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Tüfteln für einen Weltkonzern

Zwei Semester lang brüteten über 80 HSR-Studenten an neuen Antriebslösungen für Lüftungssysteme der Firma Siemens. Am Dienstag präsentierten sie nun das Resultat ihrer Arbeit.

Maschinentechnik-Studenten der HSR präsentieren Vertretern der Firma Siemens ihre Lüftungsantriebssysteme.
Maschinentechnik-Studenten der HSR präsentieren Vertretern der Firma Siemens ihre Lüftungsantriebssysteme.
Patrick Gutenberg
Die Veranstaltung bildete den Abschluss eines Praxiskurses, in welchem die Studierenden in kleinen Gruppen die Planung, Herstellung und Inbetriebnahme eines Industrie­produktes von Grund auf selber in die Hand nehmen konnten.
Die Veranstaltung bildete den Abschluss eines Praxiskurses, in welchem die Studierenden in kleinen Gruppen die Planung, Herstellung und Inbetriebnahme eines Industrie­produktes von Grund auf selber in die Hand nehmen konnten.
Patrick Gutenberg
Die Objekte des Interesses.
Die Objekte des Interesses.
Patrick Gutenberg
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Als riesigen Hosenlupf bezeichnete Theodor Wüst, Professor für Maschinentechnik an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR), die Entwicklungsarbeit der über 80 angehenden Ingenieure. Diese präsentierten am Dienstag im Rahmen des Bachelorstudiengangs Maschinentechnik Innovation ihre Entwicklungsprojekte. Die Veranstaltung bildete den Abschluss eines über zwei Semester andauernden Praxiskurses, in welchem die Studierenden in kleinen Gruppen die Planung, Herstellung und Inbetriebnahme eines Industrie­produktes von Grund auf selber in die Hand nehmen konnten.

Bereits zum sechsten Mal ­wurde das Entwicklungsprojekt in diesem Rahmen durchgeführt. Die HSR ist schweizweit die einzige Fachhochschule, die den Studie­renden eine solche Möglichkeit bietet.

Ziel des Projekts ist es, eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu schaffen. Hierfür arbeitet die HSR mit verschiedensten Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Indus­trie zusammen. Nachdem man bereits mit KMU und mittelgrossen Firmen aus der Region zusammenarbeiten konnte, sei die Freude gross, es in diesem Jahr mit einem Weltkonzern wie Siemens zu tun zu haben, betonte Studienleiter Hans­peter ­Gysin. Für das Projekt hatte die Firma den Studierenden die Aufgabe ­gestellt, innovative Antriebs­lösungen für Klappen und Ven­tile von Lüftungsanlagen zu entwickeln. Das Augenmerk war dabei vor allem auf einen einfachen und kompakten Aufbau zu richten.

Ein Lehrblätzin Sachen Teamgeist

Vor der eigentlichen Vorstellung der elf, an der HSR entstandenen, Antriebsprototypen präsentierte Hans­peter Gysin zunächst aber noch eine Auswahl verschiedener Produkte, welche im Rahmen des Entwicklungsprojekts in den Jahren zuvor entstanden sind. Dar­unter etwa ein Patiententransportwagen für die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega). Dieser sollte den Transport verletzter Personen in den und aus dem Heli­kopter vereinfachen. Das Produkt wird mittlerweile von einer Glarner Firma vertrieben.

Im Anschluss übergab Gysin das Wort den Studierenden selber. Diese stellten reihum die Funktionsfähigkeit ihrer Prototypen unter Beweis. Während ­einige der Arbeitsgruppen mit erheb­lichen Lärmemissionen zu kämpfen hatten, berichteten ­andere von den Tücken der 3-D-Druckerei oder einer sehr langen und komplexen Konzeptionierungsphase. Einig zeigten sich aber alle Studierenden darin, dass das Projekt eine äus­serst lehrreiche und wertvolle Erfahrung gewesen sei, vor allem in den Bereichen Eigenverantwortung und Teamgeist.

Sechs Patentanmeldungenin Prüfung

Einen wichtigen Aspekt für das Gelingen des ganzen Projektes – das machten sowohl die Ausführungen der Studierenden wie auch die Worte des Studienleiters klar – stellte das an der HSR im letzten Jahr realisierte 3-D-Druck-Labor dar. Dieses mit vier Laserdruckern (SLS/SLA) sowie sechs Kunststoffdruckern (FDM) ausgestattete Labor steht allen Studierenden der HSR zur Ver­fügung. Bezahlen müssen sie ­einzig ihre Materialkosten. So stammte denn auch ein Grossteil der präsentierten Prototypen zu kleineren oder grösseren Teilen aus dem 3-D-Drucker.

Von den vielfältigen Ideen der Studierenden zeigten sich auch die anwesenden Vertreter von Siemens beeindruckt. Es sei ein unglaublicher Mehrwert, der für seine Firma aus diesem Projekt mit der HSR herausgehe, erklärte André Muff, Leiter Entwicklung der Siemens Division Building Technologies mit Sitz in Zug. «Um den Standort Schweiz zu schüt­zen, müssen wir stetig neue Innovationen liefern können. Die unvoreingenommenen Ideen der HSR-Studenten liefern uns hier einen wichtigen Beitrag.» Siemens prüfe daher zurzeit die Anmel­dung von sechs Patenten auf die vorgestellten Lösungen.

Dennoch dürfte es auf dem Markt wohl nie ein Produkt von Siemens geben, das mit einem der elf Prototypen der HSR übereinstimmt. «Jeder der elf Antriebe beinhaltet unglaublich viele kleine Funktionen und Ideen. Genau um diese ging und geht es uns», erklärte Andreas Pally, Fachstellenleiter Actuator Design Siemens, der einst selber an der HSR studiert hat. Man werde nun alle diese Ideen katalogisieren, damit man in Zukunft darauf zurückgreifen könne. Einzelne Teile der Arbeiten der Studenten werden so also möglicherweise in einem künftigen Siemens-Produkt eine Anwendung finden.

Seine Erwartungen von der Zusammenarbeit mit der HSR seien auf jeden Fall mehr als übertroffen worden, bilanzierte Pally zum Schluss der Veranstaltung. «Wir würden uns jederzeit wieder auf ein solches Projekt einlassen.»

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