Rapperswil-Jona

Von Vujo und einer blonden Bundesrätin

Ehrengast Markus Ritter (CVP) propagierte am «Eis-Zwei-Geissebei» mehr Vertreter aus dem Linthgebiet im Bundesrat.

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Ortsverwaltungspräsident Matthias Mächler, der gemäss ZweiJahres-Turnus am gestrigen «Eis-Zwei-Geissebei» im Rapperswiler Rathaus den Vorsitz innehatte, stellte Ehrengast Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands und CVP-Nationalrat, zweideutig als «obersten Melker der Nation» vor.

Dieser präsentierte seinen «Bericht aus Bern» in Schriftdeutsch, wie es eben auch in der Politik auf Bundesebene gefragt sei. Er werde das «weitsichtige und durchdachte» Tun in der Bundespolitik anhand konkreter Beispiele erläutern, leitete Ritter seine (selbst-)ironische Rede in amüsant-gestelztem Ton und in zügigem Tempo ein.

Bauern «Wahlverlierer»

Ein offenes Geheimnis sei es, dass sich Bundesparlamentarier allesamt früher oder später gern im Bundesrat sähen, sinnierte Ritter. Es gelte also, bei anstehenden Bundesratswahlen die eigenen Chancen nicht «kopflos zu kompromittieren». Auf die Wahl vom vergangenen 9. Dezember zurückblickend, bilanzierte Ritter, dass die wahren Wahlverlierer in Bundesbern aus der Westschweiz stammten. «Mit einem historischen Schachzug konnte ihnen ein dritter Vertreter ins Nest gelegt werden.» Damit seien die Wahlchancen für weitere Westschweizer Kandidaturen für die kommenden Jahre besiegelt. Auch die «bäuerlichen Vertreter im Wahlkörper» hätten bei der Wahl von Landwirt und Winzer Guy Parmelin nicht weit gedacht. «Einmal mehr hat man gesehen, dass sie über eine Fünftagesoptik verfügen – so weit eben, wie Meteo Schweiz eine sichere Wetterprognose abgeben kann.»

Die Ostschweiz identifizierte Ritter hingegen als Teil einer neu entstandenen, «bundesratsfreien Zone». Kandidaten insbesondere aus dem Linthgebiet hätten somit bei künftigen Ersatzwahlen beste Karten. Köbi Büchler könnte einst Doris Leuthard ablösen, der rhetorisch talentierte Marcel Dobler Johann Schneider-Ammann. Wenn Barbara Keller-Inhelder dereinst Ueli Maurer ersetzen würde, wäre das laut Ritter auch eine «optische Aufwertung».

Unbeantwortete E-Mails

Das Äussere von Neo-Parlamentarierin Keller-Inhelder sollte im Verlauf des Herrenessens noch ein paarmal zur Sprache kommen – was sich aber immerhin durch den quasi traditionellen Seitenhieb auf Stadtpräsident Zollers Kleidungsstil seitens der Geissensänger sozusagen neutralisierte. Traditionsgemäss durfte da auch ein anderer Running Gag nicht fehlen – bei Markus Speck in der Rolle des Stadthausabwarts Jonas Rappolter lag dieser in guten Händen: Während seines Sketchs präsentierte er dem Publikum eine Kartonschachtel. Randvoll sei diese mit E-Mails, die der Stadtrat von Rapperswil-Jona, unbeantwortet gelassen habe. Absender: «Obersee-Nachrichten»-Verleger und Chefredaktor Bruno Hug.

Nicht jeder Scherz war sehr politisch. So stellte Rappolter unter anderem auch die angebliche Buchveröffentlichung des ehemaligen Rapperswil-Jona-Kickers Vujo Gavric vor – in der Autobiografie zeichne der Ex-Bachelor seinen Weg vom Fiat Uno zum Audi Quattro vor und bekenne, dass er im Promillerechnen noch nie eine Leuchte gewesen sei. Lange dauerte die übrigens auch imitatorisch gelungene Parodie nicht («Mehr gibt das Thema einfach nicht her.»

Irgendwie war Rappolter auch Bundeshausabwart, als er anschliessend zu einem ausgedienten Arbeitsgerät überging, einem «alten Blocher», mit dem Grossmütter einst Tannenriemenböden behandelt hätten. Abgelöst worden sei dieser durch den – dank «Beschleunigungs-Köppel» noch funktionaleren – Martullo-Blocher.

Unkorrekter UNO-Beobachter

Nicht minder witzig war Rolf Heeb in seiner Rolle als gar nicht so neutraler UNO-Wahlbeobachter – jedenfalls waren die Spitzen gegen die SVP auffällig häufig.Dass die Sache mit der Ausschaffung nicht so einfach sei, zeigte er anhand des Plakats mit dem weissen und dem schwarzen Schaf auf: Mit dem Stoss begehe das weisse eine Tätlichkeit, falls es einen Migrationshintergrund habe, würde es ausgeschafft.

Zum Schluss warfen die Geissensänger noch das eine oder andere Streiflicht auf Themen aus nächster Nähe, nachdem die vorausgegangenen Darbietungen Lokales oftmals nur kurz angetippt hatten. So sangen sie etwa das Lied «Im Frühstau zu Rappi wir stehn, fallera» oder «Zehn Gemeindepräsidenten» im Stil eines Zählreims. Darin hiess es unter anderem: «Sechs Gemeindepräsidenten sorgen fürs Asyl, doch in Amden gibts das nicht, dafür ists dort zu kühl.»

Erstellt: 09.02.2016, 22:50 Uhr

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