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Rapperswil-Jona hat jetzt auch einen Cannabis-Kurier

Der Geschmack ist gleich, die Wirkung aber anders. In der Rosenstadt gibt es neuerdings legales Cannabis zu kaufen. Die Schwierigkeit für die Polizei: Legales Hanf ist von illegalem optisch nicht zu unterscheiden.

Das Ritual bleibt das gleiche, die Wirkung ist anders: Ein legaler Joint wirkt nicht berauschend.
Das Ritual bleibt das gleiche, die Wirkung ist anders: Ein legaler Joint wirkt nicht berauschend.
Keystone

Treuepunkte zu sammeln ist schon lange zum Volkssport geworden. Im Supermarkt sammeln die Kunden ein paar Punkte für Rabatte, beim Kiosk Stempel für einen kostenlosen Kaffee. Die Kunden von Gjohan Amzoski sammeln ebenfalls. Cannabis-Punkte quasi: «Ab einem Einkauf von 50 Gramm CBD Cannabis Blüten erhältst du eine 2.4 Gramm Portion nach Wahl».

Der Geschäftsinhaber der Kleiderboutique Kingz an der Merkurstrasse verkauft neuerdings legales Cannabis. Auch dieses kann man rauchen. Anders als das illegale Kraut hat CBD Cannabis keine berauschende Wirkung, weil es nur Kleinstmengen an THC (Tetrahydrocannabinol) enthält. Bei einem normalen Joint liegt der THC-Wert bei rund acht Prozent, beim CBD-Joint unter einem Prozent. Dafür wirkt das Cannabidiol (CBD) umso mehr: Es hat eine sedierende Wirkung und soll beruhigend sein. «Unser Cannabis ist nicht zu vergleichen mit dem Gras auf der Strasse», sagt Amzoski. Für sein legales Gras hat der Geschäftsinhaber immer Laborberichte zur Hand, welche die Legalität beweisen. Sicher ist sicher. «Die Polizei kann gerne testen», sagt er.

Online-Shop mit Kurier

Vom Hanfländer-Quartier bis Jona, von Bollingen um den Obersee: Auch der CBD Lieferdienst von Kresimir Glavina ist in der Rosenstadt unterwegs. Dass ausgerechnet Rapperswil-Jona eine aktive CBD-Händlerszene hat, kann auch er sich nicht erklären. «Wir sind halt in Rapperswil-Jona zu hause», sagt Glavina. Die Kunden beliefert er in maximal 90 Minuten aus seinem Onlineshop. Ein Modell das nach eigenen Aussagen Erfolg hat - trotz der stolzen Preise. 10 Gramm gibt es ab 110 Franken. «Unsere Kunden sind zwischen 18 und 70 Jahre alt», erzählt Glavina, der klingende Namen wie «White Widow» oder «Exotic Cheese» im Cannabis-Sortiment führt.

Stress mit der Polizei hatten bisher weder Glavina noch Amzoski. Wer mit CBD-Cannabis erwischt wird, muss nichts befürchten, sind sich beide einig. Nach einem Test bei der Polizei erhalte man das Gras wieder zurück. Glavina weiss von einem Ladenbesitzer in Zürich, bei dem die Polizei alles Cannabis beschlagnahmte - auch er habe es wieder zurückerhalten. Das passiere aber sehr selten.

Drogenschnelltest im Auto

Wie schwierig die Unterscheidung zwischen legalem und illegalen Cannabis ist, zeigt auch ein Blick in die Polizeiakten. Im vergangenen September entdeckte die Polizei im st. gallischen Niederhelfenschwil eine Indoor-Hanfanlage - zwar war sie nicht angemeldet, angebaut wurde dort aber legaler Industriehanf. Dass legales und illegales Cannabis nicht von einander zu unterscheiden ist, wissen auch die Polizisten der Kantonspolizei St. Gallen. «Illegale Drogen erkennt man nach dem Konsum durch einen Drogenschnelltest, Blutproben oder auch durch das Verhalten des Fahrers», sagt Mediensprecher Hanspeter Krüsi. In solchen Fällen greife man hart durch und entziehe etwa den Fahrausweis.

«Wenn nicht Cannabis draufstände, würde sich das Produkt wohl auch deutlich schlechter verkaufen.»

Toni Berthel, Suchtexperte

Behauptet ein Lenker, nur legales Cannabis mitzuführen wird dieses getestet: «Legales geht zurück an den Konsumenten, die Kosten für den Test werden ihm erlassen». Die Polizei mache die Erfahrung, dass viele Konsumenten beteuern, legal unterwegs zu sein, Blutproben aber den Konsum von illegalem Cannabis anzeigen würden. Trotzdem geht die Kantonspolizei St. Gallen mit Augenmass vor: «Treffen wir jemanden mit einem verschweissten, glaubwürdig beschrifteten Döschen an, das er kurz zuvor gekauft hat und stellen wir keine Anzeichen auf Fahrunfähigkeit fest, ergreifen wir keine Massnahmen». Darauf vertrauen, kann man aber als Konsument nicht.

Pilotprojekt der Polizei

Derzeit läuft bei der Kantonspolizei St. Gallen ein Pilotprojekt, das Polizisten darauf schulen soll, Fahrunfähigkeit auch ohne Atemalkoholtest oder Drogenschnelltest zu erkennen, beispielsweise durch genaues Beobachten des Verhaltens. «Auch Medikamente können zur Fahrunfähigkeit führen», sagt Krüsi. Die Polizei macht mit dem Pilotversuch gute Erfahren: «Im Labor erkennt man dann, dass andere Substanzen konsumiert wurden.» In zwei bis drei Jahren sollen Polizisten im ganzen Kantonsgebiet dafür geschult sein.

Suchtexperten sind alarmiert

Auch wenn das CBD Cannabis, wie Amzoski sagt «fein zum rauchen ist», gesund ist es eher nicht. «Wie alles was man raucht, hat auch ein legaler Joint Teer und andere Substanzen drin, welche der Lunge schaden», sagt Suchtexperte Toni Berthel von der Integrierten Psychiatrie Winterthur. Dass ein Geschäft einen Sammelpass für Cannabis anbietet findet er «fragwürdig». Weniger wegen der Sucht-Gefahr, sondern weil es sich um schädliche Stoffe handelt.

Für Berthel ist trotz des Hyspes um CBD-Cannabis klar: «Eine Verschiebung vom richtigen Joint zum legalen ist unwahrscheinlich, weil die Wirkung einfach nicht dieselbe ist.» Ein CBD-Joint wirkt laut dem Suchtexperten etwa so, wie Baldrian. Doch um das Baldrian-Kraut ranken sich deutlich weniger Mythen und abenteuerliche Geschichten wie um Cannabis. Berthel meint dazu: «Wenn nicht Cannabis draufstände, würde sich das Produkt wohl auch deutlich schlechter verkaufen.»

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