Rapperswil-Jona

Pharmakonzern streicht in Rapperswil-Jona jede vierte Stelle

Vom weltweiten personellen Kahlschlag beim israelischen Generikahersteller Teva bleibt der Standort Rapperswil-Jona nicht verschont. Hier werden 15 von 60 Stellen abgebaut.

Teva fährt Aktivitäten in Rapperswil-Jona zurück: Dem weltweiten Sparprogramm des Generika-Giganten fallen hier 15 Stellen zum Opfer.

Teva fährt Aktivitäten in Rapperswil-Jona zurück: Dem weltweiten Sparprogramm des Generika-Giganten fallen hier 15 Stellen zum Opfer. Bild: Manuela Matt

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Das Projekt wurde als Prestigeerfolg der Standortförderung im Kanton St. Gallen gefeiert. Bei der Eröffnung der neuen Büros von Teva Pharmaceuticals International GmbH (TPIG) in Rapperswil-Jona Mitte 2015 waren sowohl der Teva-Konzernchef, als auch der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth zugegen. Das Grundstück wurde von der Stadt Rapperswil-Jona im Baurecht an die St. Galler Pensionskasse SGPK abgegeben, welche das Projekt realisierte.

In dem neuen Bürogebäude namens «Cube» nahe beim Bahnhof Jona waren von Beginn weg über 100 Personen tätig, ungefähr je hälftig für den US-Sicherheitsprodukteanbieter MSA und eben für Teva. Die Betonung liegt auf waren, denn aufgrund einer grossangelegten Sparübung von Teva werden am oberen Zürichsee von 60 Stellen deren 15 gestrichen. Insgesamt fallen in der Schweiz bei Teva von rund 290 Arbeitsplätzen fast 50 weg.

Grosszügiger Sozialplan

Bei TPIG in Rapperswil-Jona sind administrative Funktionen wie Finanzen und das Management der Lieferketten angesiedelt, die für den ganzen Konzern tätig sind. Am zweiten Standort von TPIG in Basel befassen sich die Mitarbeitenden vorwiegend mit der klinischen Entwicklung neuer Medikamente. In Basel entfallen rund 30 Stellen.

Das bei Massenentlassungen vorgesehene Konsultationsverfahren, bei dem das Personal Vorschläge machen kann, etwa zur Vermeidung von Kündigungen, lief bei der Teva-Tochter Mepha Schweiz bis Mitte März und bei TPIG bis Mitte April. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben einen grosszügigen Sozialplan erarbeitet.

Am Standort Rapperswil-Jona ist der Personalabbau nach Angaben von Mepha Schweiz-Sprecher Christoph Herzog in vollem Gang und sollte bis Ende Mai abgeschlossen sein. Der Abbau erfolgt ausnahmslos über Kündigungen. Betroffen sind internationale Funktionen in den Bereichen Finance, IT, Forschung und Entwicklung sowie Einkauf. Dank der während des Konsultationsverfahrens eingebrachten Vorschläge musste nach Angaben von Herzog eine Stelle weniger abgebaut werden als geplant.

Ob mit der Drosselung der Aktivitäten von Teva in Rapperswil-Jona die vor drei Jahren in Aussicht gestellten Expansionspläne der Vergangenheit angehören, kann Herzog nicht sagen: «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir diese Frage nicht beantworten». Eine Schliessung des Standortes sei «zum heutigen Zeitpunkt» aber nicht vorgesehen. Im Januar hatte die kantonale Wirtschaftsförderung der TPIG einen Besuch abgestattet. Am Treffen waren auch die Schwierigkeiten ein Gesprächsthema, mit denen sich Teva auf globaler Ebene konfrontiert sieht. Dabei war laut Herzog von Unternehmensseite die Befürchtung geäussert worden, «dass der Abbau auch die Schweiz betreffen könnte».

Robuste Steuerkraft

Seitens des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen weist man darauf hin, dass Teva in Rapperswil-Jona auch in Zukunft hochwertige Arbeitsplätze anbiete, «andererseits besteht das Geschäft um Ansiedlungen von Unternehmen nicht nur aus Erfolgen, vereinzelte Rückschläge gehören dazu». Die Leistungsbilanz der Standortförderung dürfe sich aber sehen lassen, heisst es aus St. Gallen. Seit 2015 seien mittels Ansiedlungen von Unternehmen über 320 Arbeitsplätze in den Kanton St. Gallen geholt respektive hier geschaffen worden. Zudem betreibe die Standortförderung erfolgreiche Bestandespflege. So würden Betriebe, die schon länger im Kanton produzieren, beispielsweise bei Erweiterungsprojekten aktiv unterstützt. Dies trage wesentlich dazu bei, Arbeitsplätze und Wertschöpfung langfristig im Kanton zu halten.

Rapperswil-Jonas Stadtpräsident Martin Stöckling gibt zu bedenken, dass bei der Mehrheit der Neuansiedlung von Firmen der Kanton federführend sei, darunter auch bei Teva. Insgesamt erachtet Stöckling die Ansiedlungspolitik der Stadt als «sehr erfolgreich». Die Steuerkraft der hier ansässigen Unternehmen sei robust und in den letzten Jahren hätten einige neue Betriebe angesiedelt werden können, die sich positiv entwickelten, wie MSA Schweiz. Im Fall von TPIG habe es keine persönlichen Kontakte gegeben. Aber natürlich sei die Stadt an einem langfristigen Erhalt der Firma in Rapperswil-Jona interessiert. Angesichts der unternehmerischen Situation von Teva kann Stöckling aber nachvollziehen, dass andere Massnahmen prioritär seien: «Wir sind aber für Gespräche offen». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.05.2018, 15:27 Uhr

Teva Pharmaceutical Industries

Teva Pharmaceutical Industries mit Sitz in Jerusalem ist weltweit der grösste Hersteller von Generika (Nachahmermedikamente). Im letzten Jahr rutschte das israelische Unternehmen tief in die roten Zahlen. Als Konsequenz gab Teva Ende letzten Jahres den Abbau von 14 000 Beschäftigten — von insgesamt 53 000 — bekannt. Der Abbau erfolgt über einen Zeitraum von zwei Jahren. Angesichts des zunehmenden Preiszerfalls auf dem Generika-Markt waren milliardenschwere Abschreibungen erforderlich. In der Bilanz hat vor allem der Erwerb des Generikaproduzenten Actavis zu einem riesigen Schuldenberg geführt.

In der Schweiz unterhält Teva vier Gesellschaften. Mepha Schweiz mit Sitz in Basel operiert mit zwei weiteren Gesellschaften, Mepha Pharma und Teva Pharma. Daneben führt Teva eine gesonderte Geschäftseinheit namens Teva Pharmaceutical International GmbH (TPIG), mit Sitz in Rapperswil-Jona und Forschungsstandort in Basel. TPIG konzentriert sich auf das Angebot von globalen Spezialmedikamenten und Markengenerika auf zahlreichen Märkten in der EU und den USA. Teva Pharma betrieb schon vor der Gründung von TPIG eine Niederlassung in Rapperswil-Jona mit knapp zehn Mitarbeitenden. Diese wurde als TPIG schrittweise mit weiteren Funktionen wie Global Supply Chain Management sowie Finanz- und Rechnungswesen ergänzt.

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