Rapperswil-Jona

«Stadt ist nicht verpflichtet, einen Wettbewerb zu lancieren»

Die Stadt hat über die Vorlagen der Bürgerversammlung informiert: Bezüglich Jahresrechnung verbucht sie einen Millionengewinn. Der Stadtrat will zudem das ehemalige Zirkusmuseum zu einem Visitor Center umnutzen.

Stein des Anstosses auf dem Rapperswiler Fischmarktplatz: Bezüglich Form, Material und Farbgestaltung beim geplanten Visitor Center gehen die Meinungen weit auseinander.

Stein des Anstosses auf dem Rapperswiler Fischmarktplatz: Bezüglich Form, Material und Farbgestaltung beim geplanten Visitor Center gehen die Meinungen weit auseinander. Bild: pd

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«Über den Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten»: Mit diesen Worten umschrieb Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) die Kontroverse rund um die Frage des Materials und der Farbe beim geplanten Visitor Center. Der Stadtrat will das ehemalige Zirkusmuseum für drei Millionen Franken sanieren. Das Gebäude am Fischmarktplatz soll aufgewertet und umgenutzt werden. Neu wird Rapperswil Zürichsee Tourismus für das Visitor Center auch das Obergeschoss zur Verfügung haben.

Eines stellte Stöckling an der Pressekonferenz vom Mittwoch zu den beiden Vorlagen, die im Fokus der Bürgerversammlung vom 7. Juni stehen, klar: Über gewünschte Veränderungen seitens der Bevölkerung an Details am Bauprojekt lasse er an der Versammlung nur konsultativ abstimmen. Mehr Sorgen bereitet dem Stadtpräsidenten der Widerstand seitens des Architekturforums Obersee (AFO) gegen das Bauprojekt. Noch offen ist derzeit, ob das AFO an der Bürgerversammlung einen Gegenantrag stellen wird: Das Forum kritisiert den Umstand, dass die Stadt beim Umbau des ehemaligen Zirkusmuseums ein freihändiges Verfahren anstelle einer offenen Ausschreibung lanciert hat. Das AFO fordert einen Architekturwettbewerb.

«Es gibt keinen Anspruch auf einen Wettbewerb, weil das Honorar für Architekturleistungen den Schwellenwert in der Höhe von 250 000 Franken insgesamt nicht überschreitet», sagte Stöckling. Bauchef Thomas Furrer (parteilos) erklärte, man habe das Projekt phasiert, in verschiedene Teile aufgesplittet. Auf diese Weise sei die Summe von 80 000 Franken für Architekturleistungen nie erreicht worden: Unter diesem Schwellenwert kann ein freihändiges Verfahren gestartet werden. Wird er überschritten, muss eine offene Ausschreibung erfolgen.

«Allenfalls droht eine Rüge»

«Falls juristisch gegen das Verfahren vorgegangen wird, erwarten wir allenfalls eine Rüge – ohne dass diese Folgen für das Bauprojekt haben könnte», sagte Furrer: «Abgesehen davon bietet eine offene Ausschreibung oder ein Architekturwettbewerb keinesfalls Gewähr auf bessere Resultate.» Bezüglich Qualität liefere das ausgewählte Verfahren in jedem Fall ein gutes Resultat ab.

Stöckling thematisierte an der Pressekonferenz die ganze Entstehungsgeschichte des Visitor Centers: «Es ist definitiv kein Greenfield-Projekt. Der Inhalt des Hauses wurde parallel mit seiner Hülle definiert.» Bei einem solch kompakten Projekt habe es keinen Sinn gemacht, einen Architekturwettbewerb zu starten.

«Es gibt kein Nachdunkeln»

Vielmehr hätten Zeit, Finanzen und Engagement eine Rolle gespielt: «Mit einem Wettbewerb hätte man damit rechnen müssen, dass das Ganze doppelt so so viel gekostet und drei Jahre länger gedauert hätte», sagte Stöckling. Erschwerend sei im Prozess hinzugekommen, dass Rapperswil Zürichsee Tourismus Stockwerkeigentümer ist und lange unklar blieb, inwiefern sich der Verein an den Kosten beteilige.

Bei den Parteien sei das Projekt gut angekommen, resümierte Stöckling: Dank diesem werde das Gebäude aufgewertet und gleichzeitig der Tourismus gestärkt – und dies zu «sachgerechten Kosten». Und auch wenn bezüglich Material und Farbe die Meinungen auseinander gehen würden, so bleibe doch festzuhalten, dass sich die Geschichte mit der Patina beim Stadtmuseum nicht wiederholen werde: «Es gibt beim Visitor Center kein Nachdunkeln der Farbe, das Material bleibt wie es ist.» Die Vorzeichen stünden günstig, dass das Visitor Center zum Leuchtturm der Rosenstadt werde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 17:52 Uhr

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Dass die Stadt nun tiefschwarze Zahlen präsentiert, bringt er mit der Wirtschaftslage in Zusammenhang: «Die Konjunktur brummt. Hinzu kommt, dass wir aufgrund Vakanzen beim Personal und wegen eines Pensionsgewinns weniger Kosten haben.» (ml)

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