Eschenbach

Wanderer kritisieren Baum-Entrindungen

Wanderer sind empört: Im Wald bei St. Gallenkappel sterben Bäume ab, nachdem die Rinde gezielt entfernt wurde. Laut Revierförster Erich Rüegg sprechen Kosten-Nutzen-Überlegungen für dieses Vorgehen.

«Totholz schafft neuen Lebensraum», sagt Revierförster Erich Rüegg.

«Totholz schafft neuen Lebensraum», sagt Revierförster Erich Rüegg. Bild: Ueli Abt

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Kritiker vergleichen die Methode mit dem Schächten. So wie ein Tier bei jener Art der Schlachtung während des Ausblutens ohne Betäubung Qualen erleide, ergehe es auch den Bäumen beim sogenannten Ringeln: Diese würden in den langsamen Tod getrieben.

Wanderern fiel in den vergangenen Wochen und Monaten unter anderem im Gebiet Cholloch bei St. Gallenkappel auf, dass bei einigen Bäumen die Rinde ringförmig, rund um den Stamm, entfernt worden war. Bei den Urhebern handle es sich allerdings «nicht etwa um Sadisten», meldete sich eine Anwohnerin per Mail bei der «Zürichsee-Zeitung» – diese «Ritzungen» stammten «vom Revierförster Erich Rüegg himself». Namentlich erwähnt werden wollen die Kritiker zwar nicht. Doch jene, die sich viel in den Wäldern aufhalten, munkeln, dass keiner so viele Bäume ringle wie Rüegg.

«Rohstoff hat wenig Wert»

Rüegg ist als Revierförster fürs Gebiet Goldingen/St. Gallenkappel zuständig. Auf einem Rundgang in einem Waldstück unterhalb des Dorfzentrums von St. Gallenkappel zeigt er in der Nähe der Hebeltobelbrücke einige Beispiele von Bäumen, die er in der Vergangenheit ringelte. Das Gelände fällt stark ab, unten im Talgrund wachsen junge Bäume, ebenso auf dem Plateau oberhalb des Hangs. «Egal, auf welche Seite ein gefällter Baum fallen würde, er würde den Jungwald schädigen», sagt Rüegg.

Ringeln werde bei übrig gebliebenen Altbäumen im Jungwald angewandt. Auch an entlegenen Orten mit viel Laubholz komme es in Kombination mit Fällen und Liegenlassen des Holzes zur Anwendung, dies schaffe stabile Waldstrukturen. «Damit können die Kosten für die Waldpflege tief gehalten werden. Der Erlös für den Rohstoff Holz ist tief, eine schonende Nutzung solcher einzelner Bäume wäre teurer», sagt Rüegg. Würde man einen Stamm an einer unwegsamen Stelle nutzen, so komme noch das Sicherheitsrisiko für die beteiligten Waldarbeiter hinzu.

Abknicken möglich

Es kann laut Rüegg zwar auch einmal vorkommen, dass ein Baum, der nach dem Ringeln abstirbt, an einer Stelle abknickt und dabei auf einen Schlag umstürzt. In der Regel fielen aber zuerst die Äste ab, der Baum falle im Lauf der Monate und Jahre in sich zusammen. «Totholz schafft Lebensraum für zahlreiche Lebewesen», sagt Rüegg. Seitens Naturschutz werde schliesslich seit Jahren gefordert, dass die Menge an Totholz im bewirtschafteten Wald steige.

Solche Zusammenhänge und Überlegungen hat Revierförster Rüegg auch in einem Merkblatt kurz dargestellt. Dieses hat er im Gebiet Cholloch im Wald aufgehängt, wo er Bäume ringelte, die – für Waldbesucher augenfällig – nah am Wegrand stehen.

Legitime Methode

Das Ringeln ist nicht etwa verboten. Auch Förster anderer Reviere wenden die Methode an. Manuel Gmür, Revierförster fürs Gebiet Amden/Weesen, ringelt hin und wieder Bäume – immer dann, wenn die Nutzung des Holzes nicht wirtschaftlich wäre und das Umstürzen des Baums die umliegenden jungen Bäume gefährden könnte. Dies entlang von Wanderwegen zu tun, hält er für wenig empfehlenswert – schliesslich könne es sein, dass auch einmal ein verdorrter Ast herunterfalle.

«Baum verhungert langsam»

Revierförster Rüegg kann gut nachvollziehen, dass das Thema Ringeln bei Aussenstehenden mindestens gemischte Gefühle auslösen kann. «Es ist tatsächlich so, dass beim Ringeln der Baum langsam verhungert», sagt er. Das scheine manchen Leuten grausam. Dabei scheine es für viele Menschen kein Problem zu sein, dass auch der Holzschlag den Baum das Leben koste.

Woran das liegen mag? Förster Rüegg überlegt eine Weile und sagt dann: «Der Baum ist zweifellos ein Lebewesen. Ob man einen Baum langsam absterben lassen darf, ist eine ethische Frage. Es kann sein, dass ich durch den täglichen Umgang mit der Materie dies etwas salopper sehe als andere.» Zur Kritik, das Ringeln in grossem Stil betrieben zu haben, sagt er: «Auch ich befinde mich in einem Lernprozess.» Heute würde er punkto Menge und Lage der Bäume anders vorgehen.

Erstellt: 10.08.2015, 17:57 Uhr

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