Sarasota / Rapperswil-Jona

Stadt mit Traumlage, Kultur und viel Geld

2018 soll Rapperswil-Jona die zehnte Sister City von Sarasota werden. Für die Rosenstadt wäre es die dritte Partnerstadt nach Aalborg in Dänemark und Bagno di Romagna in Italien.

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Für Rapperswil-Jona ist ein Baum reserviert. Er steht im Bayfront Park an einem grandiosen Ort: Vorne das türkis-blaue Wasser des Golfs von Mexiko, im Rücken der Jachthafen von Sarasota, umringt von der Skyline der 52 000 Einwohner grossen Stadt, die rund 80 Kilometer südlich von Tampa liegt.

Noch fehlt aber im Gegensatz zu neun anderen Städten auf dieser Welt der Name unter dem Baum.«Rapperswil-Jona» soll im nächsten Jahr auf die noch leere Platte am Boden eingetragen werden. Das erhofft sich Nelly Camardo. Für die gebürtige Zürcherin wäre das eine Erfüllung. Seit 18 Jahren lebt sie in Sarasota, ist im Schweizer Club aktiv und leitet in der Sarasota Cities Association für Städtepartnerschaften das Projekt Rapperswil-Jona.

Die beiden Städte passen gut zueinander. Sie liegen an pittoresken Orten am Wasser, wirken gepflegt, kultiviert und strahlen Wohlstand aus. Sarasota besitzt 140 Schulen und Colleges. Was in Rapperswil-Jona die HSR, ist in der US-Stadt das Mote-Quarium, eine Hochschule zur Erforschung der Meereswelt im Golf von Mexiko, spezialisiert auf Haie, Meeresschildkröten und Seekühe.

Sogar eine Oper

Wie Rapperswil-Jona mit Knie ist auch Sarasota eine Zirkusstadt mit der Familie Ringling. John Ringling gilt als berühmtester Sohn der Stadt und förderte vor über 100 Jahren deren Entwicklung. Sein ehemaliges Anwesen Ca d’Zan mit Kunstsammlung und Parkanlage ist heute ein Magnet für Touristen.

«Sarasota ist eine für amerikanische Verhältnisse kleine Stadt aber mit grossem Horizont und viel Geschichte», sagt Nelly Camardo. Insbesondere von anderen Städten im Südwesten von Florida wie Tampa oder St. Petersburgh hebt es sich ab. Sarasota ist kleiner, organischer gewachsen und dadurch überschaubarer. 1763 von spanischen Händler und Fischern als Zara Zota gegründet erhielt es 1902 das Stadtrecht. Die Eisenbahn kam 1903 nach Sarasota.

«Das Leben ist nicht so hektisch wie anderswo», sagt Carmen Vordermann. «Das schafft Boden für die Kunst», verweist die Luzernerin auf das reiche Kulturleben in Sarasota. Hier gibt es eine Oper, das Florida State Theatre und viele Künstler haben sich in der Stadt niedergelassen, die mit ihren Werken die pastellfarbene «Florida Art» landesweit bekannt machen. Der überdurchschnittliche Stellenwert der Kultur sei für Vordermann verantwortlich, «dass sich hier die Lebensart vom Hippystil im übrigen Florida unterscheidet».

«Wir sind Cosmopolitans»

Charlotte Hull, die in Rapperswil-Jona das Hotel und Restaurant Bellevue führte, nennt es eine «bunt zusammengewürfelte Gesellschaft». Die hohe Lebensqualität zog viele Leute aus allen Teilen der USA, aus Kanada und Europa an. «Weil diese Menschen grosses Interesse an Kultur mitbringen, macht es das Stadtleben so interessant», sagt sie, die wie Carmen Vordermann aktiv ist im Schweizer Club von Florida.

Nelly Camardo bringt es auf den Punkt: «Wir sind Cosmopolitans – niemand ist von da, kaum einer hier geboren.» Zu den Zugezogenen zählen auch Berühmtheiten wie der Autor Stephen King, TV-Moderatorin Oprah Winfrey und AC/DC-Sänger Brian Johnson.

Gediegen und unaufgeregt

Die angesprochene Lebensqualität ist sicht- und spürbar. Auf den Strassen fahren viele teure Autos, die Geschäfte im Zentrum und insbesondere auf der vorgelagerten Insel St. Armands strotzen vor Luxus. Die Stadt und ihre Bewohner strahlen eine Aura des «wir haben es geschafft» aus.

Die Main Road spiegelt die Gründungszeit der Stadt wieder. Sie ist gesäumt von eingeschossigen Häusern mit Läden und Restaurants, verbunden mit einer Promenadengalerie als Schutz gegen die Sonne. Trotz Verkehrs geht es ruhig zu, kein Hupen ist zu hören. Gediegenheit drückt sich eben durch Unaufgeregtheit aus.

Endloser kühler Sand

Es ist November, am Mittag im Schatten schon 28 Grad warm. Ein sanfter Wind vom Meer schmeichelt die Haut. Im Hafen plätschern Segelboote und Jachten. Was auffällt: Die Möwen kreischen nicht, als ob sie sich dem Lebensmotto «Take it easy» angepasst hätten. Pelikane gleiten ohne Flügelschlag übers Wasser. Eichhörnchen im Park scheuen die Menschen nicht. Ausflugsboote versprechen Sichtungen von Delfinen und Seekühen.

Touristen fühlen sich auf Anhieb wohl. Sie finden alle Arten der Erholung und Einblicke in die typischen Seiten von Southwest Florida. Zum Beispiel an den Stränden – insbesondere Siesta Key und Lido Key Beach: Hier ist der Sand nicht nur schneeweiss und pudrig, sondern wird, weil aus Quarz, auch nie heiss. Selbst in der grössten Sommerhitze kann man barfuss laufen und aufs kristallklare Meer blicken.

Der Myakka State Park mit ursprünglicher Vegetation und Mangrovensümpfen, Marie Selby Gardens (Orchideen und Ananaspflanzen) sowie Sarasota Jungle Gardens (Orchideen, Flamingos und Alligatoren) bieten Anschauungsunterricht in Sachen Natur, das Ringling Museum of Art jene in die Kunst. Die Restaurants locken mit regionaler und internationaler Küche in allen Preisklassen, wobei Seafood und US-Steaks am naheliegendsten sind.

Selbst schon Teil der Stadt

Was Touristen lockt, reizt auch die Einheimischen. «Wir führen hier ein relaxtes, lockeres Leben – wie es sich für Florida gebührt», sagt Nelly Camardo. Das Lebenstempo beschreibt sie mit «überall ein bisschen heruntergeschraubt.» Fischen, Freizeitaktivitäten am und auf dem Meer, Sport, Theater, Kino, gut essen gehen gehörten zum Alltag.

«Und das Wetter ist ohnehin das Grösste: Hier muss man nie zum Fenster schauen um zu sehen, was einen draussen erwartet», erwähnt sie den grössten Vorteil von Südwest-Florida.

Nelly Camardo und ihre beiden Begleiterinnen sind offensichtlich stolz auf ihr Sarasota. Mit gutem Grund, denn wer hier länger als zehn Jahre lebt, ist bereits Teil der Geschichte dieser Stadt und fühlt sich auch so. Das erklärt, weshalb den drei Damen die Städtepartnerschaft mit Rapperswil-Jona so am Herzen liegt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.11.2017, 16:03 Uhr

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