Fahrende

Suche nach Plätzen für Fahrende harzt

Die Gemeinden der Region tun sich mit dem Auftrag schwer, dem Kanton mögliche Durchgangsplätze für Fahrende zu melden. Immerhin ein Platz steht derzeit in Aussicht – vorgesehen war, dass jede Gemeinde mindestens eine Option nennt.

Immer wieder lassen sich Gruppen von Fahrenden zeitweise im Linthgebiet nieder, so etwa eine ausländische Gruppe Roma bei Schänis im vergangenen August. Das Wasser beziehen sie zuweilen aus dem Kanister.

Immer wieder lassen sich Gruppen von Fahrenden zeitweise im Linthgebiet nieder, so etwa eine ausländische Gruppe Roma bei Schänis im vergangenen August. Das Wasser beziehen sie zuweilen aus dem Kanister. Bild: Ueli Abt

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Mit provisorischen Durchgangsplätzen wollte der Kanton St. Gallen den Schweizer Fahrenden bis zum Beginn der sogenannten Reisesaison ein überbrückendes Angebot machen – doch nun kommt auch die Suche nach den Provisorien nicht voran: Bis Mitte März hätten die Gemeinden ihrem regionalen Vertreter in der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP), mögliche Standorte von Durchgangsplätzen nennen sollen. Laut Mario Fedi, Regionalvertreter und Gemeindepräsident in Weesen, sind allerdings noch nicht alle Gemeinden diesem Aufruf gefolgt. Gemäss Fedi wird nun die Frist verlängert: Die Gemeinden haben bis Ende April Zeit, die Stellungnahme einzureichen.

Solidarität untereinander

Wie dem schriftlichen Aufruf des Kantons an die Gemeinden zu entnehmen ist, ging der Kanton davon aus, dass jede Gemeinde ein oder zwei Plätze nennen kann, die mindestens während ein paar Wochen pro Jahr den Fahrenden zur Verfügung gestellt werden könnten. «Kurzfristig zielführend ist es, wenn jede Gemeinde ein bis zwei Plätze mit Angaben der zeitlichen Verfügbarkeit bereitstellt und ihrem Regionalvertreter im VSGP-Vorstand bis Mitte März meldet. Der Regionalvertreter koordiniert die Plätze dann so untereinander, dass ab April jederzeit mindestens ein Platz zur Verfügung steht», heisst es im Schreiben des Kantons vom 27. Januar.

Im Linthgebiet scheint man es allerdings mit der Nennung von einzelnen Plätzen bewenden lassen zu wollen. Laut Fedi hat sich die Region Zürichsee-Linth vergangene Woche zu Gesprächen getroffen und mehrere mögliche Plätze für Fahrende diskutiert. Wie viele das sind, gibt die Region nicht bekannt. Fedi sagt: «Wichtig ist die Solidarität unter den Gemeinden.» Hüglige Orte wie Gommiswald oder Amden seien für Durchgangsplätze eher nicht geeignet. «Deshalb sind in dieser Frage nun die Gemeinden in der Ebene in der Pflicht», sagt Fedi. Uznach muss sich laut Fedi an der jetzigen Suche nicht beteiligen. Dort besteht bereits ein mit dem Kanton vertraglich vereinbarter, fest installierter Standplatz für Fahrende.

Option Weesen entfällt

In Weesen selbst seien zwei Durchgangsplätze zur Diskussion gestanden, sagt Fedi: «Die verpachtende Ortsgemeinde Weesen hat allerdings einer solchen Nutzung den Riegel geschoben.» Als sogenannte Fruchtfolgefläche kämen die Wiesen ohne Infrastruktur nicht infrage. Konkret abklären lässt die Region von den diskutierten Plätzen einen in Jona. Dieser mögliche Standort ist laut Fedi bereits seit mehreren Jahren bekannt, nun müsse die Stadt Rapperswil-Jona prüfen, ob die Nutzung als Durchgangsplatz tatsächlich infrage kommt. Gemäss Aufruf des Kantons war zunächst vorgesehen gewesen, dass die Abklärungen mit den Grundeigentümern bis Mitte März erfolgen würden.

Dass sich die Suche nach den Provisorien weiter verzögert, kommt den Fahrenden nicht gelegen. «Für einige Fahrende hat die Saison bereits begonnen, wir haben schon jetzt Probleme, Durchgangsplätze zu finden», sagt Claude Gerzner, Sprecher der Bewegung der Schweizer Reisenden. Ende März nähmen viele Familien ihre Kinder aus den Schulen und zögen los. «Es bleibt uns nichts weiter übrig, als zu warten und weiter zu hoffen, dass sich etwas ergibt.» Gerzner ist allerdings skeptisch, ob die Verlängerung um ein paar Wochen zielführend sei. «Die Gemeinden hatten den ganzen Winter lang Zeit, um Vorschläge zu machen.»

Fahrende haben Vorschläge

Gerzner hat keine Mühe, im Linthgebiet Plätze als Provisorien vorzuschlagen. So hätten Jenische früher auf dem Kinderzoo-Parkplatz sowie auf der nahen Allmend Halt gemacht. Auch beim Fussballplatz in Benken liesse sich aus seiner Sicht leicht ein Provisorium realisieren: «Es hat einen Stromkasten und einen Hydranten, man müsste bloss ein Toi-Toi-WC aufstellen.» Die Fahrenden bezahlten Miete, Kosten würden jedenfalls für die Gemeinden nicht anfallen.

Auch der Kanton sieht viele Möglichkeiten: Eignen würden sich zum Beispiel Wintertourismus-, Schwimmbad- oder Sportplatzparkplätze ausserhalb der jeweiligen Saison, oder auch Messe-, Fest- und Schiessplätze in nicht benützten Wochen. «Solche provisorischen Plätze können, zumindest für eine gewisse Zeit im Jahr, in jeder Gemeinde kurzfristig eingerichtet und bereitgestellt werden», heisst es im Schreiben an die Gemeinden.

Erstellt: 13.03.2016, 21:29 Uhr

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