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St. Galler Kloster hat pädophilen Priester aufgenommen

Ein Kapuzinerpriester hat Dutzende Kinder vergewaltigt. Daniel Pittet, eines seiner Opfer, deckt in einem Buch seine Taten auf. Der Papst hat im Vorwort zu diesem Buch die Missbrauchsopfer um Vergebung gebeten. Unterdessen lebt der fehlbare Pater im Kapuzinerkloster Wil.

Im Kapuzinerkloster Wil leben 23 Brüder. Unter ihnen auch ein 76-jähriger Pater, der unzählige Kinder missbraucht hat.
Im Kapuzinerkloster Wil leben 23 Brüder. Unter ihnen auch ein 76-jähriger Pater, der unzählige Kinder missbraucht hat.
zvg

Es liegt ein Schatten über dem Kapuzinerkloster Wil: In der Gemeinschaft wohnt ein Bruder, der über zwanzig Kinder missbraucht hat. Josef Haselbach, Guardian des Klosters Wil, erklärt die Gründe, wieso seine Gemeinschaft den Pater aufgenommen hat: «Eine Familie verstösst kein Mitglied, weil dieses zum Täter geworden ist. Weil es dem Priester nach dem Auffliegen seiner Taten unmöglich war, in der Westschweiz zu bleiben, drängte sich ein Wechsel in die Ostschweiz auf.» Weil der 76-Jährige unterdessen gebrechlich ist und am Rollator geht, passt er ins Kloster Wil: Die meisten der zwanzig Brüder sind dort über 80 Jahre alt und selber gebrechlich.

Auch Täter müssen Ort haben

Die Geschichte ins Rollen gebracht hat ein Buch von Daniel Pittet. Sein Enthüllungsbuch «Mon Père, je vous pardonne» wirft bereits vor seinem Erscheinen hohe Wellen: «Diese sexuellen Übergriffe sind abscheulich und eine schreckliche Sünde», schrieb Papst Franziskus in seinem Vorwort zum neuen Buch. Der Papst bittet Opfer von Kindesmissbrauch durch katholische Priester um Vergebung: «Es handelt sich um etwas absolut Monströses, ein grauenhaftes Verbrechen, das radikal entgegen all dem ist, was Christus uns lehrt.»

Haselbach bezeichnet die Aufnahme des Paters, der drei Mal wegen seiner Taten vor Gericht gestanden hatte und in Frankreich zu einer zweijährigen Haft bedingt verurteilt wurde, als «schwierigen Akt»: Es habe naturgemäss Auseinandersetzungen gegeben, vielen Brüdern sei ob der Sache «gschmuch» geworden, hätten allergisch auf das Pädophilenthema reagiert. «Andererseits ist uns klar gewesen, dass ein Ausschluss des Paters aus dem Orden einen Sozialfall aus ihm gemacht hätte, der schliesslich der Öffentlichkeit zur Last gefallen wäre», konstatiert Haselbach. Auch Täter müssten einen Ort haben, wo sie hin können.

Orden hat Täter versetzt

Der Guardian stellt klar, dass das Kloster den fehlbaren Priester weder decke noch verstecke: Seine Taten seien gerichtlich abgehandelt worden, und in diesem Sinn sei er auf freiem Fuss. «Doch haben wir nötige Massnahmen wie intensive psychiatrische Behandlung und ein absolutes Berufsverbot ergriffen», führte Haselbach aus. So sei der Pater wohl besser begleitet und die Gesellschaft besser geschützt, als wenn man ihn aus dem Orden ausgeschlossen hätte.

Klar sei, dass der Orden in früheren Jahren im Umgang mit Tätern ungenügend reagiert und diese einfach versetzt habe – was dann zu einer Anhäufung der Missbrauchsfälle geführt habe. Haselbach glaubt, dass der Pater durchaus Einsicht zeige, auch wenn gewisse Medien berichten, dass er sich wohl eher um sich selbst statt um seine Opfer drehe.

Im Kloster unter Kontrolle

Dem 76-Jährigen den Eintritt in die Wiler Klostergemeinschaft aus moralischen Gründen zu verwehren, sei schlicht der falsche Weg: Just Jesus habe im Umgang mit Sündern aufgezeigt, dass es besser ist, den Sünder zu lieben – trotz seiner Taten.

Aus Sicht von Agostino Del Pietro, Provinzial der Schweizer Kapuziner, hätte ein Ausschluss des Paters aus dem Orden alles nur noch schlimmer gemacht: «Dadurch, dass der Priester in einer unserer Gemeinschaften lebt, haben wir ihn unter Kontrolle.» Dank eines Berufsverbotes, einem Ausschluss vom Priesteramt, habe der Pater keinen Kontakt mehr mit Gläubigen.

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