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Staatsanwaltschaft will Schweinemäster Betrug nachweisen

Mit dem Urteil des Kreisgerichts See-Gaster konnte die Staatsanwaltschaft nicht zufrieden sein. Statt langjährige Gefängnisstrafen gab es bedingte Geldstrafen für zwei Männer. Nun entscheidet das Kantonsgericht.

Laut Anklage hat ein Schweinemäster aus dem Linthgebiet zu viele Scheine auf engem Raum zusammengepfercht - mit aufgeklebten Vignetten des QN-Lebels auf den Begleitpapieren täuschte er eine tiergerechte Haltung vor.
Laut Anklage hat ein Schweinemäster aus dem Linthgebiet zu viele Scheine auf engem Raum zusammengepfercht - mit aufgeklebten Vignetten des QN-Lebels auf den Begleitpapieren täuschte er eine tiergerechte Haltung vor.
Symbolbild, Keystone

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Der Spruch mag oft ungerecht sein. Aber im Fall eines Schweinemästers aus dem Linthgebiet muss die Frage erlaubt sein, wieso der 49-Jährige und sein Mitarbeiter erst acht Jahre nach den vorgeworfenen Taten vor Gericht standen. Vor zwei Jahren behandelte das Kreisgericht See-Gaster den Fall, am Dienstag findet die nächste Verhandlung am Kantonsgericht St. Gallen statt.

In Dutzenden Fällen war den beiden Beschuldigten Tierquälerei, Urkundenfälschung und Betrug vorgeworfen worden. Gemäss Staatsanwaltschaft wurden 9333 Schweine unter dem Qualitätslabel QM des Schweizerischen Bauernverbands verkauft, obwohl sie in Ställen gehalten wurden, die den Label-Kriterien nicht entsprachen. Bei einigen Tieren aus den Ställen des 49-Jährigen wurden Verletzungen festgestellt, die wegen Überbelegung der Buchten entstanden sein müssen.

Grausige Verletzungen

Die Verletzungen lesen sich wie aus vermeintlich längst vergangenen Zeiten. Von Kannibalismus ist die Rede, weil sich die Schweine in den engen Buchten gegenseitig gebissen haben. «Handflächengrosse» Wunden wiesen einige Tiere auf, Schwänze fehlten, auch Abszesse und Vereiterungen notierten die Schlachtbetriebe.

«Man kann meinem Mandanten nicht zumuten, allen Schweinen das Pfötchen zu schütteln.»

Verteidiger des beschuldigten Schweinemästers

Doch die erste Instanz wies den grössten Teil der Vorwürfe ab. Viele Tierquälereien waren zu bereits verjährt. Doch nicht nur deswegen wurde der Prozess für die Staatsanwaltschaft zum Debakel. Der mehrfache Betrug, das schwerwiegendste Delikt, könne den beiden Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, befanden die Richter. Um diesen zu beweisen, zog der Staatsanwalt das Urteil weiter. Denn statt zu Freiheitsstrafen verurteilte das Gericht die Männer nur zu bedingten Geldstrafen.

Kaum zertifizierte Ställe

Interessant ist, dass nur ein kleiner Teil der Ställe des Schweinemästers QM-zertifiziert war. Teilweise waren die Ställe einst zertifiziert, aber nicht zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Taten. Die Staatsanwaltschaft rechnete zwar minutiös vor, dass unmöglich alle Schlachttiere aus den nur zwei Ställen hätten stammen können. Das reichte dem Gericht aber nicht als Beweis für einen Betrug.

An der Verhandlung 2015 beklagte sich der Schweinemäster, der «Abfallkübel der Schweiz» zu sein. So habe er regelmässig an Lungenentzündung erkrankte Schweine bei sich aufgenommen. Auch habe er nicht immer an allen acht Standorten präsent sein können, erklärte der Schweinemäster. Sein Verteidiger formulierte es blumig: «Man kann ihm nicht zumuten, jeden Abend allen Schweinen das Pfötchen zu schütteln».

Den Vorwurf des Betrugs wies der Beschuldigte weit von sich, ebenso die Urkundenfälschung, Die Begleitdokumente waren teilweise auf die nicht zertifizierten Ställe ausgestellt. Gemäss den Richtern wiesen die Dokumente nur aus, wo die Schweine zuletzt waren, nicht aber wo sie gehalten wurden.

Die Verhandlung findet am 28. Februar, 8.30 Uhr am Kantonsgericht, Klosterhof 1 in St. Gallen statt.

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