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Wicor hat Frankenschock verdaut

Wicor hat den Verlagerungsprozess von arbeitsintensiven Tätigkeiten in Tieflohnländer im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das Resultat: Die Profitabilität bei der Rapperswiler Industriegruppe ist 2016 gestiegen.

Franziska Tschudi Sauber (CEO Wicor-Gruppe): «Wir sind wieder auf dem Stand vor dem Frankenschock».
Franziska Tschudi Sauber (CEO Wicor-Gruppe): «Wir sind wieder auf dem Stand vor dem Frankenschock».
Keystone

Die Wicor-Gruppe (Weidmann International Corporation) hat sich vom Frankenschock nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vor über zwei Jahren schnell erholt. Das ist insofern erstaunlich, als über 90 Prozent der von der Industriegruppe hierzulande hergestellten Produkte in den Export gehen. Insgesamt ist die Gruppe im vergangenen Jahr um drei Prozent gewachsen (Vorjahr: +5%), währungsbereinigt um vier Prozent (+9%), wobei nach Aussage von Konzernchefin Franziska Tschudi Sauber beide Geschäftsbereiche — Electrical Technology und Medical Technology — fast gleichmässig zum Wachstum beitrugen.

Abbau kleiner als erwartet

Der Bereich Electrical Technology (Produkte und Dienstleistungen für Transformatoren) profitierte von grossen Infrastrukturprojekten zum Ausbau der Stromnetze in China und Indien. Zudem sei es Wicor gelungen, seine globale Marktführerschaft bei der elektrischen Isolationierung für Transformatoren-Hersteller und -Anwender zu konsolidieren und die Kundenbasis im Bereich Medical Technology zu verbreitern. Auf der Ertragsseite, sprich der Rentabilität, habe sich Wicor im 2016 in allen Bereichen verbessert, erklärt Tschudi Sauber gegenüber der ZSZ: «Wir sind wieder auf dem Stand vor dem Frankenschock». Das nicht-börsenkotierte Familienunternehmen gibt keine Gewinnzahlen bekannt. Dem Managament und überhaupt allen Mitarbeitenden von Wicor konnten aber — im Gegensatz zum Vorjahr — wieder «relativ gute» Erfolgsbeteiligungen ausbezahlt werden.

Um näher an ihre Kundenbasis vor Ort heranzurücken, hatte die St. Galler Industriegruppe bereits im Herbst 2014 Produktionsverlagerungen von Rapperswil nach Kroatien, Holland und in die Ukraine beschlossen. Diese wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen, ebenso der mit dem Verlagerungsprozess einhergehende Stellenabbau am Standort Rapperswil. Gestrichen wurden in erster Linie Temporärstellen.

Unter dem Strich, sagt Tschudi Sauber, sei der Abbau deutlich geringer ausgefallen als ursprünglich erwartet, da in den in Rapperswil und Ennenda verbleibenden Aktivitäten — etwa bei der Board- und der Blockspanproduktion — Zusatzschichten aufgebaut werden konnten.

Von den weltweit 3200 Wicor-Mitarbeitenden sind rund 500 in der Schweiz tätig, davon 330 am Hauptsitz in Rapperswil. Die zum Teil leerstehenden Büroräumlichkeiten im Wicor-Hauptgebäude — bedingt unter anderem durch den Auszug der ehemaligen Autozulieferungs-Tochter Weidplas GmbH nach Küsnacht — konnten zum Teil bereits fremdvermietet werden.

Patente eingereicht

Grosse Hoffnungen setzt Tschudi Sauber auf die Anstrengungen im Bereich Fiber Technology, die mittelfristig zu einem dritten Standbein für das Unternehmen führen und das Wachstum breiter abstützen sollen. Das dazu erforderliche Wissen im Bereich Fasern (Fibers) als High-Tech-Werkstoff hat Wicor seit langem: «Wir wissen, wie mit dem Naturstoff Cellulose umzugehen ist, um neuartige Anwendungen zu entwickeln».

Im Rapperswiler Faser- und Board-Labor wird heute schon ein neuartiges Produkt aus mechanisch in kleinste Bestandteile aufgespaltenen Fasern (mikrofibrillierte Cellulose) hergestellt. Im Herbst soll dann eine Anlage zur industriellen Produktion in Betrieb gehen, die nach Angaben von Franziska Tschudi Sauber die erste ihrer Art auf diesem Gebiet wäre. Für diesen Prozess hat Wicor zwei Patente angemeldet.

Mikrofibrillierte Cellulose findet beispielsweise als Emulsionsstabilisator in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie Anwendung oder als Additiv in Verbundwerkstoffen. Langfristig will Wicor deshalb nicht nur das Grundlagenmaterial — die mikrofibrillierte Cellulose — liefern, sondern vor allem daraus hervorgehende neue Produkte.

Für das laufende Geschäftsjahr geht die Wicor-Chefin davon aus, dass die weiterhin gute Auftragslage in den Hauptmärkten der Gruppe ein weiteres Umsatzwachstum ermöglicht. Der Hauptfokus werde in allen Bereichen auf Innovation und der Optimierung der Unternehmensprozesse («operational excellence») liegen.

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