Rapperswil-Jona

Vom Spagat zwischen Wohltätigkeit und Journalismus

Bruno Hug hilft nach eigener Aussage ­gerne Menschen in Not, auch Kesb-Betroffenen. Diese ­Zuwendungen unterliefen die journalistische Unabhängigkeit, ­kritisiert der ehemalige Presseratspräsident Roger Blum.

Versucht, Wohltätigkeit und journalistisches Arbeiten unter einen Hut zu bringen: Bruno Hug, Verleger.

Versucht, Wohltätigkeit und journalistisches Arbeiten unter einen Hut zu bringen: Bruno Hug, Verleger. Bild: Manuela Matt

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Bruno Hug kritisiert die Kesb nicht nur, er greift auch aktiv ins Geschehen ein. Der Verleger der «Obersee-Nachrichten» hat im Rahmen seiner Wohltätigkeit auch Kesb-Pflegefälle unterstützt. Dies sagte der Verleger und Neopolitiker am Montag an der Podiumsdiskussion zu den Stadtpräsidentschaftswahlen.

Am lebhaften und zeitweise ange­heizten Wahlpodium wurde vor allem seitens Bruno Hug ­immer wieder an der Unabhängigkeit und Transparenz des amtierenden Stadtratspräsidenten Erich Zoller (CVP) gezweifelt. Gerade die kantonale Untersuchung gegen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) seien durch die Involviertheit Zollers nicht neutral verlaufen, bemängelte Hug am Montagabend. Die darauffolgende Frage der Mode­ra­toren, ob eine finanzielle Unter­stützung der Kesb-Pflegefälle nicht in Konflikt mit der Un­ab­hängigkeit des Verlegers und Journalisten Bruno Hug stehe, verneinte dieser. Er helfe vielen Menschen in Not, sei es in Nepal, Süd­afrika oder eben in Rapperswil, sagte Hug. Wie viel er denn den Personen, die mit der Kesb im Clinch lagen, jeweils spen­dete, hakte Moderator und ZSZ-Redaktionsleiter Conradin Knabenhans nach. Hug bestätigte auf dem Podium, in einem Fall 500 Franken in einem anderen 1000 Franken bezahlt zu haben. Er führte aus, einer Frau geholfen zu haben, als diese ihre Rechnungen nicht bezahlen konnte.

Nicht nur den Kesb-Betroffenen geholfen

Ob diese Aussage ein Ausdruck kompromissloser Transparenz oder das Resultat der unangenehmen Frage des Moderators war, liess Hug sich auf dem Podium nicht anmerken. Als die ZSZ den 62-jährigen Verleger am Tag nach der Podiumsdiskussion auf diese Aussagen anspricht, unterstreicht Hug deren Einbettung in das Gesamtbild eines Wohltäters: «Ich helfe nicht nur Kesb-Betroffenen, sondern unterstütze auch sonst mehrere Hilfswerke und gemeinnützige Organisationen. Jeder, der helfen könne, sollte da und dort andere unterstützen.» Er mache dies aber als Privatperson und spreche nur dar­über, da der Stadtpräsident ihm wegen dieser Hilfe Nebenabsichten ­habe unterstellen wollen. Hug sagt zusammenfassend, er unterstütze Kesb-Betroffene ebenso wie andere Menschen aus sozialen Überlegungen. Im Falle einer Wahl zum Stadtratspräsidenten müsste Hug wohl seine philan­th­ro­pischen Streifzüge etwas eingrenzen. Bruno Hug selber sagt: «Die Gemeinde Rapperswil-Jona hat eigene Sozialwerke, die für Notfälle zuständig sind. Was ich privat tue, das möchte ich nicht an die grosse Glocke hängen.»

Als Politiker legitim,als Journalist grenzwertig

Jegliche Zahlungen an Personen, die mit der Kesb im Clinch standen, habe Hug als Privatperson und als reine Hilfe getätigt. Angesprochen auf eine Verwischung der Grenzen zwischen ihm als Privatperson und ihm als Journalist, sagt Hug: «Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Hilfe ist ein selbstloser Akt, ansonsten es keine Hilfe ist. Im Übrigen ist jeder von uns immer wieder betroffen von der Frage dieser sauberen ethischen Abgrenzung. Auch der Chef, der einem Angestellten hilft, oder jemand, der einem Freund oder Arbeitskollegen hilft, muss seine Hilfe der Hilfe wegen tätigen, und nicht, weil er etwas her­ausholen will. Und genauso halte ich das.» Am Podium betonte Hug, erst nach Berichterstattung in den «Obersee-Nachrichten» Hilfe geleistet zu haben.

Roger Blum, ehemaliger Professor für Medienwissenschaft und ehemaliger Presseratspräsident, sieht Hugs Spenden an die Kesb-Pflegefälle in einem kritischeren Licht: «Als Politiker ist man frei, Personen aus der Bevölkerung zu unterstützen. Als Journalist jedoch ist es unethisch, für Personen, die Teil der eigenen Berichterstattung sind, Kosten zu übernehmen.» Diese Ansicht wird auch im journalistischen Kodex des Presserates widerspiegelt. Dort heisst es in Ziffer 6: «Journalisten und Verleger üben keine Tätig­keiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse infrage stellen könnten.» Was Andrea Masüger, CEO des Somedia-Verlages, der auch die «Obersee-Nachrichten» beherbergt, dazu sagt, war bis Redaktionsschluss nicht zu eruieren. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2016, 08:19 Uhr

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