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Was Martin Stöckling mit Brüssel zu tun hat

Der kleinen Altstadt-Buchhandlung Bücherspatz ist ein wahrhafter Coup gelungen: Die Besitzer Monika Künzler und Eduard Hirschi haben Robert Menasse eingeladen, und der Starautor sagte innerhalb weniger Stunden zu.

Robert Menasse, der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017, liest im Stadthaus aus seinem Bestseller «Die Hauptstadt».
Robert Menasse, der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017, liest im Stadthaus aus seinem Bestseller «Die Hauptstadt».
Keystone

Das Foto vom Stadthaus könnte den Ausschlag gegeben haben. Buchhändler Eduard Hirschi legte es der Anfrage bei, die er vor einigen Wochen an Robert Menasse sandte. Der österreichische Schriftsteller, Träger des deutschen Buchpreises 2017, brauchte keine 24 Stunden, um die Einladung anzunehmen. Am 2. März liest Menasse im Stadthaus von Rapperswil-Jona aus seinem Bestseller «Die Hauptstadt».

Warum im Stadthaus? Bei dieser Frage kommt Stadtpräsident Martin Stöckling ins Spiel. Hirschi und seine Partnerin Monika Künzler organisieren als Buchhändler pro Jahr bis zu zwölf Veranstaltungen und sind immer auf der Suche nach aussergewöhnlichen Lokalitäten. Die Idee mit dem Stadthaus stammt von Stöckling. Hirschi und Künzler fanden Stöcklings Vorschlag toll und suchten nach einer Lesung, die ins politische Ambiente passen würde. «Ein Liebesroman schien uns nicht das Richtige zu sein», erzählt Hirschi lachend. Die Wahl fiel schnell auf Robert Menasse, der mit «Die Hauptstadt» einen hochpolitischen Roman geschrieben hat.

Schwein und Gespenster

Ausgangspunkt ist eine unerhörte Begebenheit: Ein Schwein rennt durch die Strassen von Brüssel. Der Leser lernt die Hauptfiguren des Buches in dem Moment kennen, als ihre Wege sich mit denen des Tiers kreuzen. Es sind Angehörige der Brüsseler Beamtenkaste, und Menasse gewährt einen tiefen Einblick in die von ihm haargenau recherchierten Funktionsweisen der EU-Bürokratie. Ein Projekt muss her, das der wenig bekannten und schlecht beleumundeten EU-Kommission zu mehr Renommee verhelfen soll. Doch das Vorhaben versinkt im giftelnden Beamten- und Bürokraten-Kleinklein, bevor es richtig gestartet ist.

«Wer weiss, vielleicht landet der FDP-Politiker Martin Stöckling eines Tages gar in Brüssel.»

Robert Menasse

Das ist zum Schreien komisch und zum Heulen tragisch. Die Gespenster der europäischen Geschichte huschen durch die Brüsseler Büros, wenn der österreichische Professor in einem Thinktank vorschlägt, Auschwitz zur neuen Hauptstadt Europas zu machen. Oder wenn der hochbetagte Jude, der als Kind von einem Deportationszug sprang, sich jetzt, da er endlich alles bezeugen dürfte, an fast nichts mehr erinnern kann. Menasse verwebt die verschiedenen Handlungsstränge immer kunstvoller – auch ein Kriminalfall ist dabei – und lässt am Schluss alle in der Brüsseler U-Bahn zusammenlaufen. Seine Lesung in Rapperswil-Jona wird von Daniela Colombo, Germanistin und Mitorganisatorin der hiesigen Literaturtage, moderiert.

Karriere und Hochzeit

Menasses Roman «Die Hauptstadt» ist im Zürcher Neumarkttheater bereits als gefeiertes Theaterstück zu sehen, der Autor avancierte in den letzten Monaten zu einem der gefragtesten Interviewpartner. Dass so ein Bestsellerautor in die beschauliche Rosenstadt kommt, verdankt das Publikum dem umtriebigen Buchhändlerpaar Hirschi und Künzler. Und auch ein bisschen seinem Stadtpräsidenten, der mit der Idee für das Stadthaus als Lesebühne die Initialzündung gab.

Nun wird ja Martin Stöckling schon seit seiner Wahl nachgesagt, er wolle seine politische Karriere dereinst in St. Gallen oder Bern fortsetzen. Wer weiss, vielleicht landet der FDP-Politiker eines Tages gar in Brüssel. Doch das ist Spekulation. Realität ist: Eduard Hirschi und Monika Künzler holen das Happyend, das es bei Menasse nicht geben kann, mit einem Liebesroman nach, den sie gleich selber schreiben: Drei Tage nach der Lesung werden die beiden heiraten.

«Die Hauptstadt»: Lesung mit Robert Menasse am Freitag, 2. März, 19.30 Uhr, im Stadthaus Rapperswil-Jona, Moderation Daniela Colombo. Tickets zu 20 Franken (Türöffnung um 18.30 Uhr). Anmeldung erwünscht direkt unter mail@buecherspatz.ch oder Telefon 055 210 31 31.

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