Rapperswil-Jona

Rasantes Wahlpodium heizt Stimmung an

In einem zum Bersten vollen Rittersaal diskutierten die drei parteilosen Herausforderer mit dem amtierenden Stadtpräsidenten Erich Zoller (CVP) über Verkehr, die Kesb und die Zukunft der Stadt. Organisiert hatten das öffentliche Podium im Schloss die «Zürichsee-Zeitung» und die «Südostschweiz».

Vier Kandidaten für das Stadtpräsidium von Rapperswil-Jona. Von links: Stefan Ritz (parteilos), Erich Zoller (CVP, bisher), Bruno Hug (parteilos) und Felix Hof (parteilos). In der Mitte ZSZ-Redaktionsleiter Conradin Knabenhans.

Vier Kandidaten für das Stadtpräsidium von Rapperswil-Jona. Von links: Stefan Ritz (parteilos), Erich Zoller (CVP, bisher), Bruno Hug (parteilos) und Felix Hof (parteilos). In der Mitte ZSZ-Redaktionsleiter Conradin Knabenhans. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie kann das Vertrauen in die Kesb wiederhergestellt werden? Dies war eine der zentralen Fragen des Wahlpodiums im Rittersaal, durch das Conradin Knabenhans («Zürichsee-Zeitung») und Pascal Büsser («Südostschweiz») führten.

«Kann eine 300-seitige Klage gegen eine Gratiszeitung das Vertrauen in die Kesb wiederherstellen, Herr Zoller?», fragte Knabenhans zu Beginn der Diskussion. Zoller sagte, er sei überzeugt, dass die Klage der Stadt gegen die «Obersee-Nachrichten» zumindest offenlege, welche Art der Berichterstattung die Gratiszeitung pflege, und so indirekt die Rolle der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden stärke.

Dauerbrenner Kesb

Ganz anders beantwortete der Verleger der «Obersee-Nachrichten», Bruno Hug, die Frage: Er würde als Stadtpräsident die Klage sofort zurückziehen, was im Saal zu grossem Gelächter führte. «Ich würde dem Kesb-Präsidenten Walter Grob auf die Finger schauen.» Eine Aussage, die dem Publikum Applaus entlockte. Hug schob nach, er könne als Stadtpräsident schliesslich nicht jeden entlassen, «das geht einfach nicht». Dieser Nachschub erzeugte erneut Gelächter.

Auch Felix Hof stellte eine «Vertrauenserschütterung» bei der Kesb fest. Es seien fragwürdige Personalentscheide gefällt worden. «Die Kesb ist heute ein Fehlkonstrukt», resümierte der zackig bis aggressiv auftretende ehemalige Leiter des Regionalen Beratungszentrums Rapperswil-Jona. «Es braucht dringend fachlich kompetentes Controlling.» Stefan Ritz sagte schlicht: «Als Kinder- und Jugendarbeiter habe ich kein gutes Gefühl, wenn ich mich an diese Behörde wende.» Es müsse nach aussen sichtbar sein, dass die Behörde unabhängig sei. Die Frage von Conradin Knabenhans, ob er ein neues Trägerschaftsmodell ins Spiel gebracht habe, um der Behörde nicht mehr direkt vorzustehen und so das Problem zu lösen, sorgte bei Erich Zoller sichtlich für Ärger. Die Kesb sei bereits heute nicht ihm, sondern dem Stadtrat unterstellt, konterte der Konsenspolitiker. Und fügte an: «Die Frage der Unabhängigkeit wird nicht mit der Trägerschaft gelöst.» Zudem sei die Eigenständigkeit der Kesb genau gleich gross wie jene der früheren Vormundschaftsbehörde.

Bruno Hug, der immer wieder mit flapsigen Sprüchen zu punkten versuchte, lenkte die Diskussion auf die praktische Ausgestaltung der Behörde: «Die Kesb sollen selbstbestimmend agieren können, das hat auch die vom Kanton in Auftrag gegebene Untersuchung gezeigt.» Doch die Evaluation sei von Erich Zoller begleitet worden und deshalb am Ende weder unabhängig noch neutral. «Da müsst ihr euch verbessern!», schloss Hug und erntete Applaus.

Ob es denn legitim sei, als unabhängiger Journalist Privatpersonen finanziell zu unterstützen, die mit der Kesb im Clinch liegen, wollte Conradin Knabenhans noch wissen. Hug antwortete, er greife damit nicht in die Berichterstattung ein, sondern versuche lediglich, notleidenden Menschen zu helfen.

Wer ist für welchen Tunnel?

