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Stadtrundgang mit alternativen Fakten

Zum 1. April lud Rapperswil Zürichsee Tourismus zu einem besonderen Stadtrundgang. Für einmal war nicht klar, ob der Stadtführer Fakten oder frei erfundene Anekdoten zum Besten gab.

Wahr oder frei erfunden? An dem etwas anderen Stadtrundgang von Rapperswil Zürichsee Tourismus war der Spürsinn der Teilnehmenden gefordert.
Wahr oder frei erfunden? An dem etwas anderen Stadtrundgang von Rapperswil Zürichsee Tourismus war der Spürsinn der Teilnehmenden gefordert.
Michael Trost

Üblicherweise werden auf Stadtrundgängen den Touristen aus Nah und Fern wissenswerte Fakten vermittelt. Stadtführer spazieren mit ihren Gästen durch die Gassen und Strassen, besuchen Plätze und erzählen vor Ort historische Anekdoten und weisen auf aktuelle Hintergründe hin.

Doch an diesem Samstag entschied sich Rapperswil Zürichsee Tourismus für eine neue Variante: Anlässlich des 1. Aprils waren die Teilnehmenden der Führungen nämlich gefordert. Erzählt Adrian Gratwohl gerade irgendeine frei erfundene Geschichte? Oder wird Rapperswil ab nächstem Frühling tatsächlich einen der Rosengärten mit Tulpen bepflanzen?

Fragen beantworten

Das Motto der Führung, die je nach Reaktionen künftig auch an anderen Daten angeboten wird, lautete denn auch «Echt getäuscht – täuschend echt?». Die rund zehn Personen, die am Vormittag den ersten Stadtrundgang dieser Art mitmachten, erhielten ein Frageblatt. Auf diesem galt es bei elf Fragen zu entscheiden, ob Gratwohl einem gerade einen Bären aufgebunden hatte oder zutreffende Aussagen gemacht hatte. Genüsslich nahm der Stadtführer Adrian Gratwohl Bezug auf den US-Präsidenten Donald Trump und sprach wie dieser von sogenannten alternativen Fakten. «Wie im Leben ist nicht alles wahr, was man sieht», begrüsste Gratwohl sein Publikum. Man solle ohnehin nicht alles glauben, was man sehe oder lese. Dies untermalte der Stadtführer mit alten Gemälden und Stichen, die Rapperswil vermeintlich zeitgenössisch darstellten.

Der Tradtition entsprechend startete der aussergewöhnliche Stadtrundgang am Fischmarkt. Dass es sich lohnt, in Rapperswil auch auf den Boden und in die Höhe zu blicken, wurde schnell klar. Insgesamt zehn Jakobsmuscheln aus Messing sind in den Altstadtboden eingelassen. Die Zeugnisse des Pilgerweges nach Santagio de Compostela weisen den Pilgern den Weg. Doch zeigen sie wirklich in Richtung Spanien?

Ins Detail ging Gratwohl bei Ausführungen zum St. Galler Kantonswappen. Wurde tatsächlich vor einigen Jahren eine Streitaxt durch ein Beil ersetzt und die Farbe grün aus Kostengründen neu definiert? Interessiert fragten sich einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch, ob das Rutenbündel wirklich für die acht St. Galler Städte mit einer Einwohnerzahl von mehr als 10 000 Menschen stehen.

Geheime Schlosseingänge?

Dass die Fassade des Rathauses als Zeitzeuge interpretiert werden kann, sorgte kaum für Kopfschütteln. Es leuchtete ein, dass vor den Weltkriegen militärische Bilder zu sehen waren, während diese nach den verheerenden Kriegen umgestaltet wurden. Zufrieden stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem fest, dass die Sonnenuhr bestens funktioniert.

Via die Herren- und die Hintergasse spazierte die Gruppe gemächlich in Richtung Schloss. War die längliche Öffnung, die man oberhalb der Treppe erspähen kann, in der Vergangenheit möglicherweise ein Geheimeingang, versteckt hinter Büschen und Bäumen?

Natürlich durfte auf dem Stadtrundgang auf keinen Fall die Gründungslegende der Stadt Rapperswil fehlen. Dass Rudolf II. mit seiner Gattin von Altendorf her über den oberen Zürichsee zur Jagd gekommen sein soll, wussten einige der Gäste auf dem Rundgang. Schnell waren sie sich einig, dass der Hirschpark beim Schloss im Jahr 1871 als Gedenken an diese Geschichte angelegt worden war. Immerhin hatten die Jagdhunde ja eine Hirschkuh gewittert, die ihre Kälber beschützt haben soll.

«Ich erzähle Mist»

So bekamen die Stadtrundänger einen Eindruck zu Geschichte und Gegenwart ihrer Stadt und diskutierten im Anschluss an die Veranstaltung, welche Informationen blosse Täuschungen waren. «Auch der Gratwohl erzählt also bisweilen Mist», sagte der Stadtführer zum Abschied und grinste.

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