Pfäffikon SZ

Unternehmer, Sportler und Kunstfreund

Der Name Charles Vögele wird demnächst verschwinden. Die Modefirma CV geht an die italienische Investorengruppe Sempione Retail über. Der bevorstehende Wechsel gibt Anlass, auf die Geschichte der Modefirma und auf ihre Gründer Charles und Agnes Vögele-Anrig zurückzublicken.

Charles Vögele wird am 3. Juli 1966 mit seinem Brabham Kategorien- und Tagessieger beim Bergpreis der Ostschweiz am Hallauerberg in Oberhallau.

Charles Vögele wird am 3. Juli 1966 mit seinem Brabham Kategorien- und Tagessieger beim Bergpreis der Ostschweiz am Hallauerberg in Oberhallau. Bild: STR

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Er war ein risikofreudiger Geschäftsmann, ein grosszügiger Mäzen und ein engagierter Kulturvermittler. Charles Vögelei (1923-2002). Ab 1955 baute er zusammen mit seiner künftigen Gattin Agnes das Unternehmen Charles Vögele, kurz CV, auf. 1997, als der Firmengründer 75 Jahre alt geworden war, verkaufte er das Unternehmen an eine Investorengruppe, die es 1999 als Charles Vögele Holding an die Börse brachte.

Börsenkotiertes Unternehmen

Das Unternehmen gedieh unter neuer Führung anfänglich gut, doch über die letzten Jahre hinweg schrieb es rote Zahlen, und trotz Verpflichtung eines renommierten Sanierers als Verwaltungsratspräsident, glaubte niemand mehr so richtig an einen neuen Aufschwung. Agnes Vögele meint denn auch, sie sei froh über das bevorstehende Verschwinden des in der Zwischenzeit negativ belasteten Firmenlogos. Dieser Schriftzug, die eigenhändige Unterschrift des Firmengründers, wurde erst nach dessen Ausscheiden als Firmenlogo verwendet.

«Ich habe noch nie kein Geschäft gemacht» sagte Charles Vögele einmal in der Frauenzeitschrift «Annabelle». Man könnte diesen Ausspruch leicht missverstehen, als sei es Charles Vögele bloss um das Geldverdienen gegangen. Er hatte Freude an der Wirtschaft, am Geschäft, sicher auch am Geldverdienen. Aber daneben – oder doch eher besser: gleichzeitig – war er auch ein Freund der Künste und des Sports. Er war in der Jugend begeisterter Fussballer, und einige seiner Kollegen vom FC Uznach engagierte er in seiner Firma. Als Jugendlicher nahm er Gesangsstunden und träumte von einer Laufbahn als Opernsänger. Die Freude an der Oper hatte er von seinem Vater geerbt. Es lag für ihn auch gar nicht so fern, dass er sich eine Zukunft als Weinhändler hätte vorstellen können. Über mehr als zehn Jahre hinweg war er erfolgreicher Autorennfahrer.

Alles begann an der Obergasse in Uznach

Der Vater Karl Vögele betrieb in Uznach an der Obergasse eine Schuhmacherwerkstatt. Schon als Kind arbeitete Charles im elterlichen Betrieb mit, wo der Vater die Schuhe flickte und die Mutter im Ladengeschäft tätig war. In einem Schuhgeschäft in St. Gallen absolvierte Charles eine kaufmännische Lehre. Er bildete sich zum Werbefachmann aus und gründete in Bern eine eigene Werbeagentur. Als der Vater schwer erkrankte, stieg er als Leiter ins elterliche Geschäft ein. Er bewog den Vater, auf der grünen Wiese, dort wo jetzt der Linthpark steht, ein Verkaufsgeschäft zu bauen und den Schuh-Versandhandel hier zusammenzulegen. Das war ein kühnes Unterfangen, nicht ohne Risiko, wurde aber bald zum vollen Erfolg.

Wegen seiner günstigen Verkaufspreise zwangen die Schweizer Schuhdetaillisten die Fabrikanten, den neuen Konkurrenten zu boykottieren. Doch dieser wich ohne zu Zögern auf ausländische Lieferanten aus. Dem Vater war sein Sohn oft zu draufgängerisch oder initiativ, war aber auf seine Erfolge doch stolz.

