Linthgebiet

Personalmangel in Fussballklubs – Mannschaften stehen vor dem Aus

Fussball boomt seit Jahren bei Kindern und Jugendlichen. Dies hat Folgen: Vereine am Obersee können nicht alle Junioren aufnehmen. Es mangelt nicht nur an Sportplätzen, sondern auch an Trainern und Schiedsrichtern.

Der Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri trainiert mit Kindern im Fussballstadion Grünfeld in Jona. Um Junioren auch in Zukunft aufnehmen zu können, müssen Fussballklubs ihre Infrastrukturen ausbauen. So braucht auch der FC Rapperswil-Jona zusätzliche Trainingsplätze.

Der Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri trainiert mit Kindern im Fussballstadion Grünfeld in Jona. Um Junioren auch in Zukunft aufnehmen zu können, müssen Fussballklubs ihre Infrastrukturen ausbauen. So braucht auch der FC Rapperswil-Jona zusätzliche Trainingsplätze. Bild: Manuela Matt

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In der Ostschweiz warten über 2000 Kinder auf einen Platz in einem Fussballverein. Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbands (OFA), führt zwei Gründe ins Feld, wieso derzeit so viele Junioren im Abseits beziehungsweise auf einer Warteliste eines Vereins stehen: Es fehle an Trainern und Fussballplätzen.

Weil in der kommenden Zeit die geburtenstärksten Jahrgänge erst noch ins Alter kommen, in dem Fussballspielen zum Thema wird, rechnet Häuselmann mit einer Zuspitzung der ohnehin schon angespannten Situation. Um Anlagen zur Verfügung stellen zu können, seien Vereine aufgerufen, vermehrt den politischen Weg zu gehen. Das heisst, dass die Klubs die Zusammenarbeit mit den Gemeinden ­suchen, um auf diese Weise die Infrastrukturen zu bauen.

Vereinsentwicklung im Fokus

Neben den mangelhaften Platzverhältnissen sticht der überhandnehmende Personalmangel in den Klubs ins Auge. «Wir versuchen diesem Mangel seit zehn Jahren mit dem Förderprogramm Vereinsentwicklung zu begegnen», sagt Häuselmann: Vereine werden ausgebildet, wie sie Freiwillige, Trainer und Vorstandsmitglieder finden und Ehrenamtliche begleiten können. Dass am Obersee Strassenfussball zum Thema wird, findet der Verbandspräsident gut: «Dieser kann den Klubfussball ideal ergänzen. Beides soll Platz finden können.»

«Im Seedorf mangelt es derweil an Schiedsrichtern», sagt Vincenzo Cristofaro, Präsident des FC Schmerikon: «Wir müssen, um zwei Mannschaften ­spielen zu lassen, einen Schiedsrichter stellen. Das schaffen wir nicht.» Als Folge davon muss der Fussballklub 8000 Franken pro fehlenden Schiedsrichter zahlen – pro Jahr. Der Verein im Seedorf kann derzeit noch allen Kindern, die Fussball spielen wollen, einen Platz anbieten. «Dementsprechend kommen auch Junioren aus Uznach und Rapperswil-Jona zu uns», konstatiert Cristofaro. An die Grenzen der Kapazitäten werde sein Klub spätestens dann kommen, wenn der Zustrom an Neuzugängen in den kommenden Jahren zwanzig Prozent übersteigen würde.

Platzsanierung in Uznach

In der Einrosenstadt stehe vor allem das Platzproblem im Vordergrund, sagt Armando Resegatti, Präsident des FC Uznach. Mit Blick auf die Vereinskasse hat sich der Uzner Gemeinderat gegen einen Beitrag an einen Kunstrasenplatz ausgesprochen: Der Klub wollte seinen ältesten Naturrasenplatz sanieren undzu einem Kunstrasenplatz ausbauen, weil ein solcher eine deutlich höhere Belegung und eine ganzjährige Bespielbarkeit zulässt. Vorgesehen ist nun, dass der Naturrasenplatz 1 in fünf Jahren saniert und allenfalls zum Kunstrasenplatz ausgebaut wird.

Mit den Infrastrukturproblemen in Zusammenhang steht der Umstand, dass in Uznach zu wenig Mannschaften gebildet werden können. «Es hat vor allem bei den Junioren zu viele Spieler pro Mannschaft, die nicht zum Einsatz kommen können», führt Resegatti aus. Das Ziel des Vereins wäre es, mehr Mannschaften bilden zu können. Dies scheitert allerdings daran, dass es derzeit zu wenig Plätze hat, um mehr Mannschaften spielen zu lassen.

Am besten fahren Vereine am Obersee, wenn sie zusammenarbeiten. So erhält der FC Wagen vom FC Eschenbach Spieler, ­dieser kann dafür dank der Zusammenarbeit mit dem Wagner Klub sein Schiedsrichterkontingent erfüllen. «Was uns genauso beschäftigt wie die anderen Vereine, ist der zunehmende Mangel an Freiwilligen, die sich für einen Klub verpflichten wollen», sagt Urs Kälin, Präsident des FC Eschenbach.

Aufruf an die Eltern

So fehlen denn dem FC Wagen ­sowohl Juniorentrainer wie auch ein Juniorenobmann. «Nur wenn es uns gelingt, offene Positionen zu besetzen, werden wir unsere Juniorenabteilung im gleichen Rahmen weiterführen können», schreibt der FC Wagen auf seiner Webseite.

«Wir sind auf die Eltern der fussballspielenden Kinder an­gewiesen, insbesondere bei den jüngeren Jahrgängen», sagt Urs Bailer, Präsident des FC Wagen: «Nur wenn Eltern gefunden werden, die als Trainer einspringen, können wir verhindern, dass Mannschaften aufgelöst werden müssen.» Hinzu kommt, dass auch in Wagen Schiedsrichter gesucht werden.

«Wir konnten kürzlich den Ausfall von Schiedsrichtern mit einem Geldbetrag an den Fussballverband kompensieren», schildert Bailer: Doch dies sei nur für eine befristete Zeit möglich. «Wenn ein Klub während längerer Zeit zu wenig Schiedsrichter aufbieten kann, müssen als Folge davon Mannschaften aufgelöst werden.» Den Widrigkeiten zum Trotz komme eine Fusion des Vereins mit dem FC Rapperswil-Jona nicht infrage. «Unsere Mitglieder wollen das schlicht nicht», sagt Bailer. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.03.2018, 11:26 Uhr

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