Wirtschaft

Weidplas erhöht Wochenarbeitszeit

Vor einem Jahr hob die Nationalbank den Euromindestkurs auf. Drastische Folgen hatte dieser Entscheid für den Betrieb Weidplas. Heute hat sich der Autozulieferer stabilisiert.

Das Automobilzuliefergeschäft von Weidplas läuft derzeit auf vollen Touren – im Bild Interim-CEO Stephan Mayer im Produktionswerk in Rüti.

Das Automobilzuliefergeschäft von Weidplas läuft derzeit auf vollen Touren – im Bild Interim-CEO Stephan Mayer im Produktionswerk in Rüti. Bild: Manuela Matt

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«Wir sind als Firma gut aufgestellt, auch wenn jedes Unternehmen heute die Aufgabe hat, seine Strategie laufend zu überprüfen.» Das sagt Stephan Mayer, seines Zeichens Interim-CEO bei Weidplas. Das Mandat des 66-Jäh­rigen läuft ab, sobald eine neue, definitive Lösung für die Rappers­wiler Industriegruppe gefunden worden ist. Bis Mitte Jahr soll Klarheit herrschen. Mayer hat sich dar­auf spezialisiert, als Frontmann bei Firmen einzuspringen, die sich in einer Übergangsphase befinden, sei es wegen einer strategischen Neuausrichtung oder einer Restrukturierung.

Infolge des Währungsschocks von Mitte Januar letzten Jahres schloss Weidplas kurz dar­auf den Teil Werkzeugbau am Stand­ort Rap­pers­wil. Die Abteilung hatte das hoch automatisierte Autozulieferwerk von Weid­plas in ­Rüti versorgt. Der Entscheid war mit dem Abbau von über 30 Stellen in Rap­pers­wil verbunden – ein grosser Teil durch Entlassungen. ­Heute werden die Werkzeuge bei Weid­plas alle extern eingekauft.

Auf ­Ende August verliess der damalige CEO Thomas Freiburghaus das Unternehmen, auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen, wie Mayer festhält. Einen Zusammenhang mit dem Personalabbau bei Weid­plas verneint er: «Es handelte sich um einen ganz normalen Abgang im gegenseitigen Einvernehmen.» Die Techniplas Group als Eigentümerin von Weid­plas habe aber den Wechsel an der Spitze zum Anlass genommen, «sich bewusst Zeit zu nehmen, um zu entscheiden, in welcher Form die definitive Nach­folge ­an der Spitze geregelt werden soll, ob extern oder intern».

Volle Auftragsbücher

Mayer, der für seine Tätigkeit bei Weid­plas ähnlich gelagerte Erfahrungen als Übergangs-CEO bei der Berner Autozuliefergruppe AdvalTech mitbringt, sieht sich ­ in Rap­pers­wil keineswegs in der Rolle eines Trouble Shoo­ters: «Wir befinden uns nicht in einer Problemphase.» Als kurz­fris­tige Reaktion auf die Aufgabe des Euromindestkurses durch die SNB am 15. Ja­nuar 2015 gelang es Weidplas, Abkommen mit Kunden und Lieferanten abzuschliessen, die der Rapperswiler Firma beim Preis entgegenkamen.

Auch wenn die Margen infolge des starken Frankens gelitten ­haben: Die Auftragslage im trä­gen Autozuliefergeschäft, das bei Weid­plas über 90 Prozent des Umsatzes ausmacht, reicht laut Mayer bis über 2017 hin­aus. Ab Oktober hat das Unternehmen die Arbeitszeit für seine Mitarbeiter in der Schweiz von 40 auf 44 Stunden erhöht – bei gleichbleibendem Lohn. Die Massnahme ist bis Ende des ersten Quartals 2016 befristet. Danach wird mit der Arbeitnehmervertretung über eine Weiterführung gesprochen.

Rahmenbedingungen sind nicht besser geworden

Zum laufenden Geschäftsgang gibt Weid­plas ­keine Zahlen bekannt. Gemäss Mayer sind aber bei der Techniplas-Tochter – trotz weiterhin angespannter Währungssituation – kurzfristig ­keine weiteren Personalmassnahmen geplant. Mittel- und langfristig hingegen, also über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren, sind noch einige Fragen offen. Zum Beispiel, wie es mit dem ­kleinen Sanitärgeschäft (Dusch­köpfe) von Weid­plas weitergeht. Dieses wurde ursprünglich als zweites Standbein entwickelt, spielt heute aber innerhalb der Gruppe eine marginale Rolle und weist einen ganz anderen Geschäftscharakter auf als der Bereich Automotive. Momentan sei aber noch kein Entscheid dazu getroffen worden, sagt Mayer. «Wir befinden uns in der Diskussionsphase und lassen uns dafür Zeit.»

Dabei haben sich die Rahmenbedingungen für den Werk­platz Schweiz in jüngster Zeit nicht ­gerade verbessert: Neben den unsiche­ren Auswirkungen der Masseneinwanderungsinitiative gehört auch die leidige Franken-/Euro-Thematik dazu, an der ­sich in naher Zukunft kaum Wesent­liches ändern wird. Zudem weist Mayer darauf hin, dass «auch Deutsch­land über ein gutes und konkurrenzfähiges Fachkräftepotenzial verfügt, gerade im Automobilsektor».

Erstellt: 13.01.2016, 18:05 Uhr

Weidplas

Die Weidplas GmbH stellt Kunststoffkomponenten für die Automobilindustrie und die Sanitär­branche her. Das Unternehmen unterhält Produktionsstandorte in der Schweiz (Rüti), Deutschland, Brasilien und den USA. Insgesamt beschäftigt Weidplas 950 Mitarbeitende, davon rund 100 am Hauptsitz in Rapperswil (Technologieentwicklung) und über 110 in Rüti (Automobilzulieferung). Die ehemalige Wicor-Tochter ist seit Mai 2014 Teil der Techniplas Group, einem privat geführten Kunststoff-Unternehmen mit Hauptsitz in Nashotah (US-Bundesstaat Wisconsin). Techniplas beliefert schwerpunktmässig die Automobil- und Nutzfahrzeug-Industrie und ­erzielt einen Jahresumsatz ­von fast 500 Mio. Dollar. (ths)

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