Bern/Schmerikon

Umstrittenes Jugendschiff «Salomon» soll weitermachen

Pädagogische Mängel und Zweifel an Sicherheit an Bord. Trotz harscher Kritik will die Stiftung Jugendschiffe Schweiz weitermachen. Mit einem neuen Konzept will das schwimmende Jugendheim eine Bewilligung bekommen.

Das Jugendschiff «Salomon» soll weiterhin in See stechen.

Das Jugendschiff «Salomon» soll weiterhin in See stechen. Bild: Facebook

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Die Stiftung Jugendschiffe Schweiz will weitermachen. Sie hofft, dank eines überarbeiteten pädagogischen Konzepts und mehr Sicherheit an Bord doch noch eine Bewilligung für ihr schwimmendes Jugendheim zu bekommen. Doch sind noch nicht alle Probleme gelöst.

Die Stiftung ist in den letzten Jahren in die Kritik geraten. Auf deren Segelschiff «Salomon» sollen schwierige Jugendliche durch nautischen Drill und enge Betreuung auf den rechten Weg gebracht werden. Die Schraube für solche Platzierungen im Ausland wurde angezogen, nachdem ein Jugendheim in Nordspanien 2006 für einen Skandal gesorgt hatte.

Das bekam auch die Stiftung zu spüren: Wegen pädagogischer Mängel und Zweifel an der Sicherheit an Bord stellte das Jugendamt des Kantons Bern der «Salomon» nur eine bis Mitte 2016 befristete Heimbewilligung aus. Damit sollte der Stiftung ein geordneter Ausstieg ermöglicht werden.

Ohne Einwilligung der Eltern platziert

Heftige Kritik kam auch von einer Mutter aus Schmerikon. Ihr 15-jähriger Sohn sei ohne Einwilligung der Eltern an Bord der «Salomon» gewesen, berichtete die ZSZ. Bei der Platzierung wich die Stiftung offenbar von den eigenen Regeln ab. Der Obhutsentzug und die anschliessende Platzierung seien ­innerhalb weniger Tage erfolgt, sagt Jeanette K., die Mutter von Marco.

Neue Eigentümerin

Doch diese gibt nicht auf. Im Register der Schweizer Seeschiffe wird sie neu als Eigentümerin der «Salomon» geführt. Der Eintrag wurde am Dienstag im Bundesblatt publiziert. Bisher hatte die Stiftung den 47 Meter langen Dreimaster von der Jugendheim Sternen AG gemietet.

«Wir haben der Eignerin signalisiert, dass wir weitermachen wollen», sagte Mario Schmidli, Co-Geschäftsleiter der Stiftung, der Nachrichtenagentur sda auf Anfrage. Nun habe diese das Schiff der Stiftung geschenkt. Ob es mit der Bewilligung klappt, ist allerdings noch nicht klar.

Anforderungen erfüllt

Die Mängel am pädagogischen Konzept und die Zweifel an der Sicherheit konnten zwar ausgeräumt werden. Gemäss einem Bericht des Berner Jugendamts vom August 2015 erfüllt die Stiftung Jugendschiffe alle Anforderungen des Kantons. Der Betrieb entspreche den gesetzlichen Voraussetzungen, heisst es darin. «Das Wohl der Jugendlichen scheint gesichert.»

Vorerst ungelöst ist jedoch das Problem der Aufsicht. Die Behörden müssen den Betrieb nämlich in regelmässigen Abständen kontrollieren können. Das wäre auch auf einem Schiff möglich, sei aber etwas anspruchsvoller, sagte Schmidli. «Dafür haben wir im Moment keine Lösung.» Der Co-Geschäftsleiter ist dennoch zuversichtlich, dass die Stiftung ab August 2016 eine definitive Betriebsbewilligung bekommt.

Vom Jugendamt des Kantons Bern war vorerst keine Stellungnahme erhältlich. (zsz.ch)

Erstellt: 03.11.2015, 11:48 Uhr

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