Rapperswil

Rapperswil gedenkt «Peter des Grossen»

Am Freitag gedachten Familie, Freunde und Bekannte in einer bewegenden Abschiedsfeier in der evangelisch-reformierten Kirche Rapperswil des Menschen und Kunstsammlers Peter Bosshard.

Gemeinsames Abschiednehmen: Zahlreich strömten Familie, Freunde und Bekannte am Freitag in die evangelisch-reformierte Kirche Rapperswil, um dem Kunstsammler Peter Bosshard  die letzte Ehre zu erweisen.

Gemeinsames Abschiednehmen: Zahlreich strömten Familie, Freunde und Bekannte am Freitag in die evangelisch-reformierte Kirche Rapperswil, um dem Kunstsammler Peter Bosshard die letzte Ehre zu erweisen. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Der Ruderer hat das Boot verlassen. Er wandert jetzt an einem anderen Ort.» Plötzlich und unerwartet hat Kunstsammler Peter Bosshard am Sonntag vor einer Woche seinen Weg auf Erden verlassen. Auf einer Winterwanderung mit seiner Frau Lisi ist er im Alter von 75 Jahren ­verstorben. Am Freitag gedachten seiner Familie und Freundein der evangelisch-reformierten Kirche Rapperswil.

«Peter Bosshard, 1942 bis 2018.» Nun würden dem irdischen Dasein seines Göttis also zwei simple Jahreszahlen gleichgesetzt, erklärt Nik Schoch sichtlich bewegt, als er dessen ­Lebenslauf verliest. Dass sich das Leben des Kunstsammlers kaum zwischen zwei Jahreszahlen fassen lässt, zeigt sich an diesem Freitag aber auch daran, wie viele Leute den Weg nach Rapperswil gefunden haben. Nachdem Kirchenbänke und Empore bis auf den letzten Platz belegt sind, bittet Pfarrer Heinz Fäh die weiteren Gäste, ganz vorne im Kirchenschiff, direkt hinter dem Abendmahltisch, Platz zu nehmen. «Heute sind wir eine grosse Familie, die Abschied nimmt.»

Beharrlicher Autoverweigerer

Während der rund eineinhalbstündigen Gedenkfeier wirddas facettenreiche und intensive Leben Bosshards noch einmal ­aufgeschafft und gewürdigt. So dürfte Bosshard das Sammler-Gen wohl von seinem Vater, einem Buchhändler, geerbt haben. Dessen Sammlung antiker «Struwwelpeter»-Ausgaben ging nach seinem Tod denn auch an seinen jüngeren Sohn Peter über.

Klar wird am Freitag auch: Wo Peter war, da war immer auch ­seine Frau Lisi. Bereits seit dem Gymnasium ein Paar, heirateten die beiden 1967. Zehn Jahre später erblickte ihr Sohn Chrigeldas Licht der Welt. Der Lieblingsort der kleinen Familie: der Randen. Jener Gebirgszug, der hoch über dem Kanton Schaffhausen thront. «In solchen Augenblicken mit der Familie und den von ihm bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Cervelats schien das Glück für Peter perfekt», erzählt Göttibueb Schoch.

Überhaupt habe Bosshard das Beisammensein mit Familie und Freunden sehr geschätzt und gepflegt. Auch Thomas Mühlebach, langjähriger Freund des Verstorbenen, erinnert sich gerne an «die legendären Einladungen». So pflegte der beharrliche Autoverweigerer und Frühaufsteher Bosshard etwa regelmässig bereits beim Dessert einzunicken. Irgendwann fordere die Natur schliesslich ihr Recht auf ein paar Stunden Schlaf ein. Man habe ihn gebeten, das Schaffen Bosshards einzuordnen. Aber es sei unfassbar schwierig, für «Peter den Grossen» die passenden Worte zu finden. Schliesslich bringt es Mühlebach wie folgt auf den Punkt: «Es gibt nicht viele Menschen, denen es verboten sein sollte, zu sterben. Peter war definitiv einer von ihnen.»

Leuchtturm Kunstzeughaus

Peter Bosshard hinterlässt als Gründungsmitglied und ehemaliger oder gegenwärtiger Präsident diverser Kunst- und Wohltätigkeitsorganisationen, wie etwa der Kunsthalle Zürich, der Stiftung Kunstzeughaus Rapperswil, der Gebert-Stiftung für Kultur Rapperswil, der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil oder der Christoffel Blindenmission International, ein riesiges Vermächtnis. Vielen wird er wohl aber vor allem als Mentor, Antreiber und Kritiker fehlen.

So geht es auch Patrick Sommer, Präsident der Stiftung Kunstzeughaus. «Seine humoristisch, verschmitze Art wird fehlen.» Er könne sich noch gar nicht vorstellen, wie es sein werde, das Fest zum zehnjährigen Bestehen des Kunstzeughauses ohne Peter Bosshard zu bewältigen. «Unsere Aufgabe ist es nun, den Leuchtturm Kunstzeughaus weiterhin in seinem Sinne zum Strahlen zu bringen.»

In seinem Engagement als Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil habe Bosshard Kunst immer wieder in den Dialog mit den Evangelien der Bibel gesetzt, erklärt Pfarrer und Freund Heinz Fäh. So habe immer wieder das eine oder andere Kunstwerk aus dessen Sammlung den Weg in die Kirche gefunden. Nicht überraschend also, dass auch am Freitag Kunstwerke aus der Sammlung Bosshard das Kirchenschiff schmücken. Darunter ein Ruderboot von Künstler Ueli Berger, das komplett aus Recyclingmaterialien besteht. Die dazugehörigen Ruder sind aus einem Teil des Bootes gemacht.

Das Boot setzt Fäh in seiner Predigt dem Leben gleich. Die Ruder sind die Lebenskraft und Entdeckerfreude, mit denen wir uns auf den Weg machen, dieses Geschenk auf Zeit zu erkunden. Beides bedinge sich und zeige gleichzeitig die Sinnlosigkeit des menschlichen Strebens auf. «Wir können dem Leben und dem Tod nicht entfliehen.» Ueli Bergers Kunstwerk zeige dieses Paradoxon auf. «Der Ruderer hat das Boot verlassen. Er wandert jetzt an einem anderen Ort.» ()

Erstellt: 18.03.2018, 16:04 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Kunstliebhaber, der den Luxus nicht mochte

Rapperswil-Jona Kunstsammler Peter Bosshard ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Wegbegleiter Peter Röllin, Gründungs­mitglied der IG Halle, erinnert sich an den leidenschaftlichen Kunstfreund. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!