Rapperswil

Von «King Rocco» und dem «Kanton Dieci»

Ein Ehrengast, der mehr mit Pizza am Hut hat als mit Fasnacht und Fussballern, die künftig bei Vollmond kicken müssen: Bei der Schellegoggi-Zunft gibts zum Auftakt der fünften Jahreszeit Gags über den FCRJ und einen Hauch Italianità.

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Wenn der Samstagmorgen im Rathaus mit Bier statt mit Kaffee beginnt, steht unweigerlich die Fasnacht vor der Tür. Mit Trompeten, schrägen Tönen und viel Gerstensaft hat die Rapperswiler Schellegoggi-Zunft am 11. 11. um 11 Uhr 11 die Zeit der Narren eingeläutet.

Die traditionell bierselige Fasnachts-GV im Rathaus hat einen festen Platz in der Agenda der Fasnächtler. So auch diesmal: Nicht weniger als 160 Fasnachtsfreunde wollen dabei sein, wenn der oberste Zünftler Urs Ingold in einer launigen Rede auf das Jahr zurückblickt und das Treibenin der Stadt kommentiert. Dieses Jahr jedoch habe ihm die städ­tische Politik wenige Steilpässe ­geliefert, bedauert der Zunftmeister. Stoff für Gags findet die Schellegoggi-Zunft stattdessen im Aufstieg des FC Rapperswil-Jona und seines allgegenwärtigen Präsidenten, Tausendsassa und Gastronom Rocco Delli Colli. Ingold verweist auf das diesjäh­rige Motto der Rapperswiler Fasnacht, «FC Pizza-Connection». Damit ist schnell klar, wen die Zünftler heuer als Ehrengast eingeladen haben. Es ist besagter «Ober-Pizzaiolo».

«Tschutten» im Mondschein

Doch bevor Ingold sich seinem Ehrengast widmet, wird ordentlich zugeprostet. «Nehmt alle einen kräftigen Schluck», fordert der Zunftmeister die Menge auf. «Und tragt Sorge zu unserem Planeten Erde – er ist der einzige, auf dem es Bier gibt.» Was es denn eigentlich mit dem Fluchtlicht im Stadion Grünfeld auf sich habe, will Ingold von Delli Colli wissen. Er habe das Ganze an der letzten Delegiertenversammlung thematisiert, sagt der FCRJ-Präsident gespielt ernsthaft. Und weil es wegen der Einsprachen der Anwohner noch ein Weilchen dauern könne, bis das Stadion zu den Lichtmasten komme, die es für die Challenge League brauche, habe man beschlossen, das Ganze selbst an die Hand zu nehmen: Die Fussballer sollen fortan einfach bei Vollmond spielen. «So erreichen wir die 500 Lux bestimmt.»

Ab wann man denn eigentlich mit dem Aufstieg des FCRJ in die Super League rechnen dürfe, will Ingold wissen. «Geduld, Geduld», beschwichtigt Delli Colli. Dazu brauche es schon noch zwei, drei Vollmondnächte. Damit ist die Fragerunde für den Ehrengast aber noch nicht beendet. «Du mischst so gut wie überall inder Stadt mit», konfrontiert Ingold sein Gegenüber. «Müssen wir jetzt am Schübligbankett im Kreuz künftig Pizza essen?», frotzelt er. Trotzdem wünscht er ­Delli Colli, der mit der Schloss Gastro im Joner Kreuz ein Pop-up-Restaurant eröffnet hat, dass es «s Zääni» wird.

Bierdusche als Feuertaufe

Tradition haben an der Fasnachts-GV auch die Taufrituale der Jungzünfter. Schellegoggi-Neuling Adrian Pfister muss sich zum Einstieg in einen gestreiften Strampelanzug zwängen und ­bekommt als Erstes eine Bier­dusche verpasst. Zudem verlangt die Willkommenszeremonie, eine Mass Bier in einem Zug zu leeren. Stadtrat Kurt Kälin (SVP) wird hierzu kurzerhand die Rolle des «schroffen Wirtes» auferlegt, der dem Täufling den Bierkrugin die Hand drückt. Auch Kälin selber bekommt einen Liter Bier vorgesetzt, scheitert allerdings erbärmlich.

Pointen rund um den FC Rapperswil-Jona gibt es auch vonder Joner Fasnachtsbruderschaft zum Wurstkranz. «Seit der FCRJ aufgestiegen ist, hoffen alle, dass wir bald einen Messi oder Neymar im Club aufnehmen können», scherzt Wurstkranzbruder Marc Dufour. Aber: «Damit Rocco das finanzieren kann, muss ich bei ihm jede Woche sechs Pizzas essen gehen.» Er befürchte überdies, dass die Schellegoggi-Zunft schon bald die Unabhängigkeit von Rapperswil ausrufen werde. Das sei ja nun nach Katalonien gerade «en vogue». «Gibt es bald einen ‹Kanton Dieci›?», wirfter in die Runde, «oder gar ein ­Königreich mit ‹King Rocco›?Ein Schloss hätte er zumindest schon.»

Drei Minuten Ruhm

Wenig rosige Zeiten stellt Marc Dufour der St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter in Aussicht: Vor ihrer Feier zur Ständeratspräsidentin Ende November will sie einen 33-minütigen Halt in Rapperswil-Jona einlegen. Weil aber der redselige Stapi sie in Empfang nehme, dürften für ihre Grussworte am Schluss höchstens noch drei Minuten übrig bleiben, prognostiziert Dufour.

Mit seiner humoristischen Rede erntet der Wurstkranzbruder mehrere Lacher. Nicht allen Gastrednern gelingt das gleichermassen. Teils holprig, teils unbeholfen werden von den Fasnächtlern schlüpfrige Gags in die grölende Menge geschmettert, die Gürtellinie ist bei vielen erst der Anfang.

Und während der Bierkonsum steigt und das Niveau sinkt, macht sich der Ehrengast Rocco Delli Colli bei der erstbesten Gelegenheit aus dem Staub. Einen Moment noch, Herr Delli Colli! Was er dazu sage, dass er es mit dem FCRJ und seinem Pizza-Imperium auf die Plakette der Rappi-Fasnacht geschafft hat? Er sei eigentlich kein Fasnächtler, sagt der Pizzaiolo zwischen Tür und Angel. Aber es gäbe wohl Schlimmeres, als den Titel «King Rocco» zu tragen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.11.2017, 09:31 Uhr

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