eine religiöse Kultstätte: In einem Tempel brachten sie der Göttin Juno ihre Opfer dar. Ein Opferstein legt Zeugnis davon ab: Dieser diente der Joner Pfarrkirche Jahrhunderte lang als Weihwasserbecken und wird heutzutage im Stadtmuseum Rapperswil-Jona aufbewahrt. Im Mittelalter wurde aus der Kultstätte ein Gerichtsplatz «Maria zu Angst und Not»: Unter freiem Himmel wurde dort Gericht gehalten.

Unfug in der Kirche getrieben

Über den Ursprung der Joner Kirche weiss Silvano Berti bestens Bescheid: Der angehende Historiker mit Wurzeln in Kempraten und Mitarbeiter des Stadtmuseums hat anlässlich des Jubiläums 600 Jahre Maria Himmelfahrt über die kirchengeschichtlichen Hintergründe des Titularfestes einen Vortrag in Jona gehalten.

Darin zeigt er auf, wie es überhaupt zur Kirchweihe vor 600 Jahren gekommen ist: Der Weihbischof Georg aus Konstanz weihte die Kirche neu ein, nachdem die Zürcher bei der Belagerung der Stadt Rapperswil in der Schlacht von Näfels im Jahr 1388 die Joner Kirche entweihten, indem sie dort ihre Zelte aufschlugen. An der Kirchweihe am 31. März 1418 schenkte der Rapperswiler Pfarrer Eberhard Kupferschmid der Kirche eine Marienstatue, die fortan jedem einen Ablass der Sündenstrafen im Fegefeuer verhiess, der vor der Statue fünf Ave Maria betete.

Die Schwester von Einsiedeln

Berti führt die Folgen dieses Ablasses aus: Aus der näheren und weiteren Umgebung pilgerte fortan viel Volk nach Jona, um sich die Heilung von Krankheiten zu erflehen. Die Gebete zur heiligen Mutter Gottes fruchten: Weil sie Wunder auslösen, die auf Votivtafeln in der Joner Kirche abgebildet werden, werden zahlreiche Wallfahrer angezogen, die nach Jona pilgern. Ein jähes Ende nimmt die Pilgerfahrt, als in den struben Zeiten des Bildersturms reformierte Joner im Jahr 1531 die Marienstatue verbrennen. «Vielleicht wäre Jona ohne diese Tat auch in der Neuzeit ein vielbesuchtenr Wallfahrtsort geblieben», konstatiert Berti. Immerhin hiess die Marienstatue wegen seiner Wundertätigkeit «die Schwester der Einsiedler Gnadenmutter».

In den Obersee geschwemmt

Eine zweite Marienstatue wurde in der Joner Kirche von 1532 bis 1656 verehrt – wenn auch mit etwas weniger Resonanz: Sie wurde nach der Aufhebung des Klosters Rüti im Jahr 1525 in die Jona geworfen und an den Obersee geschwemmt. Auch diese Statue fiel der Refomation zum Opfer, als im Ersten Villmergerkrieg im Jahr 1656 wiederum die Zürcher die Stadt Rapperswil belagerten.

Im Jahr 1611 fielen zahlreiche Stadtbewohner und Hofleute der Pest zum Opfer. Jeden ersten Montag im Monat beschloss der Rat, eine Bittprozession «zue unsrer Lieben Frau gen Jonen zue thuon». Nachdem die Pest eingedämmt war, wallfahrte die Bevölkerung danach regelmässig zur Madonna auf dem Joner Kirchhügel. Gemäss einer Legende hatte sich ein Rapperswiler Handwerksgeselle geweigert, an der monatlichen Dankprozession teilzunehmen. Der Geselle verspottete am stadtauswärts nach Jona führenden Halstor die frommen Bittgänger mit so unflätigen Worten, dass ihn der Wächter festnahm und in den Schlossturm warf, wo er am nächsten Morgen von Pestgeschwüren bedeckt in das Siechenhaus nach Kempraten gebracht wurde und kurz danach verstarb.

Kapelle mit Blick auf Statue

Die dritte Marienstatue stammt aus dem Jahr 1657 und stand frontal in einer Sakristeinische auf der Nordseite des Chors in der Joner Kirche. Im Jahr 1936 wurde eine neue Statue hergestellt, in die Kopf und Hände der alten Marienstatue eingebaut wurden. Sie erhielt eine eigene Kapelle im südlichen Teil des neu gebauten Querschiffs der Pfarrkirche.

Noch heute kommen Besucher in die Kirche Maria Himmelfahrt, um in der Marienkapelle zu beten und eine Kerze anzuzünden. In die Kapelle führt der Weg an der Kreuzigungsgruppe vorbei zur Pietà aus dem 17. Jahrhundert mit der Mutter Gottes und dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus.

In den Jahren 2003 und 2004 erfolgte eine Umgestaltung des Innern der Pfarrkirche in Jona. Diese betraf auch die Marienkapelle und deren Sicht in Richtung Altarraum: Wer in der Kapelle sitzt, dessen Blick wird unwillkürlich auf die Marienstatue vorne in der Kirche Maria Himmelfahrt gelenkt. Und kann sich in der Tat dem Himmel ein Stück näher fühlen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.08.2018, 14:27 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!