Schmerikon

Seedorf will Hundeverbot einführen – Hündeler laufen Sturm

Der Gemeinderat erlässt ein Hundeverbot entlang des Aabachs bis zur Mündung. Damit sollen die Vögel im Aabachdelta geschützt werden. Hundehalter halten das Verbot für vollends unnötig und drohen mit zivilem Ungehorsam. Noch offen ist, ob Ranger dereinst das Verbot durchsetzen sollen.

Auf dem Schmerkner Aabachdamm sollen zukünftig Hunde verbannt werden, um die Natur zu schützen.

Auf dem Schmerkner Aabachdamm sollen zukünftig Hunde verbannt werden, um die Natur zu schützen. Bild: Patrick Gutenberg

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Ursprünglich wollte der Schmerkner Gemeinderat einen Steg und Badeinseln in der Bucht des Seedorfs bauen. Das Projekt, das dem Naturschutz dienen sollte, scheiterte aus fischereirechtlichen Gründen.

Stattdessen soll nun dank eines Hundeverbots auf dem Aabachdamm und der Aabachstrasse sowie auf den Kiesinseln die Natur geschützt werden. «Mit der Verfügung sollen nicht nur Vögel, sondern auch die übrige Fauna und Flora des national geschützten Flachmoors und den vorgelagerten Kiesinsel geschützt werden, die durch Hunde aufgescheucht werden.», erklärt Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident von Schmerikon (parteilos): Gerade von den Hunden gehe ein latentes Störungspotential aus. «Hunde haben einen Jagdtrieb, bellen, dringen in geschützte Bereiche ein und plündern Nester», führt Brunschwiler aus: Sie setzten schwimmend von der Nordseite zur Südseite über – selbst bei kalten Wassertemperaturen.

«Hunde haben einen Jagdtrieb, bellen, dringen in geschützte Bereiche ein und plündern Nester.»Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident von Schmerikon (parteilos)

Hintergrund des Hundeverbots: Der Gemeinderat kündigte an, im Herbst 2018 im Mündungsbereich des Aabachs zu baggern, um das Kies, das der Bach ins Delta schiebt, wegzubringen. Dies ist wesentlich, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten. Um baggern zu können, muss die Gemeinde ein Wasserbaugesuch einreichen, in dem auch verbindlich aufzuzeigen ist, wie der Schutz des national geschützten Flachmoors und der kommunal geschützten südlichen Kiesinseln eingefordert werden soll.

«Verbot ist eine Katastrophe»

«Der Gemeinderat will aufzeigen, mit welchen Massnahmen die Einwirkungen auf die unter Schutz stehenden Flächen südlich des Aabach sowie den Schilfgürtel nördlich des Aabachs wirkungsvoll reduziert werden können», schreibt die Gemeinde in einer Medienmitteilung. So verfügt nun der Gemeinderat das Hundeverbot – gestützt auf das kantonale Hundegesetz und das Polizeireglement der Gemeinde Schmerikon.

Bei den Hundehaltern läuten derweil die Alarmglocken: «Das Hundeverbot ist eine Schweinerei», sagt Hansruedi Hegi, Präsident des Vereins Hundesport Linth Schmerikon. Der Gemeinderat habe in keiner Weise das Gespräch mit ihnen gesucht. Dementsprechend fühlen sich die Hundehalter diskriminiert und sehen sich als Bauernopfer, weil der Entscheid über ihren Kopf hinweg entschieden wurde. Hegi spricht denn von einer regelrechten Katastrophe, die das Hundeverbot auslöst: «Der Naturschutz wird über die Interessen der Menschen gestellt.» Abgesehen davon gebe es schon ausreichend genügend andere Naturschutzgebiete in der Umgebung. «Zudem stellten die Hunde nie ein Problem für die Spaziergänger dar», betont Hegi.

Hunde machen Angst

Dies sieht Brunschwiler ganz anders: Der Aabachdamm werde ganz offensichtlich von Hundehaltern aus dem ganzen Linthgebiet, insbesondere auch aus dem Kanton Schwyz, der eine generelle Leinenpflicht kennt, äusserst intensiv begangen. «Dies in einem Umfang, dass zuweilen nur Besucher mit Hunden dort unterwegs sind», konstatiert Brunschwiler. Dieses Phänomen könne nicht alleine damit begründet werden, dass Hundehalter bei jeder Witterung ins Freie gehen. Vielmehr dürfte es auch auf den Verdruss von Nichthundehaltern zurückzuführen sein, sich der Begegnung mit unzähligen freilaufenden Hunden zu stellen. «Der Gemeinderat ist der Überzeugung, dass die Nichthundehalter es mehrheitlich begrüssen, zukünftig unbehelligt von freilaufenden Hunden diesen Bereich begehen zu können», sagt Brunschwiler. Im übrigen seien zwar bei der Gemeinde einige emotionale Reaktionen eingegangen, «aber kein Ersuchen um den Empfang einer Delegation.»

«Das Hundeverbot ist eine Schweinerei.»Hansruedi Hegi, Präsident des Vereins Hundesport Linth Schmerikon

Hansruedi Hegi hat bereits angekündigt, man wolle sich – in einem Akt des zivilen Ungehorsams – nicht an das Verbot halten und trotzdem mit den Hunden das Gebiet betreten. Wie schliesslich das Hundeverbot durchgesetzt werden soll, ist derzeit noch offen: Der Schmerkner Gemeinderat prüft den Einsatz eines Rangerdienst, der auf dem Damm patrouillieren soll und vom Kanton finanziert werden könnte.

Kein Grundrecht für Hündeler

Brunschwiler zeigt sich derweil nicht überrascht vom Widerstand der Hündeler: «Allerdings finde ich es doch erstaunlich, dass Hundehalter es als ihr Grundrecht erachten, sich mit ihren Tieren überall ausbreiten zu können.» Dabei gebe es in Schmerikon und in umliegenden Gemeinden fast unbeschränkt Wege und Grünflächen, auf denen mit Hunden spaziert werden könne – weite Strecken hiervon ohne Leinenpflicht. So sei auch der Linthdamm bis zum See weiterhin unbeschränkt offen.

Die Hundehalter können einen Rekurs beim Gesundheitsdepartement einreichen, um den Erlass der Verfügung zu verhindern. Bedingung hierfür ist das Vorliegen eines schutzwürdigen Interesses. Zu klären wird sein, ob das Gesundheitsdepartement das schutzwürdige Interesse anerkennt und materiell auf den Rekurs eintritt. Bei Eintreten wäre dann zu prüfen, welche Voraussetzungen an die Begründung für den Erlass eines Verbotes gestellt werden.

Gegen die Verfügung kann bis zum 13. Dezember Rekurs beim Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen erhoben werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.11.2017, 13:49 Uhr

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