Rapperswil-Jona

Pop-Up ist den Wirten nicht geheuer

Der Verein «Gastliche Altstadt Rapperswil» wehrt sich gegen ein erneutes Pop-Up im Circus Museum. Enttäuschte Bürger unterstellen den Wirten Neid und Missgunst. Der Verein verneint.

Das Visitor Center verwandelte sich im vergangenen Jahr erstmals zu einem Pop-Up Restaurant. Die Betreiberfamilie Knie hatte Glück: Die Stadt drücke bei der Bewilligung ein Auge zu.

Das Visitor Center verwandelte sich im vergangenen Jahr erstmals zu einem Pop-Up Restaurant. Die Betreiberfamilie Knie hatte Glück: Die Stadt drücke bei der Bewilligung ein Auge zu. Bild: Archiv Manuela Matt

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«Seldwyla wie es leibt und lebt», schreibt eine Facebook-Nutzerin als Reaktion auf den Entscheid von Rapperswil Zürichsee Tourismus das geplante Craft Bier-Pop-Up vom ehemaligen Circus Museum in die Stall Bar Jona zu verlegen. Das Lokal auf Zeit hätte im ersten Stock der Tourist Information für zwei Monate Craft-Biere der lokalen Bierfactory im Offenausschank anbieten sollen.

Auch andere Facebook-Nutzer zeigen sich enttäuscht darüber, dass fünf Einsprachen das temporäre Gastro-Angebot am Fischmarktplatz verunmöglichen. Besonders sauer stösst den Kommentierenden die Tatsache auf, dass ausgerechnet die Vereinigung «Gastliche Altstadt Rapperswil» gegen das Lokal auf Zeit rekurriert. So bringt es ein Nutzer in der Gruppe «Du bisch vo Rappi wenn» wie folgt auf den Punkt: «Der Verein «Gastliche Altstadt Rapperswil» sollte ernsthaft einen Namenswechsel in Betracht ziehen.»

Mit Gastlichkeit hätte die Einsprache gegen das Pop-Up-Konzept wenig zu tun, ist sich die Online-Community einig. Für viele ist klar: Die Gastrobetriebe an der Seepromenade wollen sich mit der Einsprache schlicht und einfach, die Konkurrenz vom Leib halten.

Dem sei ganz und gar nicht so, sagt Rocco Delli Colli, Präsident des besagten Vereins. «Alles was auf dem Fischmarktplatz passiert, ist eine Belebung für die ganze Altstadt und darum durchaus positiv zu werten.» Aber eine Belebung dürfe nicht auf Kosten der Gleichbehandlung gehen. Die «normalen» Restaurants müssten diverse, strenge Auflagen erfüllen. Delli Colli und seine Wirtekollegen bezweifeln, dass diese in gleichem Umfang auch für das Pop-Up gelten. Als Beispiel nennt der Dieci-Besitzer Delli Colli die Livemusik, die zum Pop-Up-Konzept gehöre. «Für uns gilt ein Musikverbot im Freien. Der Pop-Up-Wirt scheint von diesem Gebot jedoch ausgenommen.»

Gleiche Chance für alle

Ein Pop-Up sei zwar ein gastronomischer Spezialfall, dennoch würden für einen solchen Betrieb die gleichen Auflagen gelten wie für die übrigen Lokale am See, beschwichtigt Bauchef Thomas Furrer (parteilos). Zudem habe das Konzept von Pop-Up-Wirt Nico Brunner vorgesehen, dass die Musik ausschliesslich im Lokal gespielt werde. Der Rekurs der lokalen Gastronomen beziehe sich aber längst nicht nur auf die Lärmemissionen durch die Livemusik, wie Rocco Delli Colli betont. Auch der aus ihrer Sicht vergleichsweise günstige Mietzins für die Liegenschaft im Herzen der Rosenstadt sorgt für Unmut.

Dieses Argument will Simon Elsener, Präsident von Rapperswil Zürichsee Tourismus nicht gelten lassen. «Ich bin letzten Herbst aktiv auf den Verein «Gastliche Altstadt Rapperswil» zugegangen und habe ihnen die Chance gegeben selber ein Pop-Up-Konzept zu den gleichen Konditionen auf die Beine zu stellen.» Diese Chance habe man nicht ergriffen. Zudem müsse man berücksichtigen, dass die Umsetzung eines Pop-Up im ehemaligen Circus Museum hohe Initialkosten mit sich bringe. «Der Raum verfügt weder über einen Wasseranschluss, noch über eine genügende Stromversorgung.» All dies müsse der Initiant selber organisieren und finanzieren. «Daher sind wir der Meinung, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.»

Drei Pop-Ups sind zu viel

Simon Elsener gibt derweil zu, dass man die Wirkung der drei aufeinander geplanten Pop-Ups am Fischmarktplatz unterschätzt habe. Im Anschluss an das Craft-Bier-Projekt soll das Restaurant Himmapan in Zusammenarbeit mit dem Blues’n’Jazz ein temporäres Gastro-Angebot kreieren. Ein drittes, noch nicht kommuniziertes Projekt soll folgen. «Wir dachten, die Projekte mit lokalen Gastronomen bieten einen Mehrwert für die Stadt und das Gewerbe», sagt Elsener. Für die Wirte und Liegenschaftsbesitzer habe diese Idee jedoch viel mehr wie ein einziger «Anlassblock» gewirkt.

Das bestätigt auch die Aussage von Rocco Delli Colli: «Schaut man sich beispielsweise in Zürich um, dann dauert ein Pop-Up rund sechs Wochen. Im Fall vom Circus Museum sprechen wir nun aber von rund sieben Monaten, April bis Oktober.» Seiner Auffassung nach, habe das nichts mehr mit Pop-Up zu tun, sonder sei eine dauerhafte Umnutzung.

Apropos Umnutzung: Die Bewilligung eben dieser wurde dem neusten Projekt zum Verhängnis. Obschon die Stadt gemäss Bauchef Thomas Furrer im Dialog mit Rapperswil Zürichsee Tourismus bereits im letzten Jahr festgehalten hatte, dass für die Durchführung eines Pop-Ups künftig eine Baubewilligung nötig sei, erhielt Pop-Up-Wirt und Stall-Bar-Besitzer Nico Brunner diese Information erst vor rund einem Monat. Auflagefrist und Einsprachen haben eine pünktliche Eröffnung am 29. März so verunmöglicht.

«Blöd gelaufen»

Wieso aber hat man bei Rapperswil Zürichsee Tourismus nicht früher an das Bewilligungsverfahren gedacht? Das Ganze sei schlicht und einfach «blöd gelaufen», sagt Tourismuschef Elsener. Man habe zwar im stetigen Dialog mit der Stadt gestanden, sei sich aber nicht bewusst gewesen, dass eine Baubewilligung für die Umnutzung in einem separaten Verfahren eingeholt werden müsse. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.03.2018, 18:02 Uhr

So steht es um die Projekte Altstadt-Club und Altstadt-Förderer

«Ein Altstadt-Förderer ist mehr als gefragt»

Die Altstadt von Rapperswil ist ein Sorgenkind. Das Quartier verwaist langsam, immer mehr Läden und Restaurants müssen ihren Betrieb aufgeben. Um dem entgegenzuwirken, hatte die Stadt ein Workshopverfahren durchgeführt. Während dreier Treffen diskutierten Vertreter von Stadt, Gewerbe, Vereinen, Kultur, Detailhandel, Gastronomie und Grundeigentümern darüber, wie der Altstadt wieder Leben eingehaucht werden kann. Eines der Ergebnisse: Ein Altstadt-Förderer, eine Art Manager, soll als Vermittlungsfigur zwischen den verschiedenen Playern agieren und gemeinsam mit einem Gremium, dem sogenannten Altstadt-Club, Massnahmen zur Aufwertung der Altstadt umsetzen.

Demnächst finde nun ein erstes Treffen der «Spurgruppe» statt, wie Bauchef Thomas Furrer (parteilos) erklärt. Ihr Ziel: den Altstadt-Club ins Leben rufen. «Im Idealfall wählt dieser dann den Altstadt-Förderer.» Bereits seien zwei Bewerbungen bei der Stadt eingegangen von Personen, die sich vorstellen könnten, diese Funktion zu übernehmen. «Die aktuelle Situation rund um das Pop-Up-Projekt zeigt: Ein Altstadt-Förderer und Vermittler ist mehr als gefragt», meint Furrer. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Pop-Up-Konzepte als grosser Wunsch in den Workshops auftauchten. (fse)

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