1955 das eigene Unternehmen gegründet

Charles wurde es im elterlichen Betrieb bald zu eng. 1955 gründete er zusammen mit Agnes am Hirschengraben in Zürich ein Spezialgeschäft für Rollerfahrer-Bekleidung. Damals verkehrten viel mehr Roller auf den Strassen als heute. Agnes, inzwischen zur Gattin geworden, war vorerst Alleinangestellte und für Einkauf, Verkauf, Buchhaltung und vieles mehr zuständig, denn Charles war noch bis 1960 mit der Führung des elterlichen Geschäftes in Uznach betraut. Es wurden in kurzen Abständen Filialen gegründet. 1957 eröffnete in Winterthur ein erstes Modehaus mit breitem Sortiment – Damen-, Herren- und Kindermode – in Winterthur. Bald folgten weitere Niederlassungen. 1969 kehrte Charles Vögele mit der Verlegung der Zentralverwaltung an die Zürcherstrasse in Rapperswil gleichsam in seine Heimat zurück. 1960 übernahm sein Bruder Max die Führung der elterlichen Schuhdetailhandelsfirma in Uznach. Die beiden Brüder, obwohl in ihrer Charaktere gänzlich verschieden, arbeiteten geschäftlich eng zusammen und blieben sich stets eng verbunden.

Der Werbefachmann Vögele

Charles Vögele war mit Herzblut Marketing-Fachmann. Das Metier betrieb er mit Perfektionismus. Das bekamen anfänglich die Schuh-, später die Modedesigner und Werbezeichner zu spüren, deren Entwürfe er immer wieder zur Verbesserung zurückwies. Die professionelle Werbung begründete seinen Erfolg, wohl ebenso der verlässliche Geschmack seiner Ehefrau Agnes, die mit gutem Sensorium für die Wünsche der Kundschaft das Team der Einkäufer führte.

Agnes Vögele spricht von einer natürlichen Arbeitsteilung: «Charles war für die Strategie, Präsentation, Erscheinungsbild und Werbung verantwortlich; ich kümmerte mich um die Kollektionen und um den Einkauf, in dem gemäss einer alten Detailhandelsregel der Gewinn liegt. Disziplin und rückhaltloses gegenseitiges Vertrauen waren die Grundlagen unserer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft.» Und sie fügt bei: «Nicht selten musste ich die Initiative meines Mannes etwas bremsen, was auch zur Arbeitsteilung gehörte.»

Der Weg zum Einkaufszentrum

Spreitenbach war das erste grosse Einkaufszentrum der Schweiz, wegen der längeren Ladenöffnungszeiten wurde es auf der grünen Wiese auf Aargauer Boden unmittelbar vor den Toren Zürich geplant. Charles Vögele war von Anfang an dabei.

Auf Reisen in die USA liess er sich von der Idee des Einkaufszentrums begeistern und holte sich dort die Ideen, die er in seinem eigenen Einkaufszentrum Seedamm-Shopping-Center, eröffnet 1974, verwirklichen konnte. Besonders stolz war er auf die grosszügige Mall. Dass er das gross dimensionierte Vorhaben mit kreuzungsfreier Zu- und Wegfahrt, grossen Parkplätzen und weitsichtigen Landreserven ganz ohne Banken zu realisieren vermochte, wie damals etwa vermutet wurde, ist doch eher unwahrscheinlich. Studienreisen in die USA liessen Charles Vögele zum anerkannten Fachmann auf dem Gebiet Einkaufszentrum werden. Sein Wissen gab er in einer Shopping-Center-Fachzeitschrift weiter. Im Bereich Bau und Betrieb der Einkaufszentren stand ihm Peter Dettwiler zur Seite, den er als Organisator von Autorennsportanlässen kennen gelernt hatte.

Wie im elterlichen Schuhgeschäft baute Charles Vögele auch für seine Modebereich einen Versandhandel auf, den er von Uznach aus betrieb. Er gab diesen Bereich 1996 auf. Aus heutiger Sicht, wo ein immer grösserer Teil des Bekleidungsgeschäftes über den Versandhandel abläuft, war dies ein bedauerlicher Entscheid. Der italienischen OVS-Gruppe dürfte es schwer fallen, den Versandhandel neu aufzubauen.

