Linthgebiet

Berufsverbot für gewalttätigen Lehrer aus dem Linthgebiet

Weil er einen Schüler geschlagen hatte, wurde ein Lehrer aus dem Linthgebiet mit einem Berufsverbot­ belegt. Dagegen wehrte sich der Pädagoge, der heute als Berufsberater arbeitet, beim Verwaltungsgericht. Dieses bestätigte jedoch das Verbot.

Der ehemalige Lehrer darf auch in Zukunft nicht mehr unterrichten.

Der ehemalige Lehrer darf auch in Zukunft nicht mehr unterrichten. Bild: Symbolbild Keystone

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Er bestrafte einen Schüler mehrere Male mit bis zu 25 Schlägen aufs Gesäss. Deswegen erhält ein Lehrer aus dem Linthgebiet ein Berufsverbot: Er darf in der Schweiz nicht mehr im Lehrerberuf tätig sein. Dies hat das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen entschieden und damit einen Entscheid des kantonalen Bildungsdepartements bestätigt.

Der Erziehungsrat hatte das Berufsverbot im Juni 2016 angeordnet, nachdem der Lehrer vom Kreisgericht See-Gaster wegen mehrfachen Amtsmissbrauchs und mehrfacher Tätlichkeiten zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden war. Wie der Pädagoge damals vor Gericht zugab, hatte er mit dem betreffenden Schüler abgemacht, dass er ihn künftig übers Knie legen würde, da alle anderen Strafmassnahmen keine Wirkung gezeigt hätten. Der Schüler sei damit einverstanden gewesen, weil ihm die Schläge lieber gewesen seien als Nachsitzen. Im Februar 2015 informierte er dann aber seine Eltern, die den Lehrer daraufhin anzeigten.

Eine zweite Chance dank gestärkter Persönlichkeit

Der Betroffene legte gegen das Berufsverbot Beschwerde ein. Kurz nach Bekanntwerden der Vorfälle hatte er ein de facto vorläufiges Verbot noch akzeptiert, da er laut eigener Einschätzung zu dieser Zeit tatsächlich nicht mehr für den Lehrberuf geeignet gewesen sei, heisst es im Urteil des Verwaltungsgerichts, welches der ZSZ vorliegt. An der Verhandlung vor dem Kreisgericht sagte der Angeklagte, er sei damals im Allgemeinen und insbesondere vom Verhalten des betreffenden Schülers überfordert gewesen.

In der Zwischenzeit aber habe er sich «soweit in seiner Persönlichkeit gestärkt und gefestigt, dass er für die Lehrtätigkeit geeignet sei.» Der Lehrer ist seit 2015 in psychologischer Behandlung. Zudem stützte sich der Beschwerdeführer auf ein Gutachten des schulpsychologischen Dienstes (SPD). Darin erklären die Experten, dass der ehemalige Lehrer ihrer Meinung nach eine zweite Chance erhalten soll. Das Gutachten wird im Urteil des Verwaltungsgerichtes folgendermassen zitiert: «Eine entsprechende Begleitung in Form eines Coachings … wäre sicher angezeigt».

Unterschiedliche Interpretationen

Während der Beschwerdeführer diese Aussage zu seinen Gunsten interpretiert, kommt das Verwaltungsgericht zu einem anderen Schluss. Dass der Mann laut SPD nur mit Unterstützung in den Lehrberuf zurückkehren sollte, zeige, dass er eben nicht bereit sei. Es mache auch keinen Unterschied, dass das Gutachten bereits ein Jahr vor seiner Verurteilung – also kurze Zeit nach den Vorfällen – verfasst worden ist.

Ausserdem habe es der Beschwerdeführer unterlassen, einen Bericht seiner Psychologin einzureichen, obwohl er 2016 vom Erziehungsrat ausdrücklich dazu aufgefordert worden war, als dieser über das Berufsverbot entschied.

Aus diesen Gründen kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass das Berufsverbot immer noch nötig sei. Zudem sei diese Massnahme zumutbar, da der Mann nicht vorhabe, demnächst wieder als Lehrer tätig zu sein. Zurzeit arbeitet er als Berufsberater.

Der ehemalige Lehrer kann erneut eine Aufhebung des Berufsverbots beantragen «sobald sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben», heisst es im Urteil. Ob sich der Betroffene diese Option offenhält, ist nicht bekannt. Sein Anwalt war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.01.2018, 16:50 Uhr

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