Uznach

«Vor der Barriere sind alle Menschen gleich»

Vom Gemeindepräsidenten bis zum Dorfquerulanten: Mike Müller spielt allein eine ganze Gemeindeversammlung. Der Schauspieler glänzt auf der Rotfarb-Bühne – auch wegen seiner Lokalkenntnis.

Mike Müller glänzte auf der Bühne der Rotfarb Uznach mit Lokalkenntnis und begeisterte so das Publikum.

Mike Müller glänzte auf der Bühne der Rotfarb Uznach mit Lokalkenntnis und begeisterte so das Publikum. Bild: Moritz Hager

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Eine Bürgerversammlung muss würdevoll über die Bühne gehen. Deshalb sind an diesen ehrwürdigen demokratischen Veranstaltungen vielerorts emotionale Ausbrüche tabu. In Uznach waren Lachen, Johlen und Klatschen an einer Gemeindeversammlung für einmal aber äusserst erwünscht. Schauspieler und Komiker Mike Müller präsentierte am Samstagabend im ausverkauften Rotfarb-Saal sein Ein-Mann-Stück «Heute Gemeindeversammlung».

In den knapp 90 Minuten poltert Müller nicht nur als abgewählter Gemeindepräsident Raoul Furrler über die Bühne, sondern leiht auch dem verschuldeten Gemeindeschreiber oder dem nervtötenden Dorfquerulanten seine Stimme. Die sympathisch-verschrobenen Figuren sind gerade deshalb so stark, weil Müller ein chirurgisch-genauer Beobachter von echten Gemeindeversammlungen ist. Die Traktanden – etwa die Subvention von Kindergeburtstagen – mögen zwar teils überzeichnet sein, die gespielten Charaktere tauchen aber im richtigen Leben garantiert in jeder Gemeinde auf.

Gemeindequerulant mit Züri-Schnurre

So ist denn auch das Haupttraktandum der fiktiven Gemeindeversammlung, die Raoul Furrler das Genick gebrochen hat, nicht weit hergeholt: Eine Fusion mit dem Nachbardorf. Müller lässt seine Hauptfigur biographisch vom Schicksalsabend erzählen – mal abgeklärt mit Distanz, mal im Nachspielen der Szenerie. «Der Feind der Gemeinden ist der Kanton» lamentiert Furrler etwa einmal. Nur um im übernächsten Atemzug zu erzählen, wie die Fusion der Feuerwehr dank eines kantonal gesponserten Tanklöschfahrzeuges doch noch zustande kam.

Schliesslich ist es aber ausgerechnet der Gemeindequerulant mit Züri-Schnurre, der Furrler zu Fall bringt. Weil er die kruden Eigeninteressen der Gemeindebehörde entlarvt, zwingt er den Gemeindepräsidenten zur Vertrauensfrage. Furrler wird abgewählt.

Rapperswil als Teil der Gemeinde Uznach

Die Erfahrungen von Müllers Figur Raoul Furrler eröffnen ihm die Möglichkeit, auch die Fusionssituation von Uznach zu sezieren. Dass sich Kaltbrunn und Benken 2013 schon früh aus dem Fusionsprozess ausklinkten, das sei wenig erstaunlich, analysierte der geschasste Gemeindepräsident und begründete den Schritt mit einem kuriosen Kauderwelsch aus Acker- und Futtersubventionsgleichungen.

Dass 2015 dann auch die Fusion mit Schmerikon scheiterte, liegt ebenso auf der Hand. Kulturell zu unterschiedlich sind die Nachbardörfer: Uznach habe mit Spital und Arbeitsplätzen eine Zentrumsfunktion, die Schmerkner böten Wohnen und See. Oder wie es Müller ergänzend formulierte: «In Schmerikon geht es um Hecht oder Egli, in Uznach um das Schweinsfilet aus dem Grossverteiler.» Wobei, ganz so einfach sei es dann doch nicht, resümierte er mit brandaktueller Lokalkenntnis. Wenn es nämlich um die Gasterstrasse gehe, interessiere es den Schmerkner schon, was im Nachbardorf laufe – vor allem dann, wenn die Barriere beim Bahnübergang zu lange unten bleibe. Müllers Gemeindepräsident tröstete: «Vor der Barriere sind alle Menschen gleich.»

In Zukunft bliebe Uznach, der Vergangenheit als Grafschaft wegen, deshalb ohnehin nur ein Fusionsziel: Eine gemeinsame Zukunft mit Rapperswil. Das böte viele Vorteile, meinte Müller - nur schon des Ortschildes wegen: «Rapperswil, Teil der Gemeinde Uznach.» (zsz.ch)

Erstellt: 11.02.2018, 13:53 Uhr

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