Rapperswil-Jona

Eine Stadt steht Kopf

Nach dem Aufstieg der SC Rapperswil-Jona Lakers gibt es in der Rosenstadt kein Halten mehr. Egal ob im Stadion, auf dem Hauptplatz oder zuhause auf dem Sofa, die Fans feiern ihre Mannschaft.

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In einem nervenaufreibenden siebten Spiel haben sich die SC Rapperswil-Jona Lakers am Mittwochabend den Wiederaufstieg in die höchste Schweizer Eishockeyliga gesichert. Klar, dass es bei den nach Kloten mitgereisten Lakers-Fans nach dem entscheidenden Treffer von Jan Mosimann zum 1:2-Endstand kein Halten mehr gab. «Das war Ekstase pur», fasst es etwa eine Matchbesucherin zusammen. «Geil und laut», meint ein anderer. Mannschaft wie Fans mussten sich die Rückkehr in die Nationalliga A jedoch hart verdienen.

Das Siegestor der Lakers im Video.

Nach einem guten Startdrittel der Rosenstädter drückte der EHC Kloten mehr und mehr auf den Ausgleich, welcher in der 50. Minute denn auch Tatsache wurde. Für den Rapperswil-Joner Stadtpräsidenten Martin Stöck­ling (FDP), der mit Sohn und Nichte in den Schluefweg gereist war, ein Schock: «Der Junior war am Boden zerstört.» Nachdem die SCRJ Lakers in Kloten bereits zweimal in der Verlängerung gescheitert waren, hätten sie nicht mehr so richtig an den Sieg glauben mögen, erzählt ein stimmlich angeschlagener Stapi. Umso grösser sei dafür die Freude beim Siegestreffer gewesen. «Diesen Moment werden wir ein Leben lang nicht vergessen.»

ZSZ-Leserin Sandy Bürki hat den magischen Moment auf dem Hauptplatz festgehalten.

Unvergesslich bleibt der Hockeyabend auch für Sandy Bürki und ihre drei Söhne. Während Mama Sandy mit den zwei jüngeren bei den Nachbarn vor dem Fernseher sass, half der 14-jährige Gian gemeinsam mit seinen Teamkollegen aus dem Lakers-Nachwuchs in der Supporterbar aus, wo zahlreiche Fans ihr Team aus der Ferne unterstützten. «Die Jungs surften während der ganzen Saison auf der Erfolgswelle ihrer grossen Vorbilder mit.» Umso stolzer seien sie, dass ausgerechnet Cyrill Geyer in der nächsten Saison ihr Trainer sein wird, erzählt Bürki. Für Geyer war das Spiel vom Mittwoch sein letztes als Aktiver. Der Verteidiger beendet seine Profikarriere, bleibt den Lakers als Stufenleiter der Minis aber weiterhin treu.

«Ich habe Freudentränchen verdrückt»

Nach ihrem Triumph liessen es sich Cyrill Geyer und seine Teamkameraden nicht nehmen, sich auf dem Hauptplatz von ihren Fans feiern zu lassen und ihnen ihrerseits für den treuen Support zu danken. Mitten ins friedliche Getümmel stürzte sich auch der Stapi. «Ich habe eigentlich erst dort so richtig realisiert, was geschehen ist.»

Der Hauptplatz in Rapperswil bebt. Tausende SCRJ-Fans empfangen ihre Aufstiegs-Helden am frühen Donnerstagmorgen. Video: Manuela Matt.

Auch Sandy Bürki hielt es nicht zu Hause aus. Ohne Kinder, dafür mit den Nachbarn tauchte sie ins rote Fanmeer ein. «Wir sind alle auf und ab gesprungen, haben gesungen – es war fantastisch.» Nun hofft die selbst ernannte Hockeymama, dass die Mannschaft auf dem Boden bleibt. «Wir sind eine kleine Stadt. Wir brauchen keine Superstars.» Viel wichtiger sei, dass die Mannschaft ihren starken Teamgeist bewahre. Ein Wunsch, dem auch Radiomoderator Istvan Nagy beipflichtet. Als Reporter, Nachwuchsschiedsrichter und grosser Fan hat er die Hochs und Tiefs des Vereins hautnah miterlebt. Auch am Mittwochabend berichtete Nagy für die Zuhörer von Radio Sunshine live aus Kloten. Er sei wohl der absolut aufgeregteste Mensch in der ganzen Halle gewesen, berichtet er. «Wären die Spieler nur halb so nervös wie ich gewesen, dann hätten sie kein Bein vor das andere gebracht.» Entsprechend gross sei die Erleichterung nach dem Siegestreffer gewesen. «Ich hab sogar ein paar Freudentränchen verdrückt.»

