Uznach

Uzner Städtli verliert weiteres Geschäft

Ein weiterer Laden im Uzner Städtli geht zu: Der Bioladen Thomas zieht an die Burgerfeldstasse. Damit geht das Ladensterben weiter. Verkehr, Staub und Lärm machen den Händlern das Leben schwer. Besserung ist nicht in Sicht.

Abgase und Lärm: Wegen der Verkehrslage zieht Viola Thomas mit ihrem Bioladen um.

Abgase und Lärm: Wegen der Verkehrslage zieht Viola Thomas mit ihrem Bioladen um. Bild: PD: Markus Timo Rüegg

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Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass das Uhren- und Schmuckgeschäft Rieder im Uzner Städtli seine Türen nächstes Jahr schliesst. Nun folgt die Nachricht, dass ein weiterer Laden zumacht: Der Bioladen Thomas zieht weg. Neue Adresse ist ab Oktober die Burgerfeldstrasse 4. «Einer der Hauptgründe für den Umzug ist die Parkplatzsituation im Städtli», sagt Inhaberin Viola Thomas. Auch der Lärm spiele eine Rolle. «Bei offener Tür ist es laut und die Regale sind bald von einer schwarzen Staubschicht überzogen.»

Am neuen Standort sei es ruhiger und es gebe mehrere Parkplätze gleich vor dem Laden. «Die Räumlichkeiten sind grösser, heller und freundlicher», sagt Thomas. Laufkundschaft habe sie ohnehin so gut wie keine, da spiele es keine Rolle, wenn der Laden nicht mehr im Städtli sei. «Viele Leute kaufen im Supermarkt und im Bioladen ein. Die Nähe zum Linthpark ist daher sicher nicht schlecht», sagt Thomas. «Dass noch ein Geschäft geht, ist vielleicht schade fürs Städtli, man muss aber auch auf sich selbst schauen.»

Ladeninhaberin ist verärgert

Viel Grau, viel Verkehr und wenig Parkplätze – dass die Lage für Einzelhändler im Städtli verbesserungswürdig ist, ist nicht neu. Dennoch gibt es Leute, die dort etwas Neues starten. Kürzlich haben etwa zwei Coiffeurläden aufgemacht. Seit gut einem Jahr betreibt ausserdem Kerstin Elsner die Boutique «Fine Living Fashion» im Städtli. Anfangs sei es gut gelaufen, sagt sie. Inzwischen sei sie angesichts der Situation im Städtli aber verärgert. Um über die Runden zu kommen, geht sie einer Nebentätigkeit nach.

Elsner kritisiert Gewerbe- und Verkehrsverein sowie die Gemeinde. «Niemand interessiert sich dafür, wie es hier weitergeht.» Sie würde sich zum Beispiel mehr verkaufsoffene Sonntage und gemeinsame Aktionen der Ladenbetreiber wünschen. «Es gibt aber kein Miteinander, jeder arbeitet für sich.» Diesen Eindruck bestätigt Viola Thomas vom Bioladen: «Zusammenhalt gibt es nicht. Jeder macht sein Ding.» Teils würde vielleicht auch etwas frischer Wind im Städtli fehlen. «Vor bestimmten Anlässen haben wir mal drüber gesprochen, was wir Neues auf die Beine stellen könnten. Am Ende wurde dann aber alles so gemacht wie schon immer.»

«Nicht gerade einladend»

Boutique-Inhaberin Elsner kritisiert auch, dass der Verkehrsverein selbst die letzten Touristen nach Rapperswil-Jona schicke und Uznach vernachlässige. Zudem habe sie sich von der Mitgliedschaft im Gewerbeverein mehr versprochen. «Dort ist die brisante Situation im Städtli bekannt.» Elsner spricht auch an, dass die Anzahl der Coiffeure im Städtli «drastisch» zugenommen habe. Ein Café mit einer schönen Terrasse fehle dagegen. «Man kann nicht einmal spontan ein Glace essen. Das ist schade und nicht gerade einladend.»

