Rapperswil

Warum das Publibike-Projekt in Rapperswil scheiterte

Die weiss-lilafarbenen Mietvelos am Bahnhof Rapperswil sind verschwunden: Die Stadt hat den Vertrag mit Publibike gekündet und das Projekt abgebrochen. Ohne ein Netz von zusätzlichen Stationen in der Region war das Vorhaben zum Scheitern verurteilt.

Die Publibike-Station am Bahnhof Rapperswil ist Geschichte.

Die Publibike-Station am Bahnhof Rapperswil ist Geschichte. Bild: Archiv

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Wer am Bahnhof Rapperswil ein Velo mieten will, bleibt ohne Erfolg: Die Publibike-Station mit den sechs Velos und zwei E-Bikes, die im Frühling 2013 beim Postgebäude unmittelbar neben dem Bahnhof eröffnet wurde, suchen Besucher vergebens. Ende letzten Jahres habe die Stadt den Vertrag mit Publibike gekündet, sagt Stadtrat und Bauchef Thomas Furrer auf Anfrage. «Das Projekt wurde abgebrochen, weil die Publibike-Station kaum genutzt wurde und als isolierte Einzelstation wenig Sinn machte», erklärt er. Damit eine Mietvelostation funktioniere, brauche es ein Netz von mehreren umliegenden Stationen – so, wie es in der Agglo Obersee bei der Einführung 2013 einst diskutiert worden war.

Velos kamen kaum in Fahrt

Rückblick: Die Idee, mit einem Mietvelo rund um den Obersee zu fahren und dieses in einer Gemeinde nach Wahl abzugeben, scheiterte am Mitmachen der umliegenden Gemeinden: Schmerikon, Eschenbach, Uznach, aber auch Freienbach und Lachen konnten sich nicht zum Projekt hinreissen lassen. Grund waren die hohen jährlichen Kosten von 15 000 bis 18 000 Franken sowie eine einmalige Investition von 50 000 Franken. Wenigstens fünf Gemeinden hätten mitziehen müssen, um ein Netz aufbauen zu können und Pilotprojekt zu lancieren. Trotzdem hielt die Stadt zunächst an ihrem Publibike-Standort am Bahnhof Rapperswil fest – wenn auch die Ausleihe harzte. Ein Jahr nach dem Start wurde nicht mal ein Velo pro Tag vermietet.

Zu wenig attraktiv

Mit den fehlenden zusätzlichen Stationen in der Obersee-Region begründet man auch bei Publibike das Scheitern des Projekts in Rapperswil: «Die Station wurde nicht weiter betrieben, weil sie nicht den Standards eines attraktiven Publibike-Netzes entsprach», heisst es auf Anfrage bei der Medienstelle. «Publibike will seinen Kunden ein dichtes und somit attraktives Bikesharing-Netz bieten.» Mit einer einzigen Station könne das nicht gewährleistet werden. Dies entspreche nicht der Idee von Bikesharing - also der Idee, «von A nach B zu fahren und nicht nur von A nach A». Die Obersee-Region sei für ein Bikesharing-Netz jedoch nach wie vor interessant.

Aktuell können in Rapperswil-Jona nur im Lido (via Verkehrsverein) Velos gemietet werden. Dieses Angebot sei eher bescheiden und nicht jederzeit verfügbar, räumt Furrer ein. Das Thema Mietvelostation sei zwar noch nicht vom Tisch, doch im Moment seien keine konkreten Projekte mit anderen Anbietern geplant. Einen anderen Anbieter als Publibike zu engagieren, hatte die Stadt vor zwei Jahren für den Bahnhof Jona schon einmal in Betracht gezogen. Furrer kritisiert etwa die komplizierte Ausleihe von Publibike via Abo-Karte, die man erst im Internet anfordern musste. «Zudem kamen die Velos zu wenig peppig daher», findet er. Als Vergleich nennt er die auffälligen roten Mietvelos in der Stadt Biel und die grellgrünen Zweiräder von «Züri rollt» - «Velofahren ist lifestyle», meint er.

Mit der einstigen Idee eines Publibike-Netzes rund um den Obersee hätte man ein touristisches Segment abdecken wollen, sagt Furrer. In der Stadt Rapperswil-Jona müssten Mietvelos aber nicht nur Tagesbesuchern, sondern auch der Bevölkerung und den Beschäftigten für Alltagsfahrten dienen können. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.08.2016, 16:21 Uhr

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