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Wie Familie Dobler den Kampf gegen die Moderne verliert

Beat Hüppin beschreibt in seinen Romanen «Talwasser» und «Asphalt», wie Familie Dobler zweimal von Haus und Hof vertrieben wird. Die Familie ist fiktiv, die Hintergründe sind real.

Fing schon als vierjähriger Knirps mit Schreiben an und hat inzwischen zwei erfolgreiche Romane veröffentlicht: Autor Beat Hüppin.
Fing schon als vierjähriger Knirps mit Schreiben an und hat inzwischen zwei erfolgreiche Romane veröffentlicht: Autor Beat Hüppin.
Sabine Rock

Wäre so etwas heute noch möglich? Die Frage steht im Raum, nachdem Autor Beat Hüppin eine Stunde lang aus seinen beiden Romanen «Talwasser» und «Asphalt» gelesen hat. Das Weesner Publikum ist sich einig. Es gibt auch heute noch Menschen, denen ihr Zuhause weggenommen wird – beispielsweise weil ihr Haus einer Überbauung weichen muss, die mehr Rendite abwirft. Und am Tag nach Hüppins Lesung berichtet die Lokalzeitung einmal mehr über Pläne, im schwyzerischen Wangen einen neuen Autobahnzubringer zu bauen. Damit die Bauern nicht allzu viel wertvolles Kulturland verlieren, verlangt der Gemeinderat eine Tunnellösung.

Damit sind wir mitten in der Thematik von Beat Hüppins neuestem Roman «Asphalt», mit dem er seit letzter Woche auf Lesereise ist. Am Dienstagabend machte der in Wangen wohnhafte Autor auf Einladung der Kulturkommission in Weesen Station. «Asphalt» handelt vom Autobahnbau Mitte der 1970er-Jahre und spielt in der Linthebene. Hier, in der Nähe von Tuggen, hat die fiktive Familie Dobler einen Bauernbetrieb übernommen, nachdem sie ein halbes Jahrhundert zuvor Haus und Hof in Innerthal verlor, weil das Dörfchen vom Stausee überflutet wurde. Nun droht der Familie dieses Schicksal ein zweites Mal.

Fakten und Fiktion

Beat Hüppin ist Germanist und Altphilologe, er unterrichtet Latein an der Kantonsschule Ausserschwyz. Der 41-Jährige ist in Wangen aufgewachsen. Die Geschichte seiner engeren Heimat habe ihn immer schon fasziniert, sagt er. Auch geschrieben habe er, seit er denken könne. Schon als vierjähriger Knirps habe er auf Vaters Schreibmaschine eine Autozeitschrift «verfasst» und während der Gymi-Zeit gleich mehrere Krimiversuche unternommen. Mit dem Kraftwerksbau im Wägital fand Hüppin dann ein historisch-literarisches Thema, das zu seinem ersten erfolgreichen Buch führte: «Talwasser» erschien 2016 im Zytglogge-Verlag. In einer klaren Sprache ohne viele Schnörkel verbindet Hüppin die Geschichte der fiktiven Familie Dobler mit genau recherchierten Fakten zum Bau der damals grössten Gewichtsstaumauer der Welt.

Der Roman «Talwasser» lebt vom Spannungsfeld zwischen Heimatverbundenheit und Fortschrittsglauben, zwischen der Angst um die bäuerliche Existenz und der Begeisterung für eine neue Technik. Geschickt verteilt Hüppin die unterschiedlichen Interessen und Meinungen auf die einzelnen Familienmitglieder und schildert anhand ihrer Konflikte die historisch verbürgten Fakten.

Musik entzweite Familien

Mit dem neuen Roman «Asphalt» führt Hüppin die Familiengeschichte bis in die Gegenwart fort. Die Autobahn soll mitten durchs Wohnhaus der Doblers führen. Wieder steht die drohende Vertreibung im Zentrum, dazu kommen die Generationenkonflikte. Der Autor entwirft anhand der Dobler-Kinder ein eigentliches Gesellschaftsgemälde der 1970er-Jahre, in dem er unter anderem aufzeigt, welch enormen Stellenwert die Rockmusik damals einnahm. «Heutzutage, wo Eltern und Kinder häufig einen ähnlichen Musikgeschmack haben, kann man sich gar nicht mehr vorstellen, was für Konflikte da innerhalb einer Familie aufbrechen konnten», sagt Beat Hüppin.

Der Wanger Autor thematisiert in beiden Romanen auch den schäbigen Umgang der Behörden mit der einfachen Landbevölkerung, die schlecht informiert und schliesslich vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Doch auch mit der Solidarität untereinander war es nicht weit her; eine breite Widerstandsbewegung gegen den Stausee im Innerthal kam nie zustande. Eine Fortsetzung der doblerschen Familiengeschichte wird es laut Hüppin nicht geben. Aber er habe noch viele andere Ideen.

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