Rapperswil-Jona

Pendlerabzug sorgt für Knatsch mit dem Steueramt

Seit 2016 können bei der Steuererklärung nur noch die Kosten für ein SBB-Generalabo abgezogen werden. In der Wegleitung ist diese Regel missverständlich formuliert, findet ein Rapperswil-Joner. Er geht nun gegen das Steueramt vor.

Der 59-Jährige fährt mit seinem Auto täglich von Rapperswil-Jona nach Abtwil. Die  Kosten für diese 120 Kilometer pro Tag möchte er von den Steuern abziehen.

Der 59-Jährige fährt mit seinem Auto täglich von Rapperswil-Jona nach Abtwil. Die Kosten für diese 120 Kilometer pro Tag möchte er von den Steuern abziehen. Bild: Symbolbild/Manuela Matt

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Jeden Morgen startet Galli Gübeli den Motor seines Autos. Von Rapperswil-Jona fährt der 59-Jährige nach Abtwil, wo er arbeitet. Fast 60 Kilometer hin und fast 60 Kilometer wieder zurück. Gübeli ist auf das Auto angewiesen. Weil er Schicht arbeitet, kann er nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Früher waren es goldene Zeiten für Autopendler wie den 59-Jährigen. Die vollständigen Wegkosten nach Abtwil konnte Gübeli nämlich bei den Steuern abziehen. Seit 2016 ist das nicht mehr möglich. Der sogenannte Pendlerabzug wurde auf den Preis eines SBB-Generalabonnements beschränkt. Beschlossen hat dies das St. Galler Stimmvolk. Die Vorlage wurde im November 2015 knapp mit 51 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Wegen des gekürzten Pendlerabzuges hat Galli Gübeli nun Streit mit dem Steueramt.

Missverständliche Vorlage

«Ich fülle die Steuererklärung noch auf Papier aus», erzählt Gübeli. Als er 2017 die Steuererklärung für das Jahr 2016 vornimmt, schlägt er wie gewohnt die Wegleitung auf. Darin findet sich eine Tabelle, wie der Abzug pro Fahrtkilometer zu berechnen ist. Gübeli nimmt die Tabelle als Masstab und füllt die Steuerformulare aus. Mit der Steuerrechnung kommt das böse Erwachen. Das Steueramt reduziert den Pendlerabzug von um die 10 000 Franken auf 3655 Franken. Gübeli macht Einsprache gegen den Entscheid des Steueramtes. Warum druckt das Steueramt eine solche Berechnungstabelle ab, wenn es ohnehin einen Höchstbetrag gibt? Das geht dem 59-Jährigen nicht in den Kopf.

Die Verwaltungsrekurskommission kommt in ihrem Entscheid zum Schluss, dass «die Wegleitung in jenem Bereich missverständlich verfasst ist.» Die Ausführungen mit Berechnungstabelle würden ausschliesslich für Angestellte gelten, denen der Arbeitgeber den Arbeitsweg bezahlt. Was Gübeli besonders stört: Die Verwaltungsrekurskommission argumentiert sodann auch mit der ein Jahr später erschienenen Wegleitung 2017 – die zum Zeitpunkt der Steuererklärung 2016 logischerweise noch nicht vorlag. «In der Wegleitung 2017 ist nach der Tabelle auf Seite 17 ein klärender Absatz eingefügt», schreibt die Verwaltungsrekurskommission. Tatsächlich wird darin die Begrenzung des Pendlerabzuges erwähnt. In der Gesamtbetrachtung ist für die Verwaltungsrekurskommission aber klar: Das Steueramt hat korrekt gehandelt. Galli Gübeli kann nicht mehr als 3655 Franken abziehen.

Dass eine Seite weiter vorne in der Wegleitung der begrenzte Steuerabzug korrekt erwähnt würde, hat inzwischen auch Galli Gübeli festgestellt. «Ich war es mir halt gewohnt, gleich die Tabelle zur Hand zu nehmen», erklärt er.

Mehrere Fälle

Beim St. Galler Steueramt will man sich zum vorliegenden Fall und den missverständlichen Formulierungen nicht äussern. Amtsleiter Felix Sager meint zur Zürichsee-Zeitung: «Aufgrund des Steuergeheimnisses ist es mir nicht erlaubt, zu konkreten Fällen in laufenden Verfahren Stellung zu nehmen.»

Ganz alleine scheint Galli Gübeli mit seinem Ärger über das Steueramt nicht zu sein, auch wenn eine grosse Klagewelle ausblieb. Zwar führen die Behörden keine Statistik über Beschwerdeverfahren, aber, sagt Felix Sager: «Nach unserem heutigen Kenntnisstand sind vor der Verwaltungsrekurskommission weniger als eine Handvoll Rekursverfahren im Zusammenhang mit dem Pendlerabzug entschieden oder noch pendent.»

Das dürfte auch daran liegen, dass die Zahl der noch auf Papier ausgefüllten Steuererklärungen stetig zurückgeht. Hätte Galli Gübeli nämlich die Formulare elektronisch ausgefüllt, wäre der Abzug automatisch begrenzt worden. Trotzdem hat sich der Rapperswil-Joner entschieden: Klein beigeben will er im Kampf gegen das Steueramt nicht. Er hat seine Beschwerde an das St. Galler Verwaltungsgericht weitergezogen. Allein schuld am zu hohen Steuerabzug sei er nämlich nicht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.07.2018, 15:51 Uhr

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