Doch nicht nur über den Dauerbrenner Kesb wurde gestern debattiert, sondern auch über die prekäre Verkehrslage in der Stadt. Die souverän durch das Podium führenden Moderatoren fragten alle Kandidaten, ob sie für einen Tunnel seien oder nicht. Stefan Ritz, der zwischen 2004 und 2006 für die UGS im Joner Gemeinderat sass, fragte: «Bauen wir den Tunnel für Auswärtige oder für uns?» Damit wollte er deutlich machen, dass er den Tunnel Mitte favorisiere, den er auch «Transit-Tunnel» nannte. Felix Hof sagte, er würde sich nicht «nur auf den Tunnel fixieren». Das Verkehrsproblem sei hausgemacht und er gratuliere allen Zuhörern, die per Velo angereist seien. Langfristig ist Hof ebenfalls für den Tunnel Mitte. «Wir müssen die Leute möglichst rasch durchs Zentrum lotsen.»

Bruno Hug, der sonst kaum um eine Antwort verlegen war, reagierte in der für Rapperswil-Jona wichtigen Tunnel-Frage überraschend unsicher. Er sei früher für den Tunnel Mittel gewesen. Als Tiefbauingenieur habe er das Projekt genau studiert. Doch das Regierungsvakuum zwischen Beni Würth und Erich Zoller habe das Projekt gebremst. «Und dann hat der Stadtrat fünf Jahre lang an Varianten herumstudiert.» Erich Zoller liess diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen und leitete seine Antwort mit «Jetzt muss ich gleich nochmals fünf Jahre lang studieren» ein. Die Ausarbeitung der verschiedenen Varianten habe nur zweieinhalb Jahre gedauert und nicht fünf, wie Bruno Hug es behaupte. «Welche Variante die sinnvollste ist, entscheide ich, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen.» Will heissen: wenn die Machbarkeitsstudien abgeschlossen sind. «Bevor die Abklärungen nicht sauber durchgeführt sind, ist es nicht seriös, eine Aussage zu machen», fasste Zoller seine Antwort zusammen.

Für einige Lacher sorgte die von Stefan Ritz skizzierte Idee, bei Nacht den Seedamm zu sperren. «Ich sage nicht, wir müssen das machen, aber es braucht kreative Ideen», konterte Ritz, der phasenweise etwas gar idealistisch wirkte.

Nach eineinhalb Stunden öffneten die Moderatoren das Podium für Fragen aus dem Publikum, und in der Folge wurde der latent spürbare Graben zwischen Bevölkerung und Stadtrat spürbar. Eine Bemerkung aus dem Publikum galt der bereits vielfach kritisierten Kommunikation des Gremiums. Sie konstatiere eine «Führungsschwäche sondergleichen», sagte eine Frau in der ersten Reihe und forderte «eine Verbesserung in dieser Sache». Erich Zoller konterte, man habe bereits eine Stelle mit einer Kommunikationsverantwortlichen besetzt.

Rasant und unterhaltsam

Die Podiumsdiskussion war nichts für langsame Denker. Die rund 300 Zuhörer lauschten gespannt dem hochkarätigen Schlagabtausch. Und dieser kam nicht nur zustande, weil Bruno Hug und Erich Zoller bekanntermassen miteinander auf Kriegsfuss stehen. Auch der zu Beginn noch sanft wirkende Felix Hof trat bestimmt und sehr selbstbewusst auf. Beim jüngsten Kandidaten unter den drei Parteilosen, Stefan Ritz, war bisweilen spürbar, dass er länger nicht mehr in der Stadt tätig war.

Am Ende der Podiumsdiskussion zerbrach Bruno Hug sein Wasserglas. «Scherben bringen Glück», scherzte er. «Die Frage ist nur, wem», konterte Conradin Knabenhans. Das Publikum lachte. Die allerletzte Frage des Abends war jedoch nicht an das Orakel von Delphi gerichtet, sondern an die vier Kandidaten fürs Stadtpräsidium. Diese sollten einschätzen, wie viele Prozent der Stimmen sie bei der Wahl am 25. September wohl holen werden. Der Bisherige Erich Zoller schätzte seinen Stimmenanteil auf 52 Prozent, Stefan Ritz auf stolze 60 und Bruno Hug auf 48 Prozent.

Der Psychologe Felix Hof wurde von den Podiumsleitern zuletzt gefragt. Er wollte sich mit der Antwort «Ich bleibe bescheiden und überlasse das den Wählerinnen und Wählern» aus der Affäre ziehen, was die beiden Moderatoren nicht gelten liessen. Zu einer Antwort gedrängt, schätzte Hof den Anteil Stimmen, den er auf sich vereinen werde, auf 49 Prozent, also «mehr als Bruno Hug», wie Knabenhans resümierte. Wer sich selbst und die politische Lage am besten einschätzen kann, wird der 25. September zeigen. Nur das Orakel von Delphi kennt wohl bereits die Antwort.

Erstellt: 06.09.2016, 07:59 Uhr

Artikel zum Thema

Tunnel, Kesb und Führungsfehler – das war das ZSZ-Podium

Rapperswil-Jona Heute Abend sind die vier Kandidaten für das Amt des Stadtpräsidenten von Rapperswil-Jona im Rittersaal erstmals aufeinander getroffen. Alles dazu im Live-Ticker. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!