Das Alpamare am Rämel ob Gommiswald

An dieser Stelle wird verzichtet , den damals laufenden Ausbau der CV-Gruppe durch die Eröffnung weiterer Verkaufsstellen in der Schweiz und durch die Ausdehnung des Geschäftsbereiches auf Deutschland und Österreich nachzuzeichnen.

Gleichsam, so nebenbei, engagierte sich Vögele auch im Reisegeschäft. 1988 liess er Bruno Tanner als Partner das Unternehmen Vögele-Reisen aufbauen, das sich von Billigreisen abheben sollte. Tanner vermochte Vögele zu überzeugen, dass das Reisegeschäft sich als dankbare Ergänzung zum Modebereich eigne. Der Geschäftsbereich wurde rasch auf Deutschland ausgeweitet. Heute gehört Vögele-Reisen als Anbieter von Gruppenreisen zur Badener Twerenbold-Gruppe.

In den 60er-Jahren wuchs in Gommiswald die Idee, den Rämelhang für den Skisport zu erschliessen. Charles Vögele engagierte sich als Präsident des Verwaltungsrates auch finanziell und stellte sein Wissen und Können im Bereich Werbung zur Verfügung. Das Unternehmen entwickelte sich anfänglich vielversprechend, und Vögele steuerte weitere Ideen bei. Etwas unterhalb des Rämel-Restaurants sicherte er sich ein paar Liegenschaften und plante darauf ein «Recreation-Center» mit Hotel, Ferienwohnungen, Sportanlagen, darunter ein grosses Bad, wie es dann später als Alpamare neben dem Seedamm-Center verwirklicht wurde. In Gommiswald fand Vögele mit seinen Ideen keine Unterstützung und zog sich aus dem Unternehmen zurück. Verblieben ist der Familie am Rämel ein bescheidenes Ferienhaus.

Ganz plötzlich, mitten in einer Erfolgsreihe, gab Charles Vögele den Autorennsport auf. Warum es zu diesem plötzlichen Entscheid kam, hat er gegen aussen nicht verraten. Er wandte sich neuen Bereichen zu und führte in seinem Feriensitz Castelleto am Lago Maggiore Kunstauktionen durch. Es ging bald weiter mit Kunst- und Antiquitäten-Auktionen im Seedamm-Center, zuerst noch etwas improvisiert, aber offenbar nicht ohne Erfolg. Als Auktionator verband Charles Vögele Kunst und Geschäft. Er fand Gefallen an dieser Kombination und erwarb 1976 das renommierte Auktionshaus Jürg Stuker in Bern. Auch hier übertrug er seiner Gattin eine Mitverantwortung bei der Führung. Das Auktionshaus Stuker liegt heute in den Händen seines Sohnes Peter, studierter Kunsthistoriker.

Grosser Kunstfreund und Mäzen

Schon früh besprach sich Charles Vögele mit seiner Gattin über die Idee einer Kunstgalerie. Die Idee musste reifen. Doch sie führte schliesslich zum Entschluss, ein Haus der Kunst und der Kultur zu bauen und er liess durch ein spezialisiertes amerikanisches Architekturbüro Baupläne ausarbeiten. Kam dieser Entscheid völlig überraschend?

Charles Vögele dachte in der Jugend an eine Laufbahn als Opernsänger und später zeigte er Freude an Antiquitäten. Am Karfreitag lud er gelegentlich ins Seedamm-Center zu klassischen Konzerten ein. Das Engagement mit dem 1976 eröffneten Seedamm-Kulturzentrum ging über blosse Liebhaberei hinaus. Kunst und Kultur bedeuteten ihm viel, und er fühlte sich als erfolgreicher Unternehmer verpflichtet, der Gesellschaft in diesem Bereich etwas zu bieten und die Jugend zur Kunst hinzuführen. Er rechnete sich nicht aus, ob sich die Investition in Kultur finanziell auszahle. Aber er erwartete, dass die Kunden des Shopping-Centers auch das nahe gelegene Kulturzentrum besuchen. Einkaufserlebnis, Badeplausch und Kulturgenuss sollen sich ergänzen.

