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Schweinemäster sieht sich als Opfer der Behörden

Der Schweinemäster aus dem Linthgebiet nutzte den Berufungsprozess zu einem Rundumschlag. Er behauptet, die Behörden hätten ihm verletzte Tiere überlassen. Seine Ställe hätten alle den besten Standards entsprochen. Aber die Behörden hätten ihm die Vignetten nie gegeben.

«Die Kantonstierärzte haben mir bewusst kranke und verletzte Tiere zugeschoben, aus der ganzen Schweiz. Das war so abgemacht», meinte der angeklagte Schweinemäster.
«Die Kantonstierärzte haben mir bewusst kranke und verletzte Tiere zugeschoben, aus der ganzen Schweiz. Das war so abgemacht», meinte der angeklagte Schweinemäster.
Symbolbild, Keystone

Am Ende entschuldigte sich der angeklagte Schweinemäster für sein emotionales Schlusswort. Zuvor hatte der 49-Jährige für die spannenderen Momente am Berufungsprozess gesorgt. Mit dem Staatsanwalt hatte er Erbarmen, weil dieser keine Ahnung von der Materie habe. So sei immer von sieben Ställen die Rede, dabei gehörten ihm noch viele mehr. Dann warf der Beschuldigte dem Staatsvertreter gar vor, zu lügen.

Schuld daran, dass er vor Gericht stehe, seien letztlich die Behörden. «Die Kantonstierärzte haben mir bewusst kranke und verletzte Tiere zugeschoben, aus der ganzen Schweiz. Das war so abgemacht», meinte er. Einmal habe er Hunderte Schweine ohne Schwanz erhalten. Nur deshalb hätten die Schlachthöfe immer wieder verletzte Tiere in seinen Lieferungen gefunden. Hintergrund sei die Lungenerkrankung EP. Um eine Epidemie zu verhindern, habe man die kranken Tiere nur an ausgewählte Mäster geschickt. Alles sei immer sehr schnell gegangen. In Deutschland seien Hunderte Schweine getötet worden, die Schweiz habe auf diese Weise die Epidemie überstanden. «Das ist schon hart, dass ich jetzt hier für die ganze Branche vor Gericht stehe», sagte der Schweinemäster aus dem Linthgebiet. Heute würde er das nicht mehr tun, nicht mehr der «Abfallkübel der Schweiz» sein, so der Beschuldigte.

Ställe erfüllten Kriterien

Die Hauptvorwürfe des gewerbsmässigen Betruges und der Urkundenfälschung in Zusammenhang mit dem Qualitätslabel QM wies er zurück. Alle seine Ställe hätten den QM-Standards entsprochen. Wieso denn nur drei über das Label verfügten, fragte der Vorsitzende. Wieder waren die Behörden schuld: «Die Ställe wurden kontrolliert und haben die Kriterien erfüllt. Aber wir haben keine Vignetten erhalten». Es sei nicht wahr, dass er QM-Vignetten für konventionell gehaltene Schweine nutzte.

Ebenfalls vor Gericht stand ein Mitarbeiter des Schweinemästers. Er habe getan, was der Chef gesagt habe, sagte er gestern. Dazu gehörte auch das Vorunterschreiben von QM-Vignetten. Er habe damals zwar Bedenken gehabt, auch weil er vorbestraft war. Doch da die Aufträge vom Chef kamen, habe er gedacht, nichts Falsches zu machen. Der Staatsanwalt forderte erneut dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für den Schweinemäster. «Exorbitant» nannte das dessen Verteidiger. Dieter Behring sei für einen Schaden von 80 Millionen Franken nur zu viereinhalb Jahren verurteilt worden. Den Schaden in diesem Fall beziffert der Staatsanwalt mit vier Millionen Franken. Der Mitarbeiter soll nach dem Willen des Staatsanwalts mit einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr davonkommen.

Zu wenig Richter

Die beiden Verteidiger forderten in erster Linie eine Rückweisung an das Kreisgericht See-Gaster. Grund ist, dass der Fall von einem Dreiergremium beurteilt wurde und nicht von fünf Richtern. Das Gesetz sage aber, dass ein Fall, bei dem ein höheres Strafmass als fünf Jahre Gefängnis möglich ist, von fünf Richtern beurteilt werden müsse, so der Verteidiger des Mitarbeiters. Das ist beim gewerbsmässigen Betrug der Fall. Die Uzner Richter hatten den Antrag dennoch zurückgewiesen. Beide Verteidiger plädierten ansonsten für Freisprüche. In Uznach hatten sie bereits deutlich tiefere Strafen erreicht als gefordert. Das Urteil wurde gestern noch nicht gefällt und wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.

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