Rapperswil-Jona

Vom Hausmann zum Regisseur

Von Null auf Hundert: Der Rapperswiler Batbayar Chogsom drehte ohne Vorwissen einen abendfüllenden Spielfilm. Dabei stand er nicht nur unter immensem Zeitdruck, sondern musste auch mit der Finanzierung kämpfen.

Drehte ohne Vorkenntnisse einen Kinofilm: Regisseur Batbayar Chogsom aus Rapperswil-Jona.

Drehte ohne Vorkenntnisse einen Kinofilm: Regisseur Batbayar Chogsom aus Rapperswil-Jona. Bild: zvg

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Im Sommer letzten Jahres stand Batbayar Chogsom vor einem Problem: Der Lastwagen, den er für seinen Film brauchte, war kaputt gegangen. Ein Ersatz, der auch noch möglichst gleich aussehen sollte, musste schnellstens gefunden werden. Doch in der ganzen Mongolei - einem Land, dass etwa viereinhalb mal so gross ist wie Deutschland - gab es nur wenige solcher Lastwagen. Also ergriff Chogsom, das Telefon und machte sich auf die Suche nach einem Ersatz. Als Regisseur ist man ständig in Bewegung, nicht nur auf dem Filmset, das musste Batbayar Chogsom bei der Arbeit an seinem Erstlingswerk merken.

Der 43-jährige Rapperswiler hatte die Idee für seinen Film «Out of Paradise» zwar bereits 2009. Gedreht wurde jedoch erst 2016. In den Jahren dazwischen blieb der gebürtige Mongole aber nicht untätig.

Als Erstes musste er natürlich das Drehbuch verfassen. «Zuerst habe ich mir die gesamte Geschichte im Kopf vorgestellt», erzählt Chogsom. Während drei Monaten brachte er dann die Rohfassung des Skripts zu Papier. Es ist die Geschichte eines Nomadenpaars in der Mongolei. Wegen einer schwierigen Schwangerschaft müssen sie vom Land in die Stadt reisen. Dort werden sie in das Leben einer Prostituierten und ihres Zuhälters verwickelt.

"Out of Paradise" Trailer from Batbayar Chogsom on Vimeo.

Keine Erfahrung

Chogsom hatte zwar nun ein Drehbuch aber noch keinerlei Erfahrungen im Filmgeschäft. Er hat in seinem Leben bereits als Dachdecker und Archivar gearbeitet. Studiert hat er an der Universität Zürich Sozialwissenschaften, nachdem er im Alter von 26 Jahren in die Schweiz übergesiedelt war.

Doch er wollte unbedingt einen Film drehen. «So kann man ganz eigene Welten schaffen», schwärmt der Regisseur. Und zumindest am Anfang habe man grosse Freiheiten. «Ich bin Hausmann und das lässt sich gut mit dem Job als Filmemacher vereinbaren», erklärt der zweifache Vater weiter.

Das Handwerk lernte Chogsom kurzerhand beim Dreh eines Teasers: Er ging mit seinem Kameramann in die Mongolei und drehte innerhalb von zwei Wochen einen Kurzfilm von 18 Minuten.Mit dem Teaser ging der Regisseur auf die Suche nach Finanzierung. Dies war jedoch nicht einfach. Um Fördergelder zu erhalten, war der selbstgesetzte Zeitrahmen zu knapp. Auch ein Versuch mit Crowdfunding ging schief. «Ironischerweise braucht man auch Startgeld, um Geld zu kriegen.» Es brauche viele Ressourcen und vor allem ein Netzwerk. «Und das habe ich leider nicht in der Schweiz», bedauert Chogsom.

Doch die Zürcher Produktionsfirma Hesse Film sagte glücklicherweise ihre Unterstützung zu und so konnte Chogsom das Crowdfunding abbrechen.

Der Lastwagen hat eine wichtige Rolle im Film «Out of Paradise». Als er kaputt ging, musste rasch ein Ersatz gefunden werden. Bild: zvg.

Immer auf die Uhr schauen

Sobald die Finanzierung gesichert war, konnten Chogsom und sein Team im September 2016 in die Mongolei reisen und mit den Dreharbeiten beginnen. Die ganzen Vorbereitungen hatten sie bereits für den Dreh des Teasers getroffen, auch die Auswahl der Schauspieler. Die Hauptrollen sind mit jungen Schauspielern aus der Hauptstadt Ulaanbaatar besetzt. Wie essenziell eine solche detaillierte Vorbereitung ist, sei die wichtigste Lektion gewesen, die er als frischgebackener Regisseur gelernt habe, betont Chogsom.

«Die Regieassistentin stand immer neben mir und ermahnte mich, dass wir keine Zeit hatten.»Batbayar Chogsom

Dazu gehört auch eine einmonatige Probezeit, bevor der Dreh losging. So konnte er dann während des eigentlichen Drehs vier bis fünf Szenen am Tag aufnehmen. Dabei hatte es für Improvisation keinen Platz. «Als Anfänger wollte ich kein Risiko eingehen.» Zudem war die Zeit knapp: Innerhalb von zwei Monaten musste alles im Kasten sein. Darum hat der Filmemacher von jeder Szene auch nur vier oder fünf Versionen aufgenommen, obwohl er gerne mehr gedreht hätte. «Aber die Regieassistentin stand immer neben mir und ermahnte mich, dass wir keine Zeit hatten», erinnert er sich zurück.

Während eines Jahres hat Chogsom den Film nun fertiggestellt, unterstützt durch Gelder aus dem St. Galler Lotteriefonds. Nächstes Jahr wird «Out of Paradise» voraussichtlich im Kino zu sehen sein. Während die Zuschauer also noch ein wenig Geduld haben müssen, arbeitet Chogsom bereits am nächsten Film. Dieser soll in der Schweiz spielen.

Den Ersatzlastwagen fand Batbayar Chogsom übrigens innerhalb von zwei Tagen und konnte den Dreh ohne grossen Zeitverlust weiterführen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.11.2017, 14:56 Uhr

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