Rapperswil-Jona

Wer wird Schulpräsident?

Die Ortsparteien von Rapperswil-Jona machen bei der Nachfolge von Stadtrat Thomas Rüegg wohl gemeinsame Sache. Das Amt des Schulpräsidenten sei zu wichtig für parteipolitische Überlegungen. Dennoch melden einige Parteien Ambitionen an.

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona erhält bald ein neues Mitglied. Thomas Rüegg (2. von links) tritt im Oktober nächsten Jahres zurück.

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona erhält bald ein neues Mitglied. Thomas Rüegg (2. von links) tritt im Oktober nächsten Jahres zurück. Bild: PD

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Der angekündigte Rücktritt von Stadtrat Thomas ­Rüegg (FDP) dürfte zurzeit das Gesprächs­thema Nummer eins in Rapperswil-Jona sein. Schliesslich ist der Schulvorsteher seit elf Jahren voll­amtlicher Stadtrat. Als er seinen Entscheid am Donnerstag an der Bürgerversammlung verkündete, würdigten die Bürger seine Arbeit mit einem grossen Applaus.Auch die Ortsparteien aner­kennen seinen langen Einsatz. «Thomas ­Rüegg hinterlässt eine grosse Lücke», sagt Barbara Keller-Inhelder, Präsidentin der SVP Rapperswil-Jona. «Er war immer äus­serst innovativ.» «Die langjährige Behördentätigkeit von Thomas ­Rüegg verdient unseren Respekt», meint auch Eduard Hirschi, Co-Präsident der SP. Dario Grassi, Vizeprä­sident der Jungfreisinnigen See-Gas­ter bedauert den grossen Erfahrungsverlust.

Überrascht hat ­Rüeggs Entscheid niemanden, ein Rücktritt sei aufgrund seines Alters zu er­war­ten gewesen, heisst es bei den Parteien. Einzig die CVP ist ein wenig erstaunt, dass ­Rüegg die Legislatur nicht zu ­Ende macht, wie Parteipräsident Thomas Hofstetter erklärt. Rüegg tritt im Okto­ber nächsten Jahres zurück, die ordentliche Legislatur endet 2021. Keller-Inhelder beurteilt die frühe Kommunikation des Schulpräsidenten sehr positiv. Die Parteien waren noch vor der Öffentlichkeit informiert wor­den. Damit bleibe ihnen denn genügend Zeit, um bis zur Wahl im März geeignete Kandidaten zu finden.

Das Amt ausschreiben

Was mögliche Nachfolger angeht, halten die Parteien sich grösstenteils noch bedeckt. Interessant ist allerdings, dass die Parteien mit dem Gedanken spielen, sich gemeinsam auf die Suche nach Kandidaten zu machen, es ist sogar die Rede von einer Findungskommission. Es wird auch vorgeschlagen, das Amt auszuschreiben. Damit würde das Kandidatenfeld ausgeweitet. Im Kanton St. Gallen kann man auch in ein Amt gewählt werden, wenn man zum Zeitpunkt der Wahl nicht im frag­lichen Ort wohnhaft ist. Schulpräsident ist in Rapperswil-Jona ein Vollzeitjob, mit entsprechender Entlöhnung.

Die Spitzen der Ortsparteien haben sich auf Einladung von Thomas ­Rüegg bereits für ein erstes Gespräch getroffen. Gemäss FDP-Präsident Markus Gisler hat ­Rüegg den Parteien dort auch angeboten, ein Anforderungsprofil für das Amt zu erstellen, was begrüsst wurde.

Es gehe darum, gemeinsam den besten Kandidaten oder die beste Kandidatin zu finden, erklärt Barbara Keller-Inhelder. Es müsse nicht unbedingt jemand aus der SVP sein. Auch SP-Co-Präsident Eduard Hirschi findet diese Zusammenarbeit grundsätzlich eine gute Sache: «Wir soll­ten im Interesse der sehr wich­tigen Aufgabe und zum Wohl der Kinder eine sachpolitische Zusammenarbeit anstreben.» Doch er macht auch klar, dass die SP mit grosser Wahrscheinlichkeit einen eigenen Kandidaten aufstellen wird. «Wir wollen zurück in die Exe­ku­tive.» Die SP ist zurzeit zum ersten Mal seit 100 Jahren nicht mehr im Stadtrat vertreten. Hirschi ist auch überzeugt, dass es in seiner Partei mehrere Personen gibt, die für das Amt geeignet wären.

Kündig sagt ab

In der UGS gebe es ebenfalls ­einige mögliche Kandidaten, findet Co-Präsidentin Silvia Kündig. Sie selbst komme aber aufgrund ihres Alters nicht infrage. In der Ver­gangenheit kandidierte Kün­dig als Stadträtin, zudem kennt sie sich als Heilpädagogin in der Bildungspolitik aus. Einen zweiten Stadtratssitz für die UGS sei durchaus im Bereich des Mög­lichen, meint Kündig. Die Partei werde sich trotzdem an der überparteilichen Zusammenarbeit beteiligen.

Die CVP möchte die Nachfolgewahl ebenfalls koordiniert mit den anderen Parteien angehen. Zwar gäbe es aus Sicht von Thomas Hof­stetter unter den eigenen Parteimitgliedern durchaus valable Kandidaten für das Amt des Schulpräsidenten, einen dritten Stadtratssitz anzustreben, hält Hof­stetter jedoch für vermessen.

«Wir begrüssen die überpar­teiliche Zusammenarbeit», erklärt GLP-Vizepräsident Tobias Uebel­hart. Eine Ausschreibung und ein trans­parentes Verfahren seien wünschenswert. «Das darf politisch sein, muss aber nicht.» Eigene Kandidaten sind bei der GLP zurzeit nicht in Sicht.

Die FDP möchte ihren zweiten Stadtradratssitz gerne verteidigen, sagt Markus Gisler. «Aber wir können nicht einfach jemanden aus dem Hut zaubern.» Die Jung­freisinnigen haben derzeit kein Interesse an einem Stadtratssitz, informiert Dario Grassi.

Hohe Erwartungen

Die Parteien sind sich einig, dass die Anforderungen an einen Nach­folger hoch sind. «Als Schulpräsident steht man einem grossen Ressort vor, das auch die Bereiche Alter und Gesellschaft umfasst», erklärt Markus Gisler. Er wünscht sich jemanden mit politischer Erfahrung und Kenntnissen in der Schulorganisation und der Pädagogik.

Auch Barbara Keller-Inhelder hat klare Vorstellungen: Die Person müsse Führungserfahrung und einen breiten Horizont mitbringen. «Der Kandidat sollte nicht nur von Schulzimmer zu Schulzimmer gezogen sein, sondern auch ausserhalb der Schule Erfahrungen gemacht haben.» Ein gewisser pädagogischer Bezug sei allerdings nötig, genauso wie Lebenserfahrung. Die SP wünscht sich jemanden, der eine gewisse Stabilität garantiert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2018, 21:17 Uhr

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