Obersee

Schwindendes Interesse am Lehrerberuf ist am Obersee spürbar

Trotz höherem Einstiegslohn für St. Galler Primarlehrer und Kindergärtnerinnen sind die Unterschiede zum Kanton Zürich immer noch markant. In Rapperswil-Jona nahm die Zahl der Bewerbungen in den letzten Jahren ab.

Im Kanton St. Gallen hat die Zahl Bewerbungen für Lehrerstellen abgenommen.

Im Kanton St. Gallen hat die Zahl Bewerbungen für Lehrerstellen abgenommen. Bild: Symbolbild/Keystone

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80 830 Franken beträgt neu der Einstiegslohn für eine Primarlehrperson ab dem kommenden Schuljahr. Wer hingegen im letzten Sommer in den Schuldienst eintrat, verdient im ersten Jahr 73 869 Franken.

Mit der Erhöhung will die Regierung einem drohenden Lehrermangel vorbeugen. Prekär ist die Lage laut Regierungsrat Stefan Kölliker im Kanton derzeit deshalb, weil sich eine Pensionierungswelle abzeichnet. Viele Stellen gelte es neu zu besetzen.

Zugleich winken aber massiv höhere Löhne in anderen Kantonen, so etwa in den Kantonen Thurgau und Zürich. Laut Kölliker haben die beiden Kantone in den letzten drei, vier Jahren ihre Löhne nach oben angehoben. «Wir müssen nachziehen», sagt Kölliker. Eine Abwanderung von Lehrkräften aus dem Kanton Thurgau nach Zürich sei bereits zu beobachten gewesen. «Damit es in St. Gallen nicht zum Lehrermangel kommt, müssen wir jetzt reagieren.»

Wegen Lohn abgesagt

Dass der Kanton St. Gallen für Lehrkräfte aufgrund eines tieferen Lohns etwas weniger attraktiv ist, hat der Schulpräsident von Rapperswil-Jona, Thomas Rüegg, schon konkret zu spüren bekommen. «Eine Bewerberin hat uns schliesslich abgesagt und explizit den massiv höheren Lohn im Kanton Zürich als Grund genannt», sagt Rüegg. Überhaupt hat er in den letzten Jahren festgestellt, dass das Interesse an ausgeschriebenen Stellen zurückgegangen ist. Habe es vor ein paar Jahren noch bis zu 50 Bewerbungen pro Ausschreibung für eine Stelle auf der Kindergartenstufe gegeben, so seien es in den letzten beiden Jahren noch jeweils fünf bis zehn gewesen. Auf eine Primarlehrstelle bewerben sich in Rapperswil-Jona noch zwischen zehn und zwanzig Kandidaten – früher waren es jeweils 30 bis 50.

Laut Rüegg wirken sich zudem unterschiedliche Pensionskassenregelungen verschärfend auf die unterschiedlichen Lohnniveaus aus.

Unterschiede bleiben

Mit dem Beschluss zur Lohner­höhung könnte sich der Sog aus den anderen Kantonen nun etwas ­abschwächen. Noch immer sind allerdings die Lohnunterschiede zwischen den Kantonen Zürich und St. Gallen beträchtlich: Während eine Primarlehrkraft im Kanton St. Gallen neuerdings in den ersten drei Jahren – Klassenlehrerzulage eingerechnet – 80 830 Franken verdient, verdient eine Lehrperson im Kanton Zürich im dritten Berufsjahr in der Regel gut 96 000 Franken.

St. Galler Kindergartenlehrpersonen fangen mit der Änderung per Schuljahr 2016/2017 neu in der Regel mit einem Bruttojahreslohn von 70 200 Franken an. Zwar haben die Kindergärtnerinnen gemäss Tabelle bei einem Vollpensum denselben Lohn wie Primarlehrpersonen, in der Praxis arbeiten sie aber aufgrund einer geringeren Lektionenzahl normalerweise nur rund 89 Prozent.

Die neuen Einstiegslöhne entsprechen der bisherigen Lohnklasse 3, die künftig in den ersten drei Berufsjahren gilt. Gemäss Bildungsdepartement sollen auch jene Lehrkräfte in die Lohnklasse 3 umgeteilt werden, die sich aktuell in Lohnklasse 1 befinden.

Moderate finanzielle Folgen

Die Schulgemeinden, welche im Kanton die Lehrerlöhne übernehmen, unterstützen gemäss Mitteilung der Regierung die Massnahme. Sie dürfte sich nur moderat auf die Budgets auswirken, da für die jungen Lehrkräfte – trotz Lohnerhöhung – wesentlich tiefere Kosten resultieren als für die älteren Lehrerinnen und Lehrer, die bald pensioniert werden.

Eine generelle strukturelle Lohnanpassung ist hingegen für die St. Galler Regierung kein Thema. Dafür wäre eine Gesetzes­änderung notwendig. Eine solche Vorlage sei zurzeit aber nicht angezeigt.

Erstellt: 04.02.2016, 08:30 Uhr

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