Das Geschäft beim Maimarkt liefe gut, sagt Elsner. «Leben können wir davon aber nicht.» Auch der heisse Sommer habe Kunden vom Shoppen abgehalten. «Sonst kamen mal Leute aus anderen Orten, die im Spital waren. Jetzt war es für einen Spaziergang einfach zu warm.» Wie Thomas vom Bioladen ärgert sich Elsner über all den Verkehr im Städtli und über Autos, die auf dem Gehweg parken. «Kleidung, die draussen hängt, wird schmutzig.» Noch dazu macht sie eine bestimmte Mentalität aus, die recht verbreitet sei. «Viele wollen Billiges statt Qualität kaufen.» Natürlich mache auch das Internet dem Einzelhandel Konkurrenz. «Das Onlinegeschäft ist tödlich», meint Elsner. Es gebe Leute, die sich in Geschäften informierten und dort Sachen anprobierten, um die Sachen später im Internet zu bestellen.

«Nach wie vor gute Existenz»

Dass zwei weitere Läden aus dem Städtli verschwinden, bedauert auch Annarös Giger vom gleichnamigen Haushaltfachgeschäft. «Es wäre schön, wenn der Branchenmix in Zukunft wieder vielseitiger würde», sagt sie. Es gebe im Städtli aber weiterhin Fachgeschäfte mit attraktiven Angeboten. Zur Zukunft ihres Ladens will sich Giger nicht äussern. Dass es im Städtli einen «guten Ladenmix» braucht, spricht auch Marcel Berlinger von Leder Sport Berlinger an.

Er hofft, dass sich für die schliessenden Läden Nachfolger finden. «Gut frequentierte Geschäfte können wir brauchen. Es fehlt etwa eine Bäckerei.» Berlinger bedauert, dass die Streuli Apotheke zugemacht hat. Der Laden, der im Besitz der Streuli Immobilien AG ist, steht weiter leer. «Leider konnte noch keine optimale Lösung für die Umnutzung des Ladenlokals gefunden werden. Wir sind offen für mögliche Interessenten», sagt Claudia Streuli.

Berlinger mekt an, dass die Lage für den Einzelhandel in ganz Europa schwierig ist. «Vielerorts stehen Läden leer, sogar an einst begehrten Lagen.» Die Städte glichen sich zunehmend an, immer mehr Läden seien in den Händen grosser Unternehmen. Berlinger sieht aber noch Chancen für Geschäfte, die etwas Besonderes anbieten. «Wir probieren zum Beispiel, alle von uns verkauften Produkte auch selbst zu flicken.» Wer sich abhebe, sei weiter gefragt. «Ich habe nach wie vor eine gute Existenz», meint er. Aufgeben sei im Moment kein Thema. «Ich halte aber die Augen nach einem kompetenten Nachfolger offen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2018, 14:33 Uhr

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Gewerbe- und Verkehrsverein weisen Kritik zurück

Beim Gewerbeverein ist man nicht der Ansicht, zu wenig fürs Städtli zu tun. «Wir beleben es punktuell. So wird beim Sonntagsverkauf am 2. Dezember wieder das ganze Städtli auf den Beinen sein», sagt Präsident Mario Grob. Sperrungen seien aber kompliziert zu organisieren. Prinzipiell sei jeder Gewerbler selbst gefordert, man müsse innovativ sein. Der Gewerbeverein Uznach engagiere sich zudem für die Umfahrungsstrasse. «Wir werben dafür, voraussichtlich wird nächstes Jahr darüber abgestimmt», sagt Grob. Ohne Umfahrung sei eine Belebung des Städtlis fast nicht fast möglich. «Kurzfristig habe ich keine Hoffnung auf einen Umschwung», ergänzt Martin Grob besorgt. Wer Ideen habe, könne diese gerne einbringen. «Sie müssen aber auch umgesetzt werden.»

Auch der Verkehrsverein sieht bei sich keine Versäumnisse. «Bei uns ist niemand rund um die Uhr da, deshalb werden telefonische Anfragen zu Rapperswil-Zürichsee-Tourismus (RZT) weitergeleitet», erklärt Präsident René Mächler. Eine eigene Stelle in Uznach zu schaffen hält er für nicht angemessen. Die Aussage, der Verkehrsverein würde Touristen wegweisen, sei aber falsch. Die Stadt Rapperswil-Jona habe touristisch einfach mehr zu bieten als Uznach. «Wir schauen aber, dass grössere Anlässe in Uznach auch bei Rapperswil-Zürichsee-Tourismus bekannt sind.» Insgesamt denkt Mächler, dass die Ladenstrasse «vielschichtige Herausforderungen» habe. (sch)

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