Rapperswil-Jona

Quartierschulen für Migranten werfen Fragen auf

Spielerisch und in ungezwungener Atmosphäre Deutsch lernen: Die Idee der St. Galler Gemeinden, sogenannte Quartierschulen für Migranten einzuführen, kommt bei der Stadt gut an – obschon es bereits ein ähnliches Angebot gibt. Trotzdem stehen noch Fragen im Raum.

Die offenen Fragen zu den Quartierschulen für Migranten dürften am kommenden Stadtforum für Gesprächsstoff sorgen.

Die offenen Fragen zu den Quartierschulen für Migranten dürften am kommenden Stadtforum für Gesprächsstoff sorgen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Sie klatschen, werfen Ballone in die Luft oder formen Gegenstände aus Knetmasse. «Das ist ein Stuhl, das ist ein Tisch», spricht ein Mann langsam. Sie lachen viel, die Teilnehmer im Schulzimmer. Offensichtlich haben sie Spass am Lernen, am Kurs, an der deutschen Sprache.

Das Video zeigt einen Ausschnitt aus einem Pilotkurs von Liechtenstein Languages, kurz «Liela», wie er schon bald kantonsweit in den neuen Quartierschulen stattfinden soll. Die Quartierschulen sind ein niederschwelliges Angebot für Migranten, das die Vereinigung der

St. Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten (VSGP) einführen will. Migranten sollen vor Ort in ihren Gemeinden Deutsch lernen können, unterrichtet von Freiwilligen für ein geringes Entgelt. Nun sind die Gemeinden gefordert, das Ganze umzusetzen. Wie dies konkret in Rapperswil-Jona geschehen soll, dies will die UGS im Stadtforum ansprechen. «Was sind die Voraussetzungen, damit Kurse in den vorgesehenen Quartierschulen erteilt werden können?», will die Partei wissen. «In welchen Quartieren und Räumen finden sie statt?»

Neuer Name, neues Modul

Geplant sei, die Quartierschulen auf August dieses Jahres einzuführen, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort – aufbauend auf dem bestehenden Deutschkursangebot der Migrationsbegleitung Rapperswil-Jona (MBRJ). Dieses würde die Kriterien der Quartierschulen eigentlich bereits erfüllen, sagt Irene Stoob, Projektverantwortliche der MBRJ. Die Migrationsbegleitung, bei der Freiwillige im Einsatz sind, hatte die Stadt zusammen mit den Landeskirchen sowie der Freikirche Prisma vor anderthalb Jahren ins Leben gerufen.

«Es ist kein Deutschkurs im klassischen Sinne.»Irene Stoob, Migrationsbegleitung Rapperswil-Jona

Aktuell gibt es von der Stadt zwei Deutschkurse sowie einen Konversationskurs, hinzu kommen die Kurse vom Prisma. «Die Frage ist nun, wie man das Konzept der Quartierschulen in die bestehenden Strukturen einbaut», erklärt Stoob.

Freiwillige müssen in Kurs

Aktuell sind rund 15 Freiwillige für die Deutschkurse der MBRJ im Einsatz. Für die Quartierschulen bräuchte es sicher nochmals so viele, sagt sie. Wer das Kurs­modul «Liela» unterrichten will, müsste zudem erst einen zehn­tägigen Kurs besuchen.

Grundsätzlich seien die geplanten Quartierschulen mit den «Liela»-Kursen eine gute Sache, sagt Stoob. Sie hat unlängst einen Pilotkurs in Sennwald besucht und sich ein Bild davon gemacht. «Es ist kein Deutschkurs im klassischen Sinne», fasst sie ihre Eindrücke zusammen – die Teilnehmer würden spielerisch zum Mitmachen animiert, es sei lebhaft und motivierend. Trotzdem sieht sie noch offene Fragen. Allem voran decke der bestehene Pilotkurs nicht alle Zielgruppen ab. Jener erste, vierwöchige Kurs richte sich an Migranten, die noch nicht lange in der Schweiz sind, die kaum Deutsch sprechen, oder solche, die sich schwer damit tun, die Sprache zu lernen – ältere Leute zum Beispiel. Ein Konzept für Fortsetzungskuse ist erst im Aufbau. Dabei wäre es gerade wichtig, dass die Lernenden ihre Sprachkenntnisse schnell erweitern könnten, sagt Stoob.

Auch wo genau der Unterricht in Zukunft stattfinden wird, ist noch offen. Derzeit seien Abklärungen im Gange, schreibt der Stadtrat.

Von der VSGP gibt es pro Kurs 5000 Franken, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Der Deutschkurs muss in der Gemeinde stattfinden, allen Migranten offenstehen, für die Teilnehmer kostenlos sein und die soziale Integration und die Begegnung mit der Bevölkerung fördern. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.04.2017, 22:32 Uhr

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