Nagy macht drei wichtige Bausteine des Erfolgs aus: Zum einen seien dies die Wechsel in der Führungsetage der Lakers, zu welchen es nach dem Abstieg 2015 gekommen war. Zum anderen sei es Trainer Jeff Tomlinson gelungen, ein echtes Team zu formen. «Nicht ohne Grund sagen die Spieler selber, sie hätten noch nie in einer solch geilen Mannschaft gespielt.» Und zu guter Letzt habe man mit Melvin Nyffeler eine echte Lebensversicherung im Tor.

Ebendieser Nyffeler ist auch für jene Szene verantwortlich, die Nagy wohl noch in vielen Jahren zum Besten geben wird. So ergriff der Torhüter auf dem Hauptplatz vor der jubelnden Fanmenge die Gelegenheit, seinen Teamkollegen Cyrill Geyer für dessen Verdienste zu ehren. «Ich will, dass dein Leibchen in Zukunft immer über mir schwebt.» Die Menge tobte. Geyers Nummer 6 wird wohl künftig nicht mehr vergeben.

«Ich habe aus dem Fenster geschrien»

Gross ist die Freude auch beim ehemaligen Lakers-Präsidenten Bruno Hug, der das Spiel zu seinem Bedauern nur via Live-Ticker verfolgen konnte. Als Jan Mosimann das entscheidende Tor gelang, sei er aufgesprungen und habe aus dem Fenster geschrien, erzählt er. «Am Morgen nach dem Sieg habe ich dann den Verantwortlichen zum Triumph gratuliert. Vom Management über das Team bis zum Trainer haben alle einen hervorragenden Job gemacht.»

Unter der Leitung Hugs gelang dem SCRJ in der Saison 1993/94 letztmals der Aufstieg in die Nationalliga A. Ganze 21 Jahre konnte sich der Club danach in der höchsten Schweizer Eishockeyliga halten. Der ehemalige Verleger weiss also, was es braucht, damit die Lakers in der kommenden Saison mit den übrigen NLA-Clubs mithalten können. «Ruhe, Fachwissen und Geld. Das ist das Wichtigste.» Der Club sei nun angewiesen auf Sponsoren, die die grosse Eishockey-Bewegung finanziell mitzutragen vermögen. «Um in der NLA mitzuhalten, brauchen die SCRJ Lakers mindestens zwei, drei wichtige Schlüsselspieler, die einen Match entscheiden können.» Nach seinen Einschätzungen seien heute leider Jahresbudgets von gegen 15 Millionen erforderlich, um in der NLA auf Dauer mitreden zu können. Und das sei eben sehr viel. Dennoch ist Hug guten Mutes, dass sich die Lakers in der NLA behaupten können.

Noch ist das aber alles in weiter Ferne. Erst einmal will der Erfolg voll ausgekostet werden. Am Freitagabend wird die Mannschaft kurz vor 21 Uhr am Joner Frühlingsfest empfangen. Ein weiteres Mal dürfte die Stadt dann kopfstehen.

Diese Nacht bleibt Rapperswil-Jona noch lange in Erinnerung. Video: Istvan Nagy.

Und die Reaktion der Lakers-Fans in der Supporter-Bar:

Video: Sandy Bürki

Video: Sandra Mäder

Auch in den sozialen Netzwerken wird der Sieg ausgiebig gefeiert - sogar vom Stadtrat.

We are back and the city is on fire ????••• ???????? ????????

Ein Beitrag geteilt von Luana Mi. (@la_luana_m) am

Rapperswil brennt#scrj_lakers_1945#aufstiegsfeier#zruggisoberhuus#einestadteinverein#

Ein Beitrag geteilt von Sebi De Paola (@sebi_official_site) am

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.04.2018, 18:35 Uhr

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