Seine Kritiker wurden eingespannt

Charles Vögele hatte Freude an der Kunst. So liess er im Kulturzentrum grosse Ausstellungen etwa den Künstlern Hans Erni, Alois Carigiet, Rudolf Mirer und später Carl Spitzweg widmen.

Die unmittelbar neueste Kunst sagte ihm weniger zu. Das hatte zur Folge, dass die Zürcher «Kunstpäpste» die Ausstellungen in seinem Kulturzentrum mit Skepsis oder offener Ablehnung begleiteten. Vögele verzichtete darauf, in diesen Medien Inserate zu plazieren. Es kam zu einer vorerst erfolglosen Aussprache mit Verlegern und Kulturjournalisten. Vögele kehrte den Spiess um. Er beauftragte die kritischen Kulturjournalisten Fritz Billeter, Willi Rotzler und Peter Killer für ihn eine Sammlung aktueller Schweizer Kunst anzulegen, die regelmässig im Kulturzentrum gezeigt werden sollte. Es ist wohl weiter nicht verwunderlich, dass die Ausstellungen in Pfäffikon fortan kaum mehr negativ kommentiert wurden.

Charles Vögele wollte mit dem Kulturzentrum einer breiten Bevölkerung den Zugang zur bildenden Kunst öffnen. In Norbert Lehmann hatte er einen kunstbegeisterten Didaktiker als Leiter gefunden. Zu den Ausstellungen erschienen wertvolle Einführungen und Publikationen, sie wurden auch von instruktiven Tonbildschauen begleitet. Lehrern wurden eigene Einführungsabende angeboten, und Schulklassen wurden über Jahre hinweg grosszügig zum Besuch des Museums eingeladen. Seitens der Schulen liess das Interesse mit der Zeit nach, und die Ausrichtung auf Schüler wurde aufgegeben. Der Verkauf des über lange Jahre hinweg mit viel Engagement, auch mit Begeisterung und Freude aufgebauten Unternehmens gereute Charles Vögele bald einmal. Vermisste er die Tätigkeit? Wollte er weiterhin Verantwortung tragen? War es ihm, dem bisher stets rastlos Tätigen, schlicht zu langweilig geworden? So kaufte die Familie das Seedamm-Center als Immobilienfirma zurück, betreibt aber keine Verkaufsaktivitäten mehr. Charles Vögele verstarb am 21. April 2002 im Alter von 79 Jahren. 2005 schied Sohn Carlo, bisher Präsident, aus dem Verwaltungsrat der Charles-Vögele-Holding AG aus. Die beiden Söhne Carlo und Marco führen heute zusammen mit Hanspeter Gisler die Immobilienfirma Seedamm-Center AG.

Die Charles und Agnes Vögele-Stiftung

Vom Verkauf an die Investorengruppe ausgenommen blieb das Vögele Kulturzentrum, das Charles an die von ihm reich dotierte Stiftung Charles und Agnes Vögele übertrug. Der Stiftungsrat wird heute von Tochter Monica Vögele präsidiert; weiter gehören ihm unter anderen die Familienmitglieder Agnes Vögele und Peter Vögele an. In der Bezeichnung dieser Stiftung und des Kulturzentrums bleiben die Namen Charles und Agnes Vögele der Nachwelt erhalten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.11.2016, 16:22 Uhr

Charles Vögele und seine Gattin Agnes prägten das Charles Vögele-Unternehmen. Das Ehepaar auf einem Foto um das Jahr 2000. (Bild: zvg)

Charles und agnes Vögele

Eine Unternehmerfamilie

Rückblickend sieht Agnes Vögele den Erfolg der damaligen CV-Gruppe vor allem in der engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit in der Familie und mit den leitenden Mitarbeitern. Charles Vögele forderte von ihnen viel, gewährte ihnen auch den Freiraum, um sich zu entfalten. Das führte dazu, dass der engste Mitarbeiterstab über viele Jahre beisammen blieb. In diese Wertschätzung bezieht Agnes Vögele ganz bewusst die Mitarbeiterinnen an der Verkaufsfront mit ein, die ihre Arbeit oft über viele Jahre hinweg erfüllten.

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