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Olympia in der Rosenstadt: Chance oder Schnapsidee?

Rapperswil-Jona könnte 2026 als Austragungsort der Olympischen Winterspiele in die Kränze kommen. Die Standpunkte von ZSZ-Redaktorin Fabienne Sennhauser und ZSZ-Redaktor Magnus Leibundgut.

Olympia 2026: Wenn die Zürcher nicht wollen, sollen dann die Rapperswiler?
Olympia 2026: Wenn die Zürcher nicht wollen, sollen dann die Rapperswiler?
Symbolbild, Keystone

PRO

Die Schweiz ist prädestiniert für vernünftige Winterspiele

Grösser, teurer, besser. Die jüngste Vergangenheit der Olympischen Spiele ist zugegebenermassen alarmierend. So gehen etwa die letzten Winterspiele in Sotschi mit Kosten von über 50 Milliarden Dollar in die Geschichte ein. Ein gefundenes Fressen für alle Olympiagegner in unserem Land. Nur: Olympische Spiele müssen nicht gigantisch sein. Es wird Zeit, sich vom Grössenwahnsinn zu distanzieren. Und wer wäre da besser geeignet als die kleine, vernünftige Schweiz.

Von fehlender Nachhaltigkeit ist oft die Rede. Bilder von heruntergekommenen Stadien ehemaliger Austragungsorte stärken dieses Argument. Eine Schweizer Olympiakandidatur könnte hier einen Wendepunkt bedeuten. So setzt sowohl die Bündner wie die Westschweizer Kandidatur auf eine breite regionale Abstützung. Das Ziel: Möglichst schon bestehende Infrastrukturen nutzen und erweitern.

Das olympische Feuer könnte so dereinst sogar in der Rosenstadt brennen. Dann nämlich, wenn die Stadt Zürich ihre Beteiligung an der Olympiakandidatur von Graubünden aufgibt. Konkret ginge es um die Austragungen der Eishockey- und Eisschnelllaufwettkämpfe. Der alte Stadtrat und die Bündner Regierung sind sich einig, dass sich die Eishalle Lido, die bis dahin um ein Aussenfeld erweitert würde, für Olympische Winterspiele eignen würde. Dem Bau des temporären Aussenfeldes hat die Bevölkerung bereits zugestimmt, über die Modernisierung des gesamten Areals hat das Stimmvolk voraussichtlich diesen Herbst zu befinden. Beide Bauvorhaben sind unabhängig von einer allfälligen Olympiakandidatur. Lediglich für den Eisschnelllauf also bräuchte es einen temporären Bau. Und das sollte machbar sein.

Ebenso verhält es sich mit den verkehrs- und sicherheitstechnischen Aspekten. Der Verkehr bei den Olympischen Winterspielen würde gemäss dem Bündner Bewerbungsdossier fast ausschliesslich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden. Gütertransporte sollen ebenfalls auf den Schienen erfolgen. Auch die Sicherheit könnte im Rahmen der Vereinbarung über die interkantonalen Polizeieinsätze (Ikapol) ausreichend gewährleistet werden.

Das Hauptargument für Olympia ist jedoch ein ganz anderes und völlig losgelöst von jeglichen planerischen Aspekten zu betrachten. Der Sport begeistert die Generationen und bringt seit jeher die unterschiedlichsten Kulturen zusammen. Dabei gilt der olympische Gedanke «Dabei sein ist alles» keineswegs nur für die Athleten selber. Auch die Zuschauer können sich dem olympischen Zauber nur schwer entziehen. Und deshalb bin ich überzeugt, dass das olympische Feuer noch lange in den Herzen der Rapperswiler lodern wird!Fabienne Sennhauser

CONTRA

Olympische Spiele in der Rosenstadt – eine Schnapsidee

Olympische Spiele gelten als das grösste Sportereignis der Welt und gehören demzufolge in eine grosse Arena. Rapperswil-Jona ist da schlicht eine Nummer zu klein. Die St.-Galler-Kantonalbank-Arena im Lido mag die ideale Heimstätte für die in der Nationalliga B spielenden Lakers sein. Für Partien der kanadischen, schwedischen oder russischen Nationalmannschaft ist die Eishalle im Lido hingegen schlicht die falsche Bühne.

Auch der Eisschnelllauf soll am Obersee stattfinden: Für diesen Lauf müsste ein Bau hingeklotzt werden, der dann nach den Spielen wieder abgerissen würde. Unzählige Austragungsorte von Olym­pischen Spielen können ein Lied davon singen, wie Stadien nach den Spielen zerfallen und wie die Kosten die Städte in den Ruin getrieben haben. Am Schluss zahlt die Allgemeinheit einen hohen Preis für ein paar Tage Winterspiele, die schnell vergehen, aber einen Rattenschwanz von unseligen Folgen nach sich ziehen. Die «marketingtechnische Riesenbombe» der angekündigten Spiele dürfte sich dann schnell in einen wahren Rohrkrepierer verwandeln.

Das Bündnerland kann die Spiele nicht alleine stemmen und ist auf der Suche nach Partnern. Und stösst allerorten auf Ablehnung. Die Stadt Zürich sagt in weiser Voraussicht Nein zu den Olympischen Spielen. Ebenso die weiteren geplanten Austragungsorte ausserhalb Graubündens, Einsiedeln und Engelberg. Und nun soll Rapperswil-Jona Lückenbüsser spielen und das ganze Ungemach dieser ­Spiele auf sich nehmen? Ausgerechnet der «alte» Stadtrat von Rapperswil-Jona prescht vor und will die Rosenstadt als Austragungsort verhökern. Als hätte man am Obersee nicht schon genug ­andere Sorgen. Will der Stadtrat mit diesem Unterfangen nur von hausgemachten Problemen ablenken? Man wage sich gar nicht vorzustellen, wie das Olympia-Geschäft anständig an einer Bürger­versammlung verhandelt werden soll. Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob Brot und Spiele heute noch angebracht sind. Erst recht, wenn man in Betracht zieht, wie korrupt und dopingverseucht sich der Sport derzeit gebärdet. Der Geist der ursprünglich als religiöses Fest über die Bühne gehenden Olympischen Spiele hat sich längst verzogen und sich in das Gegenteil verkehrt. Kommerz und Konsum beherrschen die vollends überdimensionierte Veranstaltung. «Schneller, höher, weiter» gilt vor allem in finanzieller Hinsicht als massgebliches Motto.

Sogar Sportlerkreise am Obersee kritisieren den Plan, dass Rapperswil-Jona Austragungsort werden soll. In der Tat stellt sich die Frage, ob man die Verkehrs- und Sicherheitsprobleme einer solchen Mammutveranstaltung lösen kann. Und ob man späteren Generationen einen Sack voller Probleme aufbürdet, wenn wegen der Olympischen Spiele Bauten die Landschaft am Obersee verschandeln.Magnus Leibundgut

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