Gommiswald

Wie die Weltseele am Obersee landet

Emmanuel Kennedy gründet nächstes Jahr im «Haus zur Blume» das weltweit erste C.-G.- Jung-Museum. Am Samstag eröffnet der Psychotherapeut zudem in Gommiswald die Buchhandlung «Anima Mundi». Damit wird das Dorf am Ricken definitiv zur Hochburg der Jungianer.

Emmanuel Kennedy eröffnet in Gommiswald eine Buchhandlung, die das Werk von C. G. Jung ins Zentrum rückt. In der Galerie an der Rickenstrasse 25 sollen zudem Sonder- und Wechselausstellungen über die Bühne gehen.

Emmanuel Kennedy eröffnet in Gommiswald eine Buchhandlung, die das Werk von C. G. Jung ins Zentrum rückt. In der Galerie an der Rickenstrasse 25 sollen zudem Sonder- und Wechselausstellungen über die Bühne gehen. Bild: Manuela Matt

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Carl Gustav Jung war tief verbunden mit dem Obersee: In Bollingen baute sich der Begründer der analytischen Psychologie mit seinem Turmhaus am Strandweg ein persönliches Refugium, in dem er viele seiner Bücher schrieb. Nun wird das Linthgebiet dank der Gründung eines Museums und der Eröffnung einer Galerie in Gommiswald erst recht zur Region, in der dem im Jahr 1961 verstorbenen Schweizer Psychiater gedenkt wird.

«Dass ausgerechnet eine kleine Gemeinde am Ricken zum Nabel der C.-G.-Jung-Welt werden könnte, ist mit Blick auf Jungs Aufenthalt am Obersee gar nicht so abwegig», sagt Emmanuel Kennedy. Er ist überzeugt, dass das Ländliche kein Nachteil sein muss: «Die einfachen Leute sind oft viel näher an der inneren Wahrheit und an dem, was Jung gelehrt hat.» Wenn Menschen mit der äusseren wie auch mit der inneren Natur, der unbewussten Psyche, verbunden seien, hätten sie auch einen guten Draht zum eigenen Selbst und eine Nähe zum Transzendentalen, dem Göttlichen.

Mit seiner hohen geistlichen Persönlichkeit habe Jung die Wissenschaft der Tiefenpsychologie und die Erforschung des Unbewussten geprägt wie kein anderer. Mit dem Beruf des Psychoanalytikers vertraut gemacht wurde Emmanuel Kennedy durch seinen Adoptivvater, der C. G. Jung gekannt und mit ihm gearbeitet hatte. Mit der engsten Mitarbeiterin Jungs, Marie-Louise von Franz, hat Kennedy bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 eine tiefe Freundschaft gepflegt.

Mit dem Museum möchte Emmanuel Kennedy nicht nur Analytiker und Fachleute wissenschaflicher Richtungen nach Gommiswald locken, sondern auch Laien, Studenten und Schüler ansprechen. Bild: Manuela Matt.

Haus vor Abbruch gerettet

Den Stein ins Rollen gebracht hat Kennedy selber: Auf seine Initiative hin wurde 2009 in Gommiswald die «Schweizerische Stiftung Museum für Analytische Psychologie nach Carl Gustav Jung» gegründet. Nun war noch ein passender Ort gesucht, an dem ein Museum seinen Platz finden könnte.

Auf das für ein Museum geeignete und eigentlich abbruchreife, unter Heimatschutz stehende «Haus zur Blume» an der Rickenstrasse 22 hatte Kennedy schon lange eine Auge geworfen. Er kaufte das Haus und renovierte es mit viel Liebe zum Detail mit eigenen Mitteln. Zwei Fliegen auf einen Schlag: Einerseits rettete er damit das 140 Jahre alte Haus im letzten Moment, andererseits schenkte er die Kosten der Einrichtung der Museumsstiftung.

Im Museum sollen Originalexponate, die sich grösstenteils im Besitz von Kennedy befinden, ausgestellt werden: Darunter sind ein Pressearchiv, Erstausgaben bedeutender Jungscher Literatur, persönliche Briefe, Manuskripte von Seminaren und Vorträge, historische Dokumente, Bilder, Fotografien sowie Tonband-, Video- und Filmaufnahmen zu finden.

Mit dem Museum möchte Emmanuel Kennedy nicht nur Psychotherapeuten, Analytiker und Fachleute wissenschaflicher Richtungen nach Gommiswald locken, sondern auch Laien, Studenten und Schüler ansprechen. Geplant sind Vorträge, Symposien, Workshops und Seminare.

«Das Museum soll nicht nur zu Ehren von Jung seine Tore öffnen, sondern eine Art Hommage an die menschliche Psyche sein», sagt Kennedy: «Unser Ziel ist es, Jungs geistige Werk und seine Wirkung auf Wissenschaft, Kultur und die Menschheit einem breiteren Publikum vertrauter zu machen.»

Das Böse bewusst machen

Kennedy schätzt die Bedeutung von Jungs Werk für die heutige Zeit als gross ein: Jung nehme im Gegensatz zu Freud, der zu einseitig im Lust-Prinzip steckengeblieben sei, eine ganzheitliche Sicht der Dinge ein. «Er ermutigt uns, unseren Schatten, das Dunkle in uns, anzunehmen, indem wir auf die Träume oder auf unsere innere Stimme achten.»

Das sei in einer Zeit, in der destruktiven Kräfte überhand nehmen, umso wichtiger. «Eine Atombombe genügt, um einen Teil unserer Kultur und der Menschheit zu vernichten.» Wer sich des Schattens in seinem eigenen Wesen nicht bewusst werde, wie etwa Adolf Hitler, öffne dem absoluten Bösen Tür und Tor. «Der heutige Zeitgeist ist geprägt von Eigennutz, Vermassung, Kollektivismus und Nivellierung des Individuums», konstatiert Kennedy. Nur wenn der Einzelne nach innen schaue und sich mit den unbewussten Kräfte auseinandersetze, könne Wandlung, Überwindung und Heilung geschehen.

Auf die Träume achten

Jung habe sich in seiner Lehre ganz auf das Individuum konzentriert. Die psychotherapeutische Erfahrung zeige, dass ein Mensch, der in den tieferen Schichten seiner Seele herabsteigt, einen Einfluss auf das Unbewusste der anderen Leute habe. «Als Tiefenpsychologe achte ich auf die Träume der Menschen, um herauszufinden, wohin die schöpferischen Kräfte in der Seele des Einzelnen uns führen wollen», führt der 65-jährige Gommiswalder aus. Schliesslich könnten Orientierung und tiefgreifende Änderungen nur von innen her kommen.

Bevor im kommenden Jahr das Museum seine Geburtsstunde erlebt, steht zunächst die Eröffnung einer Buchhandlung in Gommiswald auf dem Programm: Unter dem Namen «Anima Mundi» öffnet am 30. September im Gauenhof an der Rickenstrasse 25 eine Galerie seine Türen. Zudem haben Künstler wie auch Laien die Möglichkeit, ihre kreativen Werke auszustellen und zu verkaufen. Für Kinder und Jugendliche stehen Märchen- und Mythenbücher sowie Zeichnungs- und Malmaterial zur Verfügung, um ihre kreative Imagination ausdrücken zu können. Eine Ladenecke und die Möglichkeit, einen Kaffee bei der Lektüre zu bestellen, runden das Angebot ab.

Am Samstag, ab 8.30 Uhr, wird die Buchhandlung und Galerie «Anima Mundi» in Gommiswald an der Rickenstrasse 25 mit einem Tag der offenen Tür eröffnet. Infos unter www.anima-mundi.gallery. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.09.2017, 15:23 Uhr

Zur Person

Emmanuel Kennedy wurde am 18. Februar 1952 in Griechenland geboren. Seine Studien absolvierte er in New York, Österreich und der Schweiz. Nach dem Doktorat liess sich Emmanuel Kennedy am Jung-Institut in Küsnacht in Psychoanalyse ausbilden. Seit 1988 ist er psychotherapeutisch tätig. Er ist Stiftungsratmitglied der Schweizerischen Stiftung Museum für Analytische Psychologie und der Stiftung für Jungsche Psychologie. Er doziert am C.G. Jung-Institut und am Forschungs- und Ausbildungszentrum für Tiefenpsychologie in Zürich. Emmanuel Kennedy ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt seit dem Jahr 1973 in Gommiswald. (ml)

Anima Mundi

In der Galerie in Gommiswald werden Jung-Bücher, Originalexponate, Werke archetypischer Natur mit Bezug zur Tiefenpsychologie und symbolische Darstellungen innerpsychischer Manifestationen (Träume, Phantasien, Visionen, Imaginationen) ausgestellt. Die Mehrzahl davon steht zum ersten Mal in der Öffentlichkeit und bildet den Kern der ständig erneuerten Grundausstellung. Neben Neuausgaben werden Exemplare von vergriffenen Büchern und antiquarische Einzelbände aus Literatur Jung’scher Richtung verkauft. Postkarten, Poster, Fotos und Reproduktionen von Bildern ergänzen das Sortiment. (ml)

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