Rapperswil-Jona

Polen gibt Millionenversprechen für Museum im Schloss ab

Immer wieder, aber noch nie so viel: Vor vier Jahren boten die Polen 600’000 Franken für Kulturevents im Schloss, dann Geld für Ausstellungen und jetzt gar für Millionen für die Modernisierung des Museums.

Das Schloss Rapperswil ist nicht nur für Rapperswiler, sondern auch für die Polen ein Wahrzeichen.

Das Schloss Rapperswil ist nicht nur für Rapperswiler, sondern auch für die Polen ein Wahrzeichen. Bild: Manuela Matt

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Es war ein Treffen auf höchster politischer Ebene: Der Schweizer Bundespräsident Alain Berset (SP) und der polnische Vize-Ministerpräsident und Kulturminister Piotr Glinski haben über die Zukunft des Polenmuseums im Schloss Rapperswil gesprochen. Das Meeting fand im Vorfeld des WEF, im Rahmen eines europäischen Kulturministertreffens, in Davos statt.

Nach Informationen der polnischen Regierung haben beide Seiten vereinbart, Gespräche zwischen dem Bundesamt für Kultur und der polnischen Botschaft in Bern fortzusetzen. Ziel der Gespräche soll es sein, den seit Jahren andauernden Konflikt zu lösen. Bei den Gesprächen seien sich die Politiker einig gewesen, dass das Museum Teil des nationalen Erbes beider Länder ist. Das Bundesamt für Kultur bestätigt die Gespräche, kann sich aber zu Einzelheiten nicht äussern.

Keine Zeit für ein Treffen

Viel spannender als das Treffen zwischen Berset und Glinski war aber ein zweiter Termin des polnischen Ministers in der Schweiz. Er besuchte nämlich auch das Polenmuseum in Rapperswil selbst. «Glinski hat sich Informationen über unsere Situation beschafft und betont, uns zu helfen», sagt Museumsdirektorin Anna Buchmann. Zum kurzfristigen Treffen waren auch Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) und Ortsgemeindepräsident Matthias Mächler eingeladen worden. Beide lehnten aus terminlichen Gründen aber eine Teilnahme ab.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Polen angekündigt, das Museum finanziell unterstützen zu wollen. Dies, um etwa personelle Engpässe zu beseitigen oder neue Ausstellungen zu realisieren. Nun richtet man aber mit noch grösser Kelle an. Das Geld wäre vorhanden, sofort mit der Modernisierung des Museums loszulegen, sagt Buchmann. Konkret: Es gibt ein Versprechen, dass der polnische Staat einen Millionenbetrag in das Museum investieren könnte. Buchmann will in den kommenden Tagen das Konzept online schalten, welches den örtlichen Behörden vor deren Schlossvision präsentiert wurde.

Polen feiern Jubiläen

Damit wird auch klar: Die polnische Seite hofft nach wie vor auf ein Weiterbestehen des eigenständigen Polenmuseums im Schloss. Nicht zuletzt, weil in heuer 150 Jahre polnische Freiheitssäule beim Schloss gefeiert wird, und ebenso 100 Jahre Polens Unabhängigkeit. Das Museum ist jedoch in der Schlossvision von Stadt und Ortsgemeinde nicht mehr vorgesehen. Geplant ist vielmehr eine Dauerausstellung zur Schlossgeschichte in der auch die polnische Verbundenheit zum Schloss zum Ausdruck gebracht werden soll.

Stadt lehnte Gelder ab

Stadtpräsident Stöckling erfährt von der Zürichsee-Zeitung vom Millionenversprechen der Polen. «Finanzierungszuschüsse sind natürlich willkommen. Wenn sie aber an Auflagen gebunden sind, müssten wir diese sehr genau prüfen». Bestimmt ablehnen würde man es, wenn ein eigenständiges und selbstorganisiertes Polenmuseum Bedingung für die finanzielle Unterstützung wäre. So hat es die Stadt auch 2014 gehandhabt, als die Polen bei der Weiterexistenz der Ausstellungsräume 600’000 Franken für Kulturveranstaltungen boten.

Kommt dazu: «Wir haben kein Mandat der Bevölkerung, über ein Polenmuseum zu verhandeln.» Die Bevölkerung hätte die Stossrichtung der Vision ohne Polenmuseum im Rahmen der Vernehmlassung zu dieser klar bestätigt. Er ergänzt, man habe der polnischen Seite kommuniziert, dem Museum die Kündigung auszusprechen, sobald die Arbeiten an der Schlossvision weiter vorangeschritten sind. Stöckling rechnet damit, dass der Planungskredit der Bevölkerung 2019 vorgelegt wird, der Baukredit 2021. Derzeit läuft der Projektwettbewerb für den Umbau. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.01.2018, 16:57 Uhr

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