Natur

Schon jetzt reizen Haselpollen die Allergiker

Die milden Temperaturen der letzten Wochen haben die Haselblüte vorangetrieben. Dass sich die Blütenkätzchen der Haseln immer früher entwickeln, entspricht einem Trend: In den letzten 35 Jahren hat sich der Beginn der Haselblüte um ganze 20 Tage nach vorne verschoben.

Frühstarter: Die Hasel blüht heuer bereits im Januar, rund vier bis fünf Wochen früher als gewöhnlich.

Frühstarter: Die Hasel blüht heuer bereits im Januar, rund vier bis fünf Wochen früher als gewöhnlich. Bild: Sabine Rock

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Wenn die Augen jucken und die Nase tropft, hat der Frühling begonnen. Der Frühling? Ja, richtig: Aus allergietechnischer Sicht ist die wonnebringende Jahreszeit bereits angebrochen, denn vielerorts stehen die Haselsträucher bereits in Blüte. Die Folge: Allergiker werden von den Haselpollen überrascht. Normalerweise beginnt die zu den Birkengewächsen gehörende Pflanze erst Mitte bis Ende Februar zu blühen.

Noch keine Pollenmessungen

Die Haselsträucher hätten von den milden Temperaturen der letzten zwei Wochen profitiert, schreibt Meteo Schweiz auf ihrem Blog. «Die zeitlichen Unterschiede bei der Haselblüte sind jedoch sehr gross», erklärt Klimatologin Regula Gehrig. Das heisst: Während an einer sonnigen Stelle am oberen Zürichsee bereits Haselsträucher in Blüte stehen, findet man an einem schattigen Hang in Thalwil noch kaum ein «Haselbüseli». Der Grund: Das Mikroklima hat einen grossen Einfluss auf die Haselblüte.

Dass der Haselblühbeginn im Januar sehr früh ist, zeigt auch die reguläre Pollenprognose: Diese startet bei Meteo Schweiz erst Ende Januar, auf der Applikation der Stiftung «aha! Allergiezentrum Schweiz» heisst es ebenfalls: «Keine Pollenmessungen für den Moment». Die Messungen würden erst während der Vegetationszeit durchgeführt. Normalerweise die erste Adresse für Allergiker, scheint selbst «aha!» in diesem Jahr vom verfrühten Blühbeginn der Hasel überrascht worden zu sein.

Auch Hausarztpraxen und Apotheken im Linthgebiet berichten bereits von Patienten, die über Heuschnupfen klagen. Philippe Stoffel von der gleichnamigen Apotheke in Rapperswil-Jona sagt, es hätten in diesen Tagen schon einige Kunden nach Medikamenten gegen Heuschnupfen verlangt. «Tendenziell beginnt die Allergiesaison immer früher», ist der Apotheker überzeugt. «Noch vor einigen Jahren fragten Kunden im Januar kaum nach Antihistamin.» Auch die Hausarztpraxis von Marco Lendi in Rapperswil-Jona bestätigt, dass Patienten bereits über Heuschnupfensymptome geklagt hätten.

Komplexe Datenerhebung

Sepp Kühne ist Förster und zuständig für das Gebiet um Murg, Quinten und Flums-Kleinberg. Kühne stellt aber auch seit über 30 Jahren phänologische Beobachtungen für Meteo Schweiz an; das heisst, er notiert periodisch sogenannt wiederkehrende Entwicklungserscheinungen in der Natur. Kühne ist nicht der Einzige, der für Meteo Schweiz Pflanzen studiert: Ein sogenanntes phänologisches Beobachtungsnetz stellt sicher, dass in allen Regionen der Schweiz Daten erhoben werden.

Kühne beobachtet neben Haseln unter anderem Edelkastanien, Buchen, Vogelbeeren und Holunder sowie diverse Obstbäume. Der erfahrene Förster erhebt aber auch Daten zu Blumen und Gräsern wie Huflattich, Buschwindröschen und Knaulgras. Je nach Pflanze beobachtet Sepp Kühne unterschiedliche Entwicklungserscheinungen. Bei der Edelkastanie beispielsweise könne er alle sechs Stadien ausmachen, nämlich: Entfaltung, Beginn der Blüte, Vollblüte, Fruchtreife, Verfärbung der Blätter und Blattfall. «Ich erfasse diese Zustände jeweils auf einer Skala von eins bis sechs.» Die betreffenden Pflanzen kontrolliert Kühne bei seiner täglichen Arbeit im Wald.

Früh, aber kein Spitzenjahr

Im Gebiet am Walensee blüht die Hasel seit dem 10. Januar. Normalerweise beginnt die Blüte erst vier bis fünf Wochen später, also Mitte bis Ende Februar. In Blüte steht die Pflanze, wenn die «Kätzchen» rund sechs bis acht Zentimeter lang und weich sind. Ist der Blütenstand erst drei oder vier Zentimeter lang und beim Anfassen noch hart, blühten die Pflanzen noch nicht, erklärt Regula Gehrig.

Sepp Kühne sagt, die Haselblüte sei heuer zwar früh, aber 2018 ist für ihn «kein absolutes Spitzenjahr». Vor zwei Jahren beobachtete er, dass die Hasel bereits am 29. Dezember zu blühen begann. «Dies war der früheste Blühbeginn seit 1988», resümiert Kühne. Am spätesten startete die Hasel im Jahr 2006. Damals begann die allergene Pflanze erst am 10. April, ihre Blütenkätzchen zu entwickeln.

«Die Hasel blüht heute öfters als früher bereits im Januar », resümiert Kühne. In den Jahren 1952 bis 1990 habe die Haselblüte nie vor Mitte Februar begonnen. Es komme halt auf die Witterung an, sagt der Förster. Meteo Schweiz bestätigt Kühnes Beobachtungen. «Wir stellen eine Verfrühung des Haselblühbeginns und damit auch des Beginns der Haselpollensaison fest», sagt Regula Gehrig von Meteo Schweiz. Im Zeitraum von 1982 bis 2016 habe sich der Beginn der Haselpollensaison um 20 Tage verfrüht. Diese Aussage stützt sich auf Daten der Pollenmessstationen Basel, Zürich und Neuenburg. «Der frühere Blühbeginn der Hasel hängt mit der Zunahme der Wintertemperaturen im selben Zeitraum zusammen», erklärt Gehrig. «Je höher die Temperatur ist, umso schneller entwickeln sich die Blütenkätzchen der Hasel und umso früher blühen sie.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.01.2018, 08:09 Uhr

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