Asyl

«Versuchen, die Asylsuchenden nicht überzubetreuen»

Die ABS betreut Flüchtlinge in fünf Gemeinden am Obersee. Sie ist in die Kritik geraten, weil ihre Arbeit ungenügend sei. Nun nimmt die ABS Stellung zu den Vorwürfen.

ABS-Geschäftsleiter Maurizio Reppucci wehrt sich gegen den Vorwurf, die private Asylbetreuung sei ein Werk von «Profiteuren».

ABS-Geschäftsleiter Maurizio Reppucci wehrt sich gegen den Vorwurf, die private Asylbetreuung sei ein Werk von «Profiteuren». Bild: Michael Trost

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Die Gemeinde Gommiswald ist unzufrieden mit Ihrer Leistung und sucht eine Alternative zur ABS. Wie kommt es dazu?
Maurizio Reppucci: Es sind viele Vorwürfe, die auf Missverständnissen basieren. Beispiel: Wir sind nicht nur eine halbe Stunde pro Woche in Gommiswald, wie kolportiert wurde, sondern investieren nur schon im Fall einer betreuten Familie eine halbe Stunde wöchentlich.

Kritisiert wird, dass nach einem Personalwechsel seitens der ABS die Betreuung in Gommiswald schlechter geworden sei.
Das kann ich nicht nachvollziehen. Zumal die Gemeinde diesen Umstand an den regelmässigen Treffen mit uns direkt hätte rapportieren können. Man hätte das dann gemeinsam anschauen können.

Kritisiert wird überdies, dass die Betreuung ungenügend sei im Verhältnis zu den Kosten.
Unsere Betreuungskapazitäten sind mit jenen von Sozialämtern vergleichbar. Zudem haben wir eine Notfallnummer, die auch nachts bedient wird. Wir rücken also notfalls auch nachts aus. Zentral ist schliesslich die Tagesbetreuung: Wir versuchen, die Leute in ihrem Haushalt zu beschäftigen. Sie müssen ja meist auf einen Entscheid warten. Zudem bieten wir Vernetzung und Vermittlung an.

Was machen Sie anders als die Gemeinden, die Asylsuchende selber betreuen?
Wir pflegen wohl ein etwas anderes Verständnis. Asylsuchende benötigen konkrete, aber auch punktuelle Begleitung im Alltag in unserer Gesellschaft. Es geht um ihre Eigenständigkeit. Das ist ein Balanceakt: Wir versuchen, den Asylsuchenden auf Augenhöhe zu begegnen, aber sie nicht überzubetreuen. Denn zu viel Präsenzzeit macht die Menschen eher unselbstständig und abhängig.

Ist es nicht so, dass es für die Gemeinden günstiger kommt, wenn sie die Betreuung selber übernehmen?
Das Gegenteil ist der Fall: Das Auslagern der Betreuung senkt die Kosten. Wir erhalten just den Betrag, den die Gemeinden vom Bund pro Flüchtling pro Monat bekommen: 1200 Franken. Weil wir über 1200 Klienten in der Schweiz haben, können wir die Administrationskosten senken. Das kann eine Gemeinde nicht. Für die 50 in Gommiswald zu betreuenden Asylbewerber stehen uns 100 bis 150 Stellenprozente zur Verfügung. Die ABS beschäftigt schweizweit 80 Mitarbeiter.

Wie können Sie denn an den Asylbewerbern verdienen?
Wir verdienen nicht an den Asylsuchenden. Wir haben einen öffentlichen Auftrag, der entgolten wird. Pro Monat ergibt sich pro Flüchtling ein Überschuss von 100 bis 200 Franken. Damit bezahlen wir die Löhne, die Verwaltung sowie die Geschäftsrisiken. Darunter fallen auch Dinge wie Schädlingsbekämpfung in den Haushalten der Asylsuchenden. Und wichtig: Wir verdienten nie mittels Lohnabtretung Geld von den Flüchtlingen: Wir haben die Praxis der Lohnabtretung trotzdem eingestellt.

Ist es angebracht, aus dem Geschäft mit den Asylsuchenden einen Profit zu ziehen?
Gewinn «auf dem Buckel der Flüchtlinge», wie oft behauptet wird, gibt es nicht. Es ist stossend, dass die private Asylbetreuung als Werk von Profiteuren dargestellt wird.

Hilfswerke oder der Staat könnten die gleiche Arbeit ohne Gewinnorientierung machen.
Ganz bestimmt leisten auch Hilfswerke und der Staat gute Arbeit. Wir machen unsere Arbeit professionell, haben schlanke Strukturen und nützen durch unsere Grösse Synergien. Wir arbeiten ohne Defizitgarantie und müssen Überschüsse generieren, um mögliche Risiken in verschiedenen Dimensionen decken zu können. Wir sind flexibel, wenn es darum geht, unsere Strukturen den schwankenden Flüchtlingsströmen anzupassen. Wir können uns gut mit den Hilfswerken messen.

Wie ist der Gewinn der ABS im letzten Jahr ausgefallen?
Wir publizieren keine Gewinnzahlen. Unser Fokus liegt bewusst auf unserer Leistung, nicht auf dem Überschuss.

Was machen Sie, wenn der Flüchtlingsstrom versiegen würde?
Daran glauben wir zwar nicht. Vorstellbar wäre aber etwa, die Betreuungsstrukturen der ABS auf eine andere Klientel auszurichten: Aus demografischer Sicht rückt die Betreuung von älteren Menschen in den Fokus unserer Gesellschaft. ()

Erstellt: 28.10.2015, 22:25 Uhr

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