Pfäffikon SZ

Susanne Ruoff erklärt die Post und schweigt zum Postautoskandal

Es war einer ihrer ersten öffentlichen Auftritte seit Bekanntwerden der Subventionstricksereien in ihrem Unternehmen. Postchefin Susanne Ruoff wirkte am Montagabend souverän, das Publikum durchaus versöhnlich.

Postchefin Susanne Ruoff (links) lässt sich von Moderatorin Beatrice Müller nicht viel über ihre Gefühle in diesen stürmischen Zeiten entlocken.

Postchefin Susanne Ruoff (links) lässt sich von Moderatorin Beatrice Müller nicht viel über ihre Gefühle in diesen stürmischen Zeiten entlocken. Bild: Manuela Matt

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Ein bisschen gezittert haben sie wohl schon in der Vorbereitungsgruppe. Die drei Höfner Gemeindepräsidenten und Ex-«Tagesschau»-Moderatorin Beatrice Müller organisieren zweimal im Jahr einen öffentlichen Grossanlass, der neben der Gelegenheit zum Networking immer auch eine Begegnung mit mehr oder weniger prominenten Gästen bietet.

Als Susanne Ruoff angefragt wurde, herrschte im Reich der Post noch Friede, Freude, Eierkuchen, wie Beatrice Müller es ausdrückte. Doch dann kam ans Licht, dass die Postauto AG jahrelang mit Subventionsgeldern in zweistelliger Millionenhöhe getrickst hatte, und Postchefin Susanne Ruoff sah sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Die Vorbereitungsgruppe erarbeitete schon mal einen Plan B. Vor zwei Wochen kam dann aber die definitive Zusage.

Drohnen und Kugelschreiber

Ruoff stellte allerdings eine nicht verhandelbare Bedingung: Über den Postautoskandal durfte am Montagabend nicht gesprochen werden, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Das Bundesamt für Polizei hat dieses inzwischen eingeleitet.

Und so steht die Konzernchefin vor 220 gespannt dreinblickenden Gesichtern und hört sich zunächst an, was eine Vertreterin der älteren Generation, ein Gewerbler und ein Lehrling zur Post zu sagen haben. Die Frau aus Freienbach beklagt die Schliessung von Poststellen in der Gemeinde, der Gewerbler wünscht sich alle Postsendungen als Frühzustellung und ärgert sich über die Versuche mit Drohnen und selbstfahrenden Autos, vom Verkauf von Kugelschreibern am Postschalter ganz zu schweigen. Zufrieden scheint nur der 18-Jährige. Seine im Internet bestellten Pakete liegen am Abend immer schön zuverlässig im Briefkasten.

Die Postchefin hört aufmerksam zu und bemüht sich sichtlich, im anschliessenden 40-minütigen Referat auf die Anliegen einzugehen. «Heute Abend können Sie die Faust im Sack öffentlich machen», ermuntert sie das Publikum. Dann spricht sie über ihr Unternehmen als drittgrössten Arbeitgeber, über sinkende Brief- und steigende Paketzahlen, über die Post als Bank, die keine Kre­dite und Hypotheken vergeben darf, und über die Qualität der Dienstleistungen, die immer noch weltweit einzigartig sei.

Zu hohe Ansprüche

Ruoff zeigt Verständnis für die Menschen, denen der Verlust ihrer Poststelle wehtut und die sich schwertun damit, ihre Postgeschäfte neben Tomaten und Kabis im Dorfladen tätigen zu müssen. Die Post müsse sich jedoch dem veränderten Kundenverhalten anpassen, erklärt sie und verweist auf Vorteile der Postagenturen, beispielsweise längere Öffnungszeiten.

Mehrmals spricht die Postchefin vom Spagat, den ihr Unternehmen täglich üben müsse: zwischen den Ansprüchen der Konsumenten, des Marktes und nicht zuletzt der Politik. Die Politiker stellen laut Ruoff hohe Anforderungen an die Post, überlegen aber zu wenig, wer dafür bezahlen soll. Ins gleiche Horn stossen mehrere Votanten aus dem Publikum. Er sei im Toggenburg aufgewachsen, erzählt etwa der Freienbacher Finanzvorsteher Alain Homberger (FDP). Damals sei der Pöstler im Winter noch auf Skiern gekommen und man habe die Pakete selber in der acht Kilometer entfernten Post abholen müssen. Heute stelle man an den Service public zu hohe Ansprüche. Ruoff verhehlt nicht, dass ihr so aufmunternde Worte derzeit besonders gut tun. Weiteres zu ihren Gefühlen in diesen für sie extrem stürmischen Zeiten lässt sie sich jedoch nicht entlocken.

Zum Schluss bricht Hans Giger eine Lanze für die heutige Post und ihre Chefin. Der frühere Leiter der Kreistelefondirektion Rapperswil erinnert daran, dass bis ins Jahr 2000 Telefon und Post ein Unternehmen ­waren, in dem das Telefon die Post quersubventionierte. «Doch jetzt leben wir in einem neuen Jahrhundert.» Über die Postautosubventionen sagt auch Giger nichts. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.03.2018, 23:19 Uhr

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