Rapperswil-Jona

Shoppen bis um 22 Uhr – Coop reizt Gesetze aus

Von früh bis spät shoppen: Die neue Coop-Filiale am Bahnhof Rapperswil öffnet bereits um 6 Uhr morgens und schliesst erst 16 Stunden später wieder. Coop hat einen juristischen Kniff gefunden, wie das trotz strengem St. Galler Gesetz funktioniert.

Am Donnerstag ist Eröffnung: Coop ist neu auch am Bahnhof Rapperswil präsent – mit langen Öffnungszeiten.

Am Donnerstag ist Eröffnung: Coop ist neu auch am Bahnhof Rapperswil präsent – mit langen Öffnungszeiten. Bild: Patrick Gutenberg

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Diesen Donnerstag eröffnet Detailhändler Coop seine neue Filiale am Bahnhof Rapperswil. Wegen eines Rechtsstreits mit der Gewerkschaft Unia darf Coop sein Geschäft im Postgebäude zwar sonntags noch nicht öffnen, aber auch die Öffnungszeiten unter der Woche haben es in sich. Von Montag bis Samstag öffnet die rund 230 Quadratmeter grosse Filiale jeweils von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Pikant: Das Gesetz des Kantons St. Gallen sieht in Rapperswil-Jona nur Öffnungszeiten bis maximal 20 Uhr vor.

Coop hat jedoch ein cleveres Schlupfloch gefunden: Der Detailhandelsriese argumentiert, man sei ein Laden im Rapperswiler Altstadt-Perimeter. Für diese Läden gelten erweiterte Öffnungszeiten - eigentlich gedacht für das Touristenshopping am Sonntag. Am Sonntag möchte Coop auch öffnen – nur dort kann der Lebensmittelhändler nicht mit dem Altstadt-Perimeter argumentieren. Am Sonntag dann liegt für Coop der Laden nämlich im Bahnhof-Perimeter.

Weshalb kommt es zu dieser Perimeter-Reiterei? Die Antwort hat mit Konkurrent Migros zu tun. Im November 2016 blitzte Migros mit ihrer Beschwerde beim Kanton St. Gallen definitiv ab und musste ihre sogenannte «Express-Filiale» auf der gegenüberliegenden Strassenseite am Sonntag schliessen. Die Altstadt von Rapperswil sei zwar ein Ausflugsort, die Filiale befriedige aber nicht spezifisch touristische Bedürfnisse. Migros hatte im jahrelangen Rechtsstreit stets damit argumentiert, ihre Filiale liege im Altstadt-Perimeter. Weil die Migros mit diesem Argument für den Sonntagsverkauf Schiffbruch erlitt, kann Coop also nicht auf dieses setzen.

Gewerkschaft verärgert

Das Glück für Coop: Anders als am Sonntag darf abends Personal bewilligungsfrei beschäftigt werden. Dagegen kann juristisch kaum vorgegangen werden. Denn Coop verkleinert abends auch die Verkaufsfläche auf 120 Quadratmeter und passt das Sortiment entsprechend an. Möglich machen dies fahrbare Warenregale. Damit erfülle Coop die behördlichen Auflagen, heisst es in einer Mitteilung. Auch das St. Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit bestätigt, dass Coop mit diesem Vorgehen die Regeln einhält und tatsächlich bis 22 Uhr öffnen darf.

Die Gewerkschaft Unia ist empört über die Pläne von Coop – auch wenn sie gegen die Öffnungszeiten kaum etwas unternehmen kann: «Das ganze soll wohl ein Türöffner für die Sonntagsarbeit sein», sagt die Unia Regioleiterin Anke Gähme auf Anfrage der Zürichsee-Zeitung. Aus Sicht der Unia sei der betriebswirtschaftliche Aufwand mit dem Umherschieben von Regalen «unnötig», man werde aber sehr genau darauf achten, dass Coop die Verkaufsfläche tatsächlich auch verkleinere.

Wie die Konkurrenz auf die Ankündigung von Coop reagiert ist noch unklar. Der Avec-Shop direkt im Bahnhofsgebäude hat heute bereits von 5 bis 22 Uhr geöffnet, könnte sich aber vorstellen, diese Öffnungszeiten auszudehnen – ob das St. Galler Gesetz das aber überhaupt zulässt ist mehr als fraglich. Migros als Konkurrent auf der anderen Strassenseite konnte am Montag noch keine Stellung dazu nehmen, ob man die Öffnungszeiten jenen von Coop anpassen möchte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.06.2018, 20:45 